Stöger, Schmadtke und der neue FC

Seit Peter Stöger vor rund drei Jahren das Traineramt beim 1. FC Köln übernahm, hat der Klub eine erstaunliche Entwicklung genommen. Der Traditionsklub war Zweitligist, hatte die Saison 2012/13 auf dem 5. Tabellenplatz beendet. Es folgten der Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga und zwei verhältnismäßig ruhige Saisons im Mittelfeld der Liga.

Apropos Ruhe: Stögers größter Verdienst, neben dem sportlichen Fortschritt, ist die Tatsache, dass er gemeinsam mit seinem Sportdirektor Jörg Schmadtke für ungewohnte Gelassenheit rund ums Geißbockheim gesorgt hat. Das Image vom Karnevalsverein hat vorerst ausgedient.



Saisonübergreifend sind die Rheinländer  seit zwölf Spielen ungeschlagen. Die ‚Geißböcke‘ belegen den zweiten Platz und dürfen sich als Überraschungsmannschaft der bisherigen Saison fühlen. Ganz nebenbei führt FC-Stürmer Anthony Modeste die Torschützenliste mit sieben Treffern an.

Alles ist relativ

 „Wir sind jetzt mal kurz der Spielverderber: Der Stöger-Elf gelangen in dieser Saison bisher Siege gegen den 11., 15., 16. und 18. der Tabelle. Und manchmal war auch etwas Glück dabei, das in der Vorsaison noch so oft ausgeblieben war. Berechtigt ist aber die ehrliche und offene Freude über eine tolle Entwicklung des FC auf allen Ebenen. Über ein sympathisches Bild, dass der Klub endlich wieder abgibt. Über eine gereifte Mannschaft, die sogar dem FC Bayern Punkte abknöpfte“, relativiert der Express.

Das taktische Konzept, das zum 2:1 Heimsieg gegen den FC Ingolstadt geführt hat, analysiert Philip Sagioglou vom Kölner Stadt-Anzeiger: „Die Kölner hatten Vertrauen in die Kombination aus Geduld, präzisem Passspiel und gutem Punch. Sie reagierten mit taktischer Variabilität, stellten nach einer halben Stunde von einer Vier-Mann-Abwehr auf einer Dreierkette um, um ihren vielen Ballbesitz besser nutzen zu können. Und sie hatten sich nur vorzuwerfen, dass sie nicht höher führten, als es in der letzten Minute einen Elfmeter für Ingolstadt gab, den Lukas Hinterseer zum Anschlusstor nutzte.“



Ähnlich sieht es Andreas Morbach von der Süddeutschen Zeitung: „Drei Wochen nach dem 1:1 in München wird das Kräftemessen mit Hertha BSC zur nächsten Qualitätsprobe für das Team von Trainer Peter Stöger. Ein Dutzend Mal in Serie konnten die Kölner inzwischen erfolgreich Niederlagen vermeiden. Parallel dazu haben sie vor allem dank gezielter Umschulungsmaßnahmen in der Sommervorbereitung ihr spielerisches Niveau angehoben und ihrem Ensemble aus vielen Verteidigungsministern mittlerweile auch ein gehöriges Offensivpotenzial verpasst.“

Im Umfeld des FC lässt man sich dennoch durch die ungewohnte Situation nicht aus dem Konzept bringen, weiß Patrick Scherer von der Rheinischen Post: „Dass das Kölner Team im Vergleich zur vergangenen Saison einen Schritt nach vorne gemacht hat, geben Stöger und Schmadtke zu. Auch die Feststellung, dass durch den starken Saisonstart das Selbstvertrauen gestiegen ist, lassen die notorischen Realisten durchgehen. Wenn es aber darum geht, ob sich der FC nun im Spitzenbereich der Liga behaupten kann, werden die Mienen eisig, die Aussagen defensiv. Dass beim Tabellenvierten Hertha BSC am kommenden Wochenende ein echtes Spitzenspiel ansteht, nimmt Stöger - natürlich - sachlich zur Kenntnis: "Das wird ganz schwer werden."

Sportlicher Aufschwung auch ohne spektakuläre Transfers

Nicht unwesentlich zur Entwicklung der Domstädter hat die Transferpolitik von Jörg Schmadtke beigetragen. „(…) Das relativiert die Gesamtentwicklung des Klubs aber nur unwesentlich. Schmadtke und Stöger ist in den letzten Jahren etwas gelungen, das inzwischen zum schwersten im Fußballgeschäft gehört: eine nachhaltige Entwicklung über eine längere Zeit. Dazu muss man ein Konzept, Ausdauer und Geduld haben. Man darf in den Krisen, die es zwischen durch immer mal gibt, nicht die Nerven verlieren. Und man muss seine Mannschaft davor schützen, dass sie auseinander gerissen wird.

Wie schwer das ist, zeigt das Beispiel von Borussia Dortmund, wo das trotz viel besseren finanziellen Möglichkeiten nicht gelang. Insofern sind etwa die Vertragsverlängerung mit Hector und Bittencourt mehr wert als spektakuläre Transfers, weil sie diese eben nicht nötig machen“, kommentiert Christoph Biermann von der 11Freunde.

Spitzenspiel im Olympiastadion

Der Express hat in seiner Analyse die sportlichen Qualitäten der bisherigen Kontrahenten der rot-weißen Kicker in Frage gestellt. Am kommenden Spieltag muss Peter Stöger seine Elf jedoch auf eine echte Standortüberprüfung einstellen. Das Auswärtsspiel beim Tabellenvierten Hertha BSC ist das Spitzenspiel des 8. Spieltages.



Hier zeigt sich auch die Durchlässigkeit des oberen Tabellendrittels. Bei einem dreifachen Punktgewinn können die Domstädter ihren zweiten Platz verfestigen. Sollte die Siegesserie reißen, droht der Sturz auf Platz sechs.

Opens window for sending emailRamon Budde, 17.10.2016 – Fotos: Archiv


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