Die ganz besondere Begegnung (6) - Das erste Spiel der Ära Kloppo

Das erste Spiel der Ära Kloppo - der Beginn einer großartigen Pokalgeschichte Bei der Auswahl möglicher Themen in der Ära Klopp bleibt es nicht aus, mit dem ersten Pflichtspiel unseres Trainers zu starten, welches als Sinnbild oder vielmehr als erstes Indiz dafür stehen sollte, was uns die darauffolgenden Jahre noch erwarten sollte.

Neben „Vollgasveranstaltung“ steht dieses erste Pflichtspiel auch für einen Wechsel in der Transfer- und damit Personalpolitik sowie einer großen Emotionalität in der Führungsetage unseres geliebten Ballspielvereins Borussia Dortmund, die so nie gelebt wurde. Jeder, der es mit unseren Schwarzgelben hält, weiß, dass es sich um das Pokalspiel in Essen gegen die Rot-Weißen am 9. August 2008 handelt. Als geborener Essener und glühender Anhänger der wahren Borussia aus Dortmund seit nunmehr 26 Jahren war dies ein besonderes Spiel für mich. Zugegebenermaßen war ich ziemlich skeptisch, was die vollmundigen Versprechen unseres damals neuen Übungsleiters anging. Besonders nach einer Saison, in welcher man im Ligabetrieb gegen den Abstieg und im Pokalendspiel gegen die übermächtigen Bayern ausschied. Auch der Wechsel des Trainers „Da lach ich mir doch den Arsch ab“ zu dem jungen Trainer „Ich kenne nur Mainz“ lief von Seiten der BVB-Führung nicht wirklich glücklich und geräuschlos ab. Außerdem hatte „Kloppo“ als erste Amtshandlung Mladen „ich kann alles“ Petric abgesägt, was mir in diesem Moment gar nicht einleuchtete und rückblickend ein Zeichen für den neuen Geist bei der Borussia sein sollte. Spieler, die bereit waren, für die Mannschaft alles zu geben, waren mehr als willkommen, während z. B. kroatische Nationalspieler wie Mladen “Ich bin für die Champions League geboren“ Petric gegen Spieler wie Mohammed Zidan nach diesem Pokalfight ausgetauscht wurden. Die Historie des HSV in der Champions League mit Mladen Petric ist bekannt. Aber nun zum Spiel. An der Hafenstraße am geschichtsträchtigen Georg-Melches-Stadion trafen also die Rot-Weißen aus Essen, die in den Niederrungen der 4. Liga rumkrebsten, auf die Borussia, welche sich außer dem Erreichen des Pokalfinales in der vorherigen Saison nicht wirklich mit Ruhm in diesem Wettbewerb bekleckerten. Es waren in der Liga eher peinliche Auftritte und Niederlagen z. B. gegen Wolfsburg mit einer millionenschweren Truppe die mit Namen gespickt war wie Koller, Ewerthon, Metzelder usw. zu ertragen.



Dortmund sollte zu Beginn der Saison in einer Raute auflaufen, in der der Kasten von Roman Weidenfeller gehütet wurde, welcher nach der turbulenten Saison als feste Nr. 1 ausgerufen wurde. Davor in der Vierabwehrkette gab es den ersten „Klopper“. Den Laden sollten nach der letzten Saison mit der schlechtesten Abwehr der gesamten europäischen Spitzenligen zwei 19-jährige Innenverteidiger, nämlich Neven Subotic und Mats Hummels, zusammenhalten. Die Außenverteidiger waren die lebende Legende und wahrer Borusse Dede und das ewige Talent Toni Rukavina. Dem Neuzugang aus Karlsruhe Thamas Hjanal, seines Zeichen Spielmacher, hielt unser Kapitän Sebastian Kehl den Rücken frei. Die Außen wurden von dem „Fetten mit die 6“ Florian „Flo“ Kringe und Giovanni Federico besetzt. Die beiden Stürmer stellten Nelson Valdez und den für höhere Aufgaben geborene Mladen Petric. Das Spiel ging gut los, indem unsere neue Nummer 10 den Ball in der 14. Minute das erste Mal im Tor unterbrachte. Aber dieses neue Hochgefühl wurde, wie so oft in den vergangenen Spielzeiten, gegen unterklassige Gegner nach 5 Minuten egalisiert, nachdem der Ball nach einem unglücklichen Klärungsversuch von Rukavina beim ehemaligen Kapitän Lorenz landete und dieser den Ball im Tor unserer Borussia unterbrachte. Und auch das war typisch Borussia. Der Ausgleich und das Spiel wirkten gehemmt, so dass beide Teams mit einem 1:1 in die Kabine gingen und man ganz klar sagen konnte, dass kein Klassenunterschied zu erkennen war. Die zweite Halbzeit ist schnell erzählt: Nachdem die Mannschaft mit mehr Elan aus der Kabine zurückkam, brachte Florian Kringe die Mannschaft verdient mit 2:1 in Führung. Es sollte sich im Laufe der nächsten 7 Jahre zeigen, dass unser Übungsleiter es immer wieder schaffte, mit seinen Ansprachen und seinen Halbzeitanalysen den Spielern nochmals einen Impuls zu geben. Das 3:1 in der 70. Minute durch Nelson Valdez war nur folgerichtig.



Bis dahin nahm das Spiel seinen gängigen Lauf. Und es wäre nur das erste Spiel von vielen Spielen geworden unter Rubrik Pflichtsieg. Hätte es da nicht die 72. Minute gegeben, die dieses Spiel für mich und bestimmt auch viele andere Borussen so denkwürdig machte. Es war kein Doppelpass, kein super Spielzug oder das Tor des Monats. Es war nur eine Einwechslung: Sadrijaj für Federico! Diese Einwechslung führte zum schnellsten Platzverweis in der Dortmunder Pokalgeschichte. Nicht falsch verstehen. Das Foul war von der übleren Sorte und auch die rote Karte verdient. Nein, es war die Erklärung unseres neuen Trainers zu der Situation. Im Kern der Aussage sagte er, er hätte Sadrijaj zugerufen „Das ist deiner! Hol ihn dir“. Der Spieler hätte da überzogen und er würde sich das nächste Mal überlegen, was er seinen Spielern zurufe. Dies war klar ein Zeichen für einen Trainer, der Emotionen zeigt und diese auch versucht, auf sein Team zu übertragen. Dies begann mit diesem Spiel und hält noch bis heute an. Leider neigt sich die Zeit von Jürgen Klopp beim BVB dem Ende zu. Die letzten sieben Jahre waren geprägt von Emotionalität und Leidenschaft und für mich persönlich begannen sie mit dem Spiel in meiner Heimat bei einem Viertligisten. Dieses wird für mich immer ein Symbol für die danach gefolgte geile Zeit unter Jürgen „Kloppo“ Klopp sein.

Vielen Dank Jürgen und alles Gute für Deinen weiteren Weg! Bleib genauso, wie Du bist!
Ein Original.

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailKai Lange - 20.05.2015


Nächstes Spiel: Borussia Dortmund vs. SV Werder Bremen
Aktuelle Infos // Pressekonferenz // Statistik
Copyright 2011 - Gib mich die Kirsche - Das Fußballmagazin aus Dortmund