Altenautal – Westfalenstadion und zurück: 25 Jahre echte Leidenschaft

Als sich am Morgen des 19. Juli diesen Jahres zehn BVB-Fans am Stadionvorplatz auf ihre Fahrräder schwangen, um zu einer Radtour aufzubrechen, ahnten sie wohl nur sehr vage, welche Leiden sie in den nächsten zwei Tagen erwarten würden. 150 Kilometer muteten Sie ihren zumeist untrainierten Körpern bei sommerlichen Temperaturen zu, um jene „Schnapsidee“ in die Tat umzusetzen, die entstanden war, um den Gründungstag ihres Fanclubs gebührend zu würdigen. Ziel sollte am Abend des Folgetages das Örtchen Husen im Altenautal bei Paderborn sein, in dem 25 Jahre zuvor der BVB-Fanclub Altenautal 1988 gegründet wurde.

Auch wenn nach einer stimmungsvollen Übernachtung am Möhnesee nicht jeder das Ziel per pedales erreichte, so fanden sie dennoch alle den Weg nach Husen, um pünktlich auf das Vereinsjubiläum anzustoßen und die vielen Geschichten aufleben zu lassen, die der Fanclub seither geschrieben hatte.

Unzählige Male hatten die Mitglieder den Fanbus als ihr Reisemittel gewählt, um in Richtung  Dortmund aufzubrechen und die Spiele ihrer heiß geliebten Borussia zu besuchen. Gründungspräsident Hubert Diermann ging dabei mit großem Enthusiasmus und stimmgewaltig voran. Die Begeisterung für den Fanclub sowie die Mitgliederzahl wuchsen schnell, Fahrten zu den Heimspielen wurden zur Selbstverständlichkeit. Der Verein belohnte die Fans sogleich mit dem unvergesslichen Pokalsieg 1989, zu dem man in großer Zahl in die Hauptstadt reiste und dort – im nahenden Klima des Umbruchs und der Grenzveränderungen –  tolle  Tage verlebte.

Der Startschuss in die 90er Jahre war gegeben: das Jahrzehnt, das so viele unvergessliche Fahrten bringen sollte. Ob dieser schlimme Tag des 16. Mai 1992 in Duisburg, an dem bis auf 4 Minuten alles passte – an dem Jubel, Tränen und trotzig-stolze Feierlichkeiten bei der „Vizemeisterfeier“ so nah beieinanderlagen. Ob die Rückkehr auf die europäische Bühne, auf der sich gerade den Fans die Gelegenheit bot, sich von ihrer besten Seite zu zeigen: euphorisch, offen, trinkfest und – vor allem stimmgewaltig. Ob die beiden Meisterschaften, auf die man so lange gewartet hatte. Und nicht zuletzt der Gewinn der Champions League. Überall war das Löwen-Logo des Fanclubs zu sehen.



Neue Kontakte wurden geknüpft. Mit dem befreundeten Fanclub Eggeland – Dringenberg wurden Fahrten durch Europa organisiert, die unvergessen bleiben werden. Auch Fans aus dem Ruhrgebiet zeigten sich begeistert von der Stimmung im Club und schlossen sich unserm Fanclub an. Eine bis heute währende Freundschaft zu Celtic-Fans aus dem Glasgower Vorort Carmyle entstand und prägte unsere Gemeinschaft nachhaltig.

Das Einzugsgebiet des Fanclubs weitete sich rasch über das Altenautal auf den Paderborner Raum aus. Paderborn wurde ein fester Einstiegsort für die dort ansässigen Mitglieder. Die Mitgliederzahl wuchs im Laufe der 90er Jahre auf über 250 Borussenfreunde an. Als absolutes Highlight muss sicher das Champions League-Finale 1997 in München angesehen werden, zu dem 115 Altenautaler in die bayerische Hauptstadt reisten. Im Zuge dieses Wachstums wechselten mit dem Ausbau des Westfalenstadions 30 Mitglieder ihre Dauerkarten, um künftig gemeinsam im Block 33 auf der Westtribüne ihren BVB anzufeuern.

In den 2000er Jahren ging die Mitgliederzahl aufgrund des unvermeidbaren Generationswechsels im Fanclub zurück und es wurden seltener Busfahrten angeboten. Auswärtsspiele wurden jedoch weiter vom aktiven Kern der Mitglieder bereist, nun jedoch häufiger in kleineren Gruppen und mit der Bahn. Zum Pokal-Finale 2008 in Berlin setze der Fanclub aber wieder einen eigenen Bus ein. Als Treffpunkt bei Heimspielen etablierte sich die Gaststätte „Ardeyblick“ nahe des Tempels gelegen.

Mit der Rückkehr auf die europäische Bühne sowie der neuen Euphorie um Jürgen Klopp stieg das Interesse aber wieder deutlich an. Neben neuen, jüngeren Mitgliedern kehrten auch viele Mitglieder, die bereits in den 90er Jahren aktiv waren, voller Begeisterung zu ihren Wurzeln zurück. Insbesondere die Champions League-Saison 2012/13 weckte Erinnerungen an alte Zeiten und wurde gekrönt vom Finale in Wembley, zu dem der Fanclub einen eigenen Bus aus dem Altenautal einsetzen konnte. Eine Fahrt, die keiner der Beteiligten – trotz des unglücklich knappen Ergebnisses – so schnell vergessen wird.

Pünktlich zum 25-jährigen Jubiläum kann man feststellen, dass der Fanclub zu alter Stärke zurückgefunden hat. Der Fanbus pendelt wieder regelmäßig zwischen dem Altenautal und dem Westfalenstadion und die aktuell 170 Mitglieder nehmen die Angebote dankbar an wie eh und je. Am letzten Samstag kehrte der Fanclub wieder einmal in prächtiger Mitgliederzahl an seinen Gründungsort nach Husen zurück und feierte in der Schützenhalle mit über 100 Gästen ein stimmungsvolles Jubiläum. Neben Angeboten für Kinder, einem BVB-Flohmarkt  und einem XXL-Kicker freuten sich die Fans insbesondere über den Besuch der Fanbeauftragten Petra Stüker und Siggi Held (Foto links), die sich selbst ein Bild davon machen konnten, mit wie viel Leidenschaft der BVB immer noch im Altenautal unterstützt wird.

Diese Leidenschaft erlebte ihren Höhepunkt dann am späteren Abend mit dem Auftritt der Band „Dortmunder Jungs“, die mit lauten Hardrock-Tönen für Stimmung pur in der Halle sorgten. Und spätestens als Gründungspräsident Hubert Diermann dann zu später Stunde leidenschaftlich das traditionelle „You’ll never walk alone“ anstimmte, hatte jeder im Raum die berühmte Gänsehaut und musste feststellen, dass der Fanclub Altenautal sich und dem BVB über 25 Jahre auf eine lebendige Art und Weise zu jeder Zeit treu geblieben ist.

Für diesen Fanclub nimmt man auch gerne 150 km Leiden auf sich – übrigens: die Planungen für die nächste Radtour laufen schon…


Rund 100 Mitglieder feierten am vergangenen Wochenende den 25. Geburtstag des BVB-Fanclubs "Altenautal"

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailMarc Pomplun (Text und Bilder), 11.09.2013



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