Fußball verbindet

Die letzte öffentliche Trainingseinheit war grad vorbei und für die vielen schwarzgelben Fans in Bad Ragaz kehrt nun wieder Alltag ein. Was bleibt, ist ein kleines Resümee zu ziehen und neben den ganzen Autogrammen und Fotos mit Spielern ein wenig das Ganze zu betrachten.

Gerade in Bad Ragaz versucht der BVB im Sommertrainingslager auch Fannähe zu zeigen, indem sie zum Beispiel vom Hotel zum Trainingsgelände die Strecke mit dem Fahrrad zurücklegen oder jeden Tag mit einigen Spielern die immer gut gefüllten Zuschauertribünen entlang gehen und für einen schnellen Schriftzug und Schnappschüsse zur Verfügung stehen. Den Rest des Tages bleibt man aber gut abgeschirmt in geschlossener Gesellschaft in der Fünf Sterne-Nobelherberge „Grand Resort“ am Ort.

Neben den normalen Urlaubern (mit oder ohne Bauerntrikot) die sich schon mal auf den Trainingsplatz verirren, gibt es natürlich die Fanclubs aus ganz Deutschland und Umgebung, die es sich nicht nehmen lassen, diese eine Woche hier ihre Zelte (oder Wohnwagen, bzw.Wohnmobil) aufzuschlagen und hier zu Kiebitzen und in einer großen Gemeinschaft alles das aufzusaugen, was schwarzgelb ist.



Da bleibt es auch nicht aus, wenn nach einem Wolkenbruch und einem dadurch völlig durchnässten Zelt einem anderen Borussen bei sich, zumindest für eine Nacht, Unterschlupf gewährt wird. Natürlich gibt es auch die Trainingslager an anderen Orten (mittlerweile ist ja auch der Ferne Osten dazugekommen), aber die sind längst nicht so hoch frequentiert wie das kleine schnucklige Örtchen gegenüber von Lichtenstein.

Einer der Borussen, die jedes Trainingslager als Fan mitnehmen, ist Andre, Vorsitzender von der Alten Garde: "mittlerweile 39 am Stück ohne Unterbrechung" zählt er die Serie auf. Zwischen den beiden letzten Trainingslagern in Kirchberg und China und der Schweizer Station in Bad Ragaz blieb nur noch Zeit zum Schnellwaschgang, ehe es wieder los ging. Doch Andre zieht ein positives Fazit der Reise in die Schweiz und resümiert: "die Mannschaft war sehr aufgeschlossen, gab viel Autogramme, das Training fand fast immer direkt vor den gefüllten Zuschauerrängen statt und nicht auf dem weiter entfernten Platz."

Und so blieb der Eindruck eines insgesamt positiven Auftretens vom BVB im Gegensatz zu Kirchberg, wobei das ja auch nur ein sehr kurzes Trainingslager war. Gleichwohl ließ der Gedanke daran dann doch einige Befürchtungen bei ihm hochkommen, dass möglicherweise die „Fannähe“ auch in der Schweiz eher zurückhaltend praktiziert werde.



Bekannt sei ihm auch das ganze Drumherum, "Mit vielen netten Leuten Spaß haben und schöne Tage zu verleben geht in dieser tollen Umgebung sehr gut - auch wenn das Leben vor Ort nicht gerade billig ist," findet Andre. Toll sei auch die Platzanlage und die überall verspürte Gastfreundschaft und er freut sich schon darauf – vorausgesetzt, es werde auch nächstes Jahr wieder Ragaz angesteuert - wieder mit den gleichen Leuten, insbesondere auch den Mitgliedern des Schweizer Fanclubs Confoederatio Helvetica, „die sich jedes Jahr schwer ins Zeug legen, uns einen schönen Aufenthalt zu bereiten“.

Auch 2016 fand wieder ein von ihnen vorbereitetes „Fantreffen“ statt auf dem vor dem Spiel in Altach gemeinsam gefeiert und ein Transfer zum Stadion geregelt wurde. Über die Jahre sei gerade Roman Weidenfeller mit den Jahren immer aufgeschlossener geworden und auch die anderen Spieler seien auf ihn zugekommen: "du schon wieder hier" hieß es. "Man kennt sich halt so langsam durch die etlichen Begegnungen aus den vergangenen Jahren", zieht er auch für sich persönlich ein positives Fazit und dem Verhältnis zu Borussias Spielern.

Maik, der Vorsitzende des heimischen Schweizer Fanclubs „Confoederatio Helvetica“, quasi als Gastgeber angesehen, empfindet dieses Jahr fast schon als Rekord. Sein Fanclub, mit Mitgliedern aus der ganzen Schweiz, lässt kein BVB-Spiel aus und für den quasi jedes Spiel ein Auswärtsspiel ist, vernahm mehr Leute und mehr Umsatz bei den Ständen am Platz, wie er herausgehört hat. Er hofft, dass es immer mehr aus Deutschland werden, da man dadurch auch mehr Freundschaften schließen kann.



"Wettermäßig war es dieses Jahr hervorragend", wobei der eine Tag Regen leider genau auf das Fanfest der Schweizer gefallen ist. "Persönlich habe ich einen Traum, irgendwann einmal das Trainingslager in meine Heimat nach Bern zu verlagern, was ja gerade für die Deutschen fußballhistorisch ein Anziehungspunkt erster Güte wäre und - egoistisch gesehen – ist es schließlich nicht so weit für mich."

Tuner See, die Hausberge Eiger, Mönch und Jungfrau wären schon eine Umgebung, die sehr reizvoll ist. "Dann hat man wirklich erst die Schweiz gesehen.", gerät er schnell ins Schwärmen. Im Umgang mit den anderen Schwarzgelben sieht er eine allgemeine Offenheit und Freundlichkeit und Freundschaften die sich über Jahre entwickelt haben, die es jedes Jahr gelte, weiter zu pflegen. "Was will man mehr", fügt er frohlockend hinzu.

Selbst einige der Ultras seien da gewesen und bei dem ein oder Anderen bekam man einen Einblick in die Gefühlswelt. "Man versteht sie besser und sie uns", lautet da die Erkenntnis. "Das müsste eigentlich zur Regel werden", findet Maik. Generelle Änderungswünsche formuliert er gerade heraus für die Fans, die teilweise über 1000 km anreisen. Er wünscht sich vielleicht einmal, statt den kleinen Zusammenkünften einen gemeinsamen Abend, wo eventuell dann auch die Mannschaft dabei ist.



"Im Vergleich zum HSV oder zu Bayern München, die dann einen gemeinsamen Grillabend organisieren, möchte ich mir diese kleine Arroganz leisten und uns dies als kleinen Traum gemeinsam zu gönnen - trotz dieser tollen Tage mit Fanshop, Medienrummel, Autogrammen", sieht aber trotzdem, dass die Anzahl der Teilnehmer natürlich irgendwie beschränkt bleiben müsste.

Maik würde sich z.B. bereit erklären, im nächsten Jahr am Platz mit seinem Fanclub mit einem Stand vor Ort zu sein, um den Anreisenden direkte Infos aus erster Hand über Land und Leute z.B. Einkaufsmöglichkeiten zu geben."Wir sind ja auch froh, wenn wir nach Dortmund kommen und wir dort begleitet werden", sieht er sich diesbezüglich in der Pflicht. Die Vorfreude auf das nächste Jahr ist aber auch ihm schon anzumerken.

Vorfreude natürlich auch auf die neue Saison. Die spiegelt sich bei vielen Fans im Gesicht wieder, die jetzt alle neuen Spieler kennengelernt haben und so automatisch Lust auf mehr haben. Eine junge ambitionierte Truppe, die gemeinsam einen Neustart macht, auf dem Weg zu neuen Ufern. „Wir lassen uns überraschen“, lautet der einstimmige Tenor.

Unzufriedenheit wegen überteuerter Testspiel-Tickets

Nebenbei bemerkt, sind auch noch mal die etwas übertriebenen Preise für die beiden "Testspiele" zu nennen. Gerade für eine Familie mit Kindern ist eine Sitzplatzkarte für 45 Franken (im Vergleich eine Karte fürs DFB-Pokalfinale lag bei 45 Euro) natürlich in der Summe eine fette Hausnummer und Stehplätze lagen ja auch nicht unter "nem Zwanni". Da würde man sich wesentlich mehr Fingerspitzengefühl wünschen, denn gerade St. Gallen hat ja anschaulich gezeigt, dass Stadien deshalb auch mal leer bleiben.

Auch für uns geht es mit unserem schwarzgelben Wohnwagen nach der Stippvisite in St. Gallen wieder zurück in die Heimat. Auf diesem Weg natürlich - wie immer - mit weiteren Begegnungen an Tankstellen, Rastplätzen und Campingplätzen bei denen man über unsre Borussia ins Gespräch kommt. Sei es mit Fans des BVB oder aber auch mit denen anderer Vereine und "Projekte". "Fußball verbindet".


Opens window for sending emailOliver Römer (Fanclub Totale Offensive BVB) für DIE KIRSCHE – 10.08.2016





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