Die Geschichte eines Dreierpacks

Nein, als Torjäger ist Danny Latza bisher nicht in Erscheinung getreten. 33 Bundesligaspiele, null Tore, so lautete die sportliche Bilanz des defensiven Mittelfeldspielers vor diesem Wochenende. Beim 3:1 Heimsieg seines 1. FSV Mainz 05 gegen den Hamburger SV hat der 27-Jährige seine Torquote jedoch deutlich verbessert.
 
Seinem Debüt als Bundesligatorschützen in der 35. Minuten ließ der Mainzer im zweiten Durchgang seine persönlichen Treffer zwei und drei folgen. Die Experten mögen sich jetzt darüber streiten, ob es sich bei dem Dreierpack um einen ‚echten‘ Hattrick (Drei Tore hintereinander in einer Halbzeit) handelt.



 „(…) Danach begann vor 30.000 Zuschauern die große Show des als Torschütze in der höchsten Klasse noch nie aufgefallenen Latza. Beim 1:1 profitierte er von einem kapitalen Abspielfehler des HSV-Verteidigers Douglas Santos und traf per Flachschuss. Beim 2:1 vollendete er den bis dahin besten Mainzer Angriff mit einem Distanzschuss aus sechzehn Metern – abermals flach ins linke Toreck. Und schließlich schmetterte er, als brauchte dieser Tag noch ein ganz dickes Ausrufezeichen, den Ball aus über zwanzig Metern ins Dreieck. Ein Traumtor zum Abschluss eines Traumtags: Besser hätte die Dreierserie für Danny Latza nicht enden können“, fasst Roland Zorn von der FAZ den Torreigen zusammen.

Ende einer Leidenszeit

Eine in vielerlei Hinsicht besondere Geschichte, wie der Kicker zu berichten weiß: „Denn für Latza ist der Dreierpack gegen den HSV auch deshalb besonders, weil der 27-Jährige über ein halbes Jahr passen musste. Adduktorenprobleme, die immer wieder aufbrachen, zwangen den Ex-Bochumer immer wieder zu Pausen, so dass er erst vor drei Wochen bei der Hertha (1:2) sein Saisondebüt feierte. „Er ist so lange ausgefallen, wir haben ihn von Anfang an als wichtigen Spieler empfunden. Das ist ein kleines Fußballmärchen", sagte Schröder (Sportdirektor des FSV Mainz 05, Anm. d. Red.) über den Matchwinner".

Der SWR nimmt Latzas Hattrick zum Anlass seine Verletzungsgeschichte nachzuzeichnen: „Danny Latza ist wieder da! Seit Juli war der Mittelfeldspieler des FSV Mainz 05 verletzt. Zuerst soll es nur eine Zerrung gewesen sein. Doch immer wieder zwickten die Adduktoren und setzten den 27-Jährigen außer Gefecht. Beim 0:1 gegen Borussia Mönchengladbach durfte Latza das erste Mal wieder Bundesliga-Luft schnuppern. Gegen den Hamburger SV hat er sich vollends zurückgemeldet. Und wie!“

Über die besondere Beziehung zwischen Latza und einem seiner Mannschaftskameraden schreibt Bardo Rudolf von der Lampertheimer Zeitung: „Begeistert war vor allem Fabian Frei, obwohl der Schweizer seinen Platz in der Startelf an Latza verloren hatte. Beide sind aller Konkurrenz zum Trotz eng befreundet. Und so sprintete Latza nach seinem ersten Treffer auch zielgenau auf den auf der Ersatzbank sitzenden Frei zu, um ihm in die Arme zu springen. „Ich gönne es ihm so sehr von ganzem Herzen. Ich freue mich, als ob ich es gemacht hätte“, sagte Frei und berichtete von der Vereinbarung der beiden: „Danny hat acht Monate lang gesagt, dass ich zu ihm kommen soll oder ihm auf die Tribüne winken soll, wenn ich ein Tor mache. Das hat nicht funktioniert, weil ich nicht getroffen habe. Jetzt habe ich halt gesagt: Mach du es, wenn du triffst.“

Der Pirlo aus Rheinhessen

Reinhard Rehberg von der Allgemeinen Zeitung analysiert dagegen die Bedeutung, die der Matchwinner für das Spiel der Rheinhessen hat. Dabei scheut der Redakteur auch nicht den Vergleich mit einem ehemaligen Weltmeister: „Der Mann für die Arbeit zwischen den beiden Strafräumen ist der „Mainzer Andrea Pirlo“: Immer anspielbar (weil er sich intuitiv in den richtigen Räumen bewegt auf der Grundlage eines intelligenten Freilaufverhaltens), sicher und ruhig am Ball, clever in seinen Drehungen, passsicher auch unter gegnerischem Druck.

Latza war gegen den HSV das, was man früher unter einem grundsoliden Spielmacher verstanden hat: Einer, der aus der Tiefe des Raums dem Spielaufbau Struktur verleiht - mit in der Mehrzahl unspektakulären, aber durchgängig effektiven Aktionen. Eine Relaisstation. Ein Chef, der immer den Ball haben will und der immer weiß, wo die Kugel als nächstes hin muss. Wir erleben einen uneitlen Spätentwickler, der gerade dabei ist, sich zum strategischen Kopf einer Bundesligamannschaft aufzuschwingen. Mit dem Erfahrungsschatz von gerade mal 34 Erstligaeinsätzen. Nur zum Vergleich: Der HSV-Geradeausläufer Dennis Diekmeier, einst Latzas Teamkollege in der Europameister-U19 von 2008, absolvierte in Mainz sein (belangloses) 166. Bundesligaspiel.“

Sorgen um die Haarpracht des Mittelfeldstrategen macht sich dagegen die 11Freunde: „33 Bundesligaspiele, 0 Tore: Treffsicher war Danny Latza in der Vergangenheit eher in Sachen Frisur. Dann aber kam der Sahnetag gegen den HSV, Latza machte mit einem Dreierpack ein 3:1 aus einem 0:1 und durfte sich als Man of the Match feiern lassen. Wenn er jetzt wieder auf Vokuhila umstellt, könnt er demnächst ein Thema für die 11FREUNDE-Betriebsmannschaft werden.“



Ganz nebenbei bemerkt war es auch für seinen Klub, den 1. FSV Mainz 05 ein eminent wichtiger Heimsieg: „20 Punkte stehen nach den Latza-Toren in der 35., 56. und 67. Minute nach dem Hamburger Führungstreffer durch Bobby Wood (21.) auf der Habenseite. Nach zuvor drei Niederlagen in Folge war der FSV nämlich Gefahr gelaufen, das Polster zum Relegationsplatz ein Stück weit einzubüßen“, meint Detlef Rehling von der dpa.

Zu wünschen ist dem ehemaligen U-19-Europameister, dass er in Zukunft gesund bleiben mag. Wer weiß, welche Leistungen und Geschichten dann noch von dem Kicker zu erwarten sind.

Opens window for sending emailRamon Budde, 19.12.2016 - Fotos: Archiv




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