2:1 gegen Bochum, aber Klopp grantelt

Im Rahmen der Vorbereitung im Trainingslager in La Manga hatte sich der BVB heute im rund 50 Kilometer entfernten San Pedro del Pinatar mit dem Reviernachbarn aus Bochum in der schmucken „Pinatar Arena“ verabredet, wo jeder verfügbare Platz vergeben war.  Und so sahen bei sonnigem Wetter etwa 3000 Zuschauer ein für die Saisonvorbereitung typisches Testspiel, in der der BVB mit Langerak im Tor begann. Die Viererkette bildeten Großkreutz, Bender, Sokratis und Schmelzer. Davor  Mkhitaryan und Sahin auf der Doppelsechs und Hofmann, Lewandowski, Reus und Aubameyang sollten das Offensivspiel ankurbeln. Man kann es vorweg nehmen: Jürgen Klopp zeigte sich von diesem Ensemble wenig erfreut: „Die erste Halbzeit war weit neben dem, was wir uns so unter Fußball vorstellen, kein Gegenpressing, nichts. Das hat mir gar nicht gefallen“, machte der Coach seinem Unmut anschließend Luft.
Trainer Peter Neururer nahm es indes leichter, brachte gleich drei  A-Jugendspielern in seiner Startformation, da er neben Felix Bastians und Slawo Freier auch weiterhin auf Allrounder Marcel Maltritz verzichten musste, dessen gegen Hoffenheim erlittene Ellenbogenverletzung einen Einsatz gegen den BVB unmöglich machte. 

Das Spiel selbst begann mit einer faustdicken Überraschung: Der erst 18 Jahre alte Jan Gyamerah spielte einen abgelaufenen Ball zurück zu seinem Keeper. Doch Andreas Luthe senste sensationell über das Spielgerät und ließ ihn so ins leere Tor trudeln. Ganze 58 Sekunden waren da gespielt und alle im Stadion rätselten, was den erfahrenen Torsteher da wohl geritten haben dürfte. 
Dem Spiel der Schwarzgelben gab dieser frühe Treffer allerdings wenig Sicherheit. Uninspiriertes Geplenkel und wenig zielgerichtete Angriffsversuche über die Außenbahnen waren die Folge. Im Gegenteil. Einen schlampigen Fehlpass von Nuri Sahin nutzten die Bochumer, um erstmals gefährlich vor das Gehäuse von Mitch Langerak zu gelangen, doch Sokrates drosch in letzter Konsequenz dazwischen und klärte. Aus der Höhe der Eckfahne ertönte ein nassforsches: „Die Nummer 1 im Pott sind wir“, was alle, die es mit dem BVB hielten, wirklich witzig fanden.
Nach gut einer Viertelstunde musste  Reus dann den Frust des Eigentorschützen ausbaden, als Gyamerah den Dortmunder Angreifer übel abräumte. Das Spiel lief zwar in Richtung der Ruhrstädter, aber verpuffte weiterhin wirkungslos im Mittelfeld. Erst in der 28. Minute gab es eine erste ansehnliche Kombination in deren Verlauf Aubameyang zwischen zwei blaugekleideten Kickern zu Fall kam, aber der Pfiff des einheimischen Schiedsrichters blieb aus. 

Vier Minuten später dachten alle, das 2:0 durch Marco Reus sei ein Treffer zum bejubeln, doch er zählte wegen seiner Abseitsstellung zu recht nicht. Zehn Minuten später notierten wir den allerersten Ballkontakt von Langerak überhaupt. Wiederum eine Minute später legte Jonas Hofmann in der wohl besten Szene der ersten Halbzeit quer von Außen zum Fünfmeterraum, wo „Aubame“ direkt abnahm und knapp einen Meter über den Winkel drosch. 
Peter Neururer wechselte in der Pause sein gut mithaltendes Team kräftig durch. So spielt der VfL weiter mit: Luthe, Heber, Eyjolffson, Butscher, Holthaus, davor Tiffert, Zahirovic, Bulut, Aydin, Gulden und Kreyer. Jürgen Klopp tauschte sein Team sogar komplett aus. Der BVB sollte jetzt mit folgendem Personal die Vorstellungen der sportlichen Leitung umsetzen: Weidenfeller, Piszczek, Friedrich, Sarr, Durm, Kehl, Kirch, Blaszczykowski, Ducksch, Jordanov und Schieber. Alle Spieler aus der ersten Elf wurden sofort zurück zur Regenerierung ins Hotel nach La Manga gefahren.

Die, nennen wir sie mal zweite Formation, spielte von Beginn an mit einem Tick mehr Inspiration. So dauerte es auch nicht lange, bis erste Ansätze so etwas wie „Torgefahr“ verbreiteten. Und nur sieben Minuten nach Wiederanpfiff startete Kuba Blaszczykowski rechts durch, passte vorbildlich auf Kapitän Sebastian Kehl und dieser nagelte das Leder an die Latte. Den von dort abprallenden Ball versenkte U23-Spieler Jordanov per Kopf sicher im Netz zum 2:0 (52.).
Der BVB hatte jetzt deutlich mehr Zug zum Tor als noch im ersten Durchgang, spielte schneller und verzichtete auch viel öfter auf unnötige Schnörkel beim Passspiel. Kuba hatte dann sogar die Riesengelegenheit zum 3:0, als er mustergültig freigespielt auf Luthe zu rannte, aber Nerven zeigte und am VfL-Zerberus im "eins gegen eins" scheiterte. 

Spannung gab es dann erst wieder 12 Minuten vor dem Ende, als Weidenfeller einem leicht misslungenen Rückpass von Marian Sarr hinterher hechelte und die Kugel etwa einen halben Meter vor der Torlinie grätschend „entschärfen“ konnte. Zwei Minuten später hätte Schieber den Sack zumachen können, aber… was soll man sagen? In gewohnter Manier setzte er einen Heber drüber (80.). „Reißt euch noch mal zusammen“, rief Jürgen Klopp seinen Mannen verärgert zu.
Den Schlusspunkt setzten dann allerdings die Bochumer. Manuel Friedrich pennte und hob das Abseits auf, was postwendend durch Kreyer zum 2:1-Anschlusstreffer führte. Fazit: Der BVB gewinnt auch sein zweites Spiel unter Spaniens Sonne. Allerdings sind die Stellschrauben noch längst nicht ausgereizt. Das wiederum werden alle Verantwortlichen ebenso wissen. Nächster Halt ist nun am Samstag auf dem Betzenberg, wo man dann vom Zweitligadritten und designierten Aufstiegskandidaten geprüft wird. 
Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailPeter Hoffmann, 14.01.2014



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