Zwischen Mitternachtssonne und Gebirgsketten: BVB-Supporters Norwegen

Die Geschichte zur Gründung des wohl nördlichsten BVB-Fanclubs führt uns nach Rong, an Hardangerfjord und Rongesund-Brücke - im äußersten Westen Norwegens gelegen. Knapp 50 Kilometer sind es bis in die Hauptstadt des Hordalandes nach Bergen. Eine Urlaubsgegend, die bei uns wohl eher als Geheimtipp gelten dürfte, ist die postalische Heimat der „BVB-Supporters Norwegen“, deren Mitglieder aus dem ganzen Land kommen – sogar aus dem hohen Norden von Hammerfest. Die Hälfte der derzeit 63 Mitglieder stößt allerdings aus dem Osten des Landes und dem Großraum Oslo’s zu den Treffen.

Im Sommer wird das Land aufgrund der Mitternachtssonne seinem Ruf absolut gerecht. Das intensive, leicht schummrige Tageslicht oberhalb des Polarkreises scheint rund um die Uhr und macht jede norwegische „Nacht“ zu einem Erlebnis. Manchmal müssen Sie sich dort regelrecht zwingen, schlafen zu gehen.  2005 ist Patrick Jesella (Bild) aus dem malerischen Halberstadt, dem Tor zum Harz, von Sachsen-Anhalt nach Norwegen ausgewandert. Schlechte Jobperspektiven und die Chance auf ein Abenteuer haben ihn zu diesem Schritt motiviert. Heute arbeitet er als Service Ingenieur für FMC Technologies, einem weltweit führenden Anbieter von Technologielösungen, deren Haupttätigkeitsfeld Öl-und Gas Equipment für die Energiebranche sind, mitten in der Nordsee.



„Plötzlich so weit entfernt von meiner geliebten Borussia, vom Westfalenstadion, das war schon hart am Anfang. Damals wurde die Bundesliga noch nicht im norwegischen TV gesendet, weshalb meine erste Aufgabe darin bestand, mir über Umwege ein Sky Abo zuzulegen, um den BVB wenigstens im TV sehen zu können“, erinnert sich der Borusse und gibt weiter zu Protokoll: „Doch damit gab ich mich nicht zufrieden. Denn, wie ich mitbekam, wurden hier in Norwegen mehr und mehr Menschen auf unseren Ballspielverein aufmerksam, was natürlich auch ein Verdienst von Jürgen Klopp und seiner attraktiven Spielweise war“.  Dazu muss man wissen, dass es für die meisten Norweger nur die englische Premier League gibt und sie wirklich sehr anglophil eingestellt sind.

In der Zwischenzeit hatte ich Kontakt zu mehreren Leuten bekommen, die auch Borussia in ihren Herzen tragen und 2010 haben John Sebastian Schmidt Slørdahl und ich uns entschlossen, einen Fanclub als Auffangbecken für alle Schwarzgelben zu gründen. Damals waren sie nur ganze zwei Mitglieder und weit davon entfernt, ein offizieller Fanclub zu werden. Doch innerhalb eines Jahres hatte sich die Mitgliederzahl bereits auf  20 erhöht und so haben die beiden den Schritt gewagt, es „offiziell“ zu machen. Seither träumen sie von einem Besuch der Fanbetreuung und von Petra Stüker auf der skandinavischen Halbinsel.


John Sebastian Schmidt Slørdahl in einer Liveschalte im norwegischen TV zum Thema BVB

Als „Liebe auf dem ersten Blick“ bezeichnet es auch Sebastian aus der Grafschaft Akershus: „Ich bin im Nordwesten von Norwegen aufgewachsen in einem kleinen Dorf. Da wusste niemand was von der Bundesliga oder von Borussia. In den 80’er und 90’er Jahren war die englische Premier Leauge in Norwegen das einzige, was von Interesse war“. Mit Ausnahme der Episode von Rune Bratseth in Werden Bremen vielleicht, der dort ja eine Zeit recht erfolgreich gekickt hat.   In den letzten fünf Jahren hat aber die Bundesliga generell und Borussia Dortmund im Besonderen sehr an Beliebtheit gewonnen was auch die Mitgliederzahl im Supporterclub befeuert hat. „Wir sind in der letzten Zeit auch mehrmals im norwegischen TV aufgetreten um das Phänomen Borussia Dortmund zu erklären“, sagt der gebürtige Münsteraner im Gespräch mit der KIRSCHE, der  jetzt nun schon seit 10 Jahren eine Dauerkarte auf der Südtribüne sein eigen nennt.


Stärkung auf der Fähre „Oslo-Kiel“ auf dem Weg  zum Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin 

„Ich versuche es mindestens einmal im Monat nach Deutschland zu fahren und hab sehr viele gute Erinnerungen an diese Fahrten, wie beispielsweise das Berliner Pokalendspiel gegen München, oder etwa das Champions Leaguespiel gegen Malaga. Sein letztes Spiel war das Auswärtsspiel in Hamburg, „was ja nicht so gut war, aber Borussia ist immer geil“, weiß der Mitbegründer der BVB Supporter Norwegen zu berichten.   Mittlerweile haben sie bereits über 200 Fans auf ihrer Facebookseite registriert. Borussia Dortmund ist also auch in Skandinavien schwer im Kommen, doch dabei wollen sie es nicht bewenden lassen:  „Wir reisen regelmäßig nach Dortmund, was wirklich nicht immer einfach ist, weil so eine Reise schon mal locker 500€ kostet“, analysiert Patrick sein Hobby mit nicht unerheblichem Reisebudget, denn der Flughafen Bergen verfügt nicht über die vielfältigen Möglichkeiten im Bereich der Reiseanbieter, die Oslo in zur Verfügung stehen.

Beim letzten Rückrundenheimspiel gegen Hertha BSC im Dezember 2013 haben sie es beispielsweise auf beachtliche 28 Mitreisende gebracht.  Wenn sie mal nicht unterwegs sind, treffen sie sich im Sportspub „Öffnet externen Link in neuem FensterBohemen“ in Oslo, was vorrangig denjenigen zugute kommt, die im Osten der skandinavischen Halbinsel wohnen.
 


Das Schlusswort gebührt dementsprechend der Sachsen-Anhaltiner Know-how-Transfer-Leihgabe Patrick Jesella: „Wir sind wirklich stolz auf unsere Pionierarbeit hier und verbuchen es als einen riesigen Erfolg in diesem doch so Premier League fixierten Land so viele Gleichgesinnte gefunden zu haben“. Dem ist nichts hinzuzufügen aus Dortmunder Sicht. Weiter so!

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailHolger W. Sitter, 05.03.2014
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