Manager fliegen

Nachdem der HSV sich von Dietmar Beiersdorfer getrennt hat, zog auch der VfL Wolfsburg nach. Klaus Allofs wurde heute entlassen – zu Recht! Eigentlich sollte man sie alle rausschmeißen.

Man kann sich gar nicht mehr auf das Spiel, auf das Fußballspiel konzentrieren. Das Geschehen um der Welt liebsten Sport hält einen ja ausreichend in Atem. Sicher mag der eine oder andere bereits das Sky-Abo kündigen, das Kicker-Abo an Rentner verschenken und die Dauerkarte an Vollidioten vererben. Nein, es macht keinen Spaß mehr, all vom Dreck, vom Geschacher und den Bergen von Geld zur lesen, die alle da mit meinem und deinem Geld verdienen wollen. Wir gehen demonstrieren für „Keinen Zwani für ´n Steher“ und andere denken, kein Aufstehen für weniger als 20 - allerdings Millionen pro Deal, pro Woche oder was auch immer.

Es ist sehr lehrreich, die Enthüllungen von Fooball Leaks im Spiegel zu lesen. Sicher wir haben´s gewusst, irgendwie. Aber mit welcher Dreistigkeit dort nicht dem Ball sondern nur dem Zaster hinterhergerannt wird, macht sprachlos. Wie blöde sind einige der Teilnehmer in diesem Zockerreich eigentlich? Unterschrieben werden Verträge, die in jedem Fall dem Berater und vielleicht auf ein bisschen dem armen Spieler zu Gute kommen. Wechselt er verdient der Klub und der Berater – hoffentlich. Aber wechselt der nicht, zahlt der Klub dem Berater quasi ein Ausfall-Honorar?

Steuern zahlen die nicht

Baahhhh – da wird einem ja speiübel. Dass dann die ganze Mischpoke auch noch alles daran setzt, Steuern zu umgehen, ist da fast schon ein Kavaliersdelikt. Und reden will auch keiner drüber, was sie wirklich denken, weiß man nicht. Auch beim BVB wagt sich niemand aus der Deckung. Auf die Frage, ob der Berater von Mhikitarian tatsächlich auch bei einem Nichtwechsel verdient hätte, weiß zum Beispiel Trainer Tuchel nicht: „Ich wusste nichts davon, ich höre das auch jetzt zum ersten Mal. Ich bin in keinerlei Wechselpolitik involviert, war ich noch nie, bei keinem Verein, und das möchte ich auch niemals sein“, zitiert in das Online-Portal derwesten.de. Dort wird auch BVB-Pressesprecher Sascha Fligge zitiert: „Wir können uns in der Öffentlichkeit nicht zu Vertragsdetails äußern, weil wir sonst vertragsbrüchig würden“. – Tja wir ahnen schon: Auch daran hätte der Berater seinen Spaß, weil auch so eine Äußerung gleich wieder Millionen per Klage auf sein Konto spülen würde.



Sich vorzustellen, ein Fußballer bekommt bei einem Sieg seiner Mannschaft 50.000 Euro, wenn er nur 45 Minuten auf dem Platz dabei war, da wird einem schon ein bisschen schwummerig. Selbst der Berater verdient pro Tor. Und für jedes Jahr, was der unterbezahlte Fußball Profi, wie der Hoffenheimer Sandro Wagner erst vor einem halben Jahr jammerte, länger bei einem Verein bleibt, bekommt der Berater ebenfalls Hunderttausende oder mal eben eine Million, damit er den Kicker nicht woanders hin verscherbelt.

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Spieler kassieren für jeden Scheiß, dass sie nicht vom Platz fliegen, dass sie das Auto des Sponsors fahren, dass sie die richtigen Schuhe anhaben und wenn sie noch ein bisschen länger bleiben, gibt’s auch noch eine Prämie auf das magere zweistellige Millionengehalt obendrauf. Egal wie - bei allen kassieren die Berater mit. Und wir Doofmänner, wir Fans bezahlen die ganze Party. Natürlich nicht mit unseren Eintrittsgeldern. Aber weil die Firma X so viel für die Werbung im Fußball zahlt, ist das Produkt, dass ich kaufen möchte, gleich viel teurer. Und wer mal die Herstellungskosten eines Trikots erforscht und dann die Preise der Fans-Ausstattung daneben legt, weiß, dass wir alle kräftig das wichtige Schmiermittel bereitstellen – Geld!

Was machen die Fans?

Eigentlich erstaunlich, dass sich da nicht alle Fans am Wochenende mal mit einem Spruchband bei ihrem Verein erkundigt haben, was so abgeht. Überhaupt – auch die Medien sind relativ ruhig. Naja man kann verstehen, wenn sie nicht alle den Spiegel für seine Geschichte loben wollen, aber ein bisschen mehr Gezeter hätte es schon sein dürfen. Aber wenn man erst einmal „Medienpartner“ eines Vereins ist, mag man offensichtlich da in solchen Dingen vielleicht auch nicht mehr so genau hinsehen, ist vielleicht auch schon zu sehr Teil des Systems.



Nur gut, dass heute Montag ist, ich ein paar Zeit habe, mir zu überlegen, ob ich das nächste Spiel überhaupt noch sehen will. Was ist wenn mir meine Augen einen Streich spielen und ich gar keine Spieler sondern nur noch Geldsäcke auf dem Rasen laufen sehe? Kann ich das ertragen?

Das kostet den Spaß am Fußball

Spaß beiseite: Aus meiner Sicht muss man alles dransetzen, diesen Wahnsinn zu beenden. Gehaltsobergrenzen, Gesamtbudgets für Vereine, Regeln zur Ausbildung von Beratern, klare Spielregeln für Beratern, mehr Transparenz bei den Verträgen, Einheitsverträge – da fallen ein paar Ideen, die sicher im Detail geprüft werden müssen, auf Wirksamkeit und Zumutung. In Amerika gibt es für verschiedene Sportarten bereits Regeln, die helfen, dem Wahnsinn Einhalt zu gebieten. Also lohnt sich doch in jedem Fall einmal darüber nachzudenken. Denn so wie es jetzt ist, ist es eine Zumutung. So verderbt ihr uns den Spaß am Fußball und das wird euch langfristig nicht gefallen.



Nur am Rand dürften die Entlassungen der beiden Manager Beiersdorfer und Allofs mit den von Fooball Leaks aufgedeckten Praktiken zu tun haben. Allerdings sind die Geschäfte der Hamburger seit langem undurchsichtig, der Verein ein Durchlauferhitzer für Spieler. Die Geschäfte mit dem Millionenspender sind ebenfalls undurchschaubar. Komisch ist vielleicht, dass Beiersdorfer gerade gehen muss, als sich die Mannschaft gerade ein bisschen zu stabilisieren scheint. Auch da scheinen im Hintergrund schon länger die Fäden gezogen worden sein, weil mit Heribert Bruchhagen der Neue schon bereit steht. Passt also ins Bild.

Bei Allofs  gab es schon länger Ärger, er hatte Verbot sich mit einem Berater noch weiter einzulassen – die Nähe schien wohl selbst den Verantwortlichen in Wolfsburg komisch. Aber insgesamt hat die sportliche Talfahrt sicher dazu beigetragen, dass der 60-Jährige gehen muss. Nach fast vier Jahren ist Allofs von einem Verein fallengelassen worden, dem er erst sehr gut getan hat, der aktuell aber ein ganz schlechtes Bild abgibt“, schreibt die FAZ. Mit Allofs sei bei den Niedersachsen einer der ganz großen Experten des deutschen Fußballs krachend gescheitert.  „Vor allem das Management der Personalie Draxler gereichte Allofs zum Nachteil“, stellt die Süddeutsche fest. Man rechne damit, dass der frühere Schalker im Winter gehen wird – für deutlich weniger Geld als man im Sommer hätte bekommen können.

Und dann sind wir eben doch wieder bei der Geschichte von Football Leaks: Es geht ums Geld, um Erfolg, denn der bringt Geld – da haben Beiersdorfer und Allofs zuletzt versagt und müssen gehen. Na, vielleicht machen sie sich ja als Berater nützlich – da kennen sie bestimmt viele Tricks.


Opens window for sending emailAndreas Römer, Getty images (Fotos) 12.12.2016



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