Rauswurf mit Ansage

So richtig gelegen habe ich bei den bisherigen 27 Bundesligaspielen der neuen Saison noch nicht: Vier Punkte für einen richtigen Tipp waren bislang noch nicht drin. Aber am Wochenende gab’s dann doch den ersten Volltreffer, Werder sei Dank. Die Entlassung von Übungsleiter Viktor Skripnik hatte ich als erste der 54. Liga-Saison getippt. Vermutlich nicht so richtig überraschend.

Nach dem Pokalaus bei Drittligaaufsteiger Lotte und drei Niederlagen in der Liga, war Skipnik einfach nicht mehr zu halten. Und das hat nicht nur Manager Baumann während der Heimfahrt nach der Pleite in Mönchengladbach so empfunden. Die meisten Journalisten sehen in der Entlassung einen logischen Schritt. „Der Niedergang in Bremen dauert schon viel länger als eine Busfahrt – letztlich konnte auch Skripnik die Talfahrt nicht stoppen, die den einstigen deutschen Spitzenklub kontinuierlich abwärts geführt hat“, schreibt Peter Pender in der FAZ.



„Der Trainerwechsel bei Werder Bremen musste sein. Denn: Mit Viktor Skripnik wäre der Abstieg in dieser Saison nicht aufzuhalten gewesen“, meint WESER-KURIER Sportchef Marc Hagedorn. Nicht nur er meint, dass man in Bremen den richtigen Zeitpunkt zum Wechsel auf der Trainerbank allerdings verpasst hat. Vielmehr hätte man nach dem Klassenerhalt Skripnik in Ehren von seinen Aufgaben entbinden können. Das wollte der damalige Manager Eichin. Er hatte erkannt, dass die Mannschaft vor allem durch die Euphorie der Zuschauer zum Klassenerhalt getragen wurde. Ein Konzept, das langfristig tragen könnte, fehlte Eichin. Doch er konnte sich nicht durchsetzen.

„Eichin wollte bereits damals Trainer Viktor Skripnik entlassen, nach einem Klassenerhalt, den mehr die telepathisch auf die Mannschaft übertragene Emotion einer ganzen Stadt möglich gemacht hatte als irgendeine Idee des Trainers“, fasst Ralf Wiegand von der Süddeutschen zusammen. Ganz ähnlich sieht das Hendrik Buchheister bei Spiegel Online: „In der Sommerpause hätte der Klub ohne Probleme einen Schnitt machen können. Er hätte Skripnik zurück in die Jugendarbeit versetzen und einen Trainer verpflichten können, der glaubhaft für einen Neuaufbau steht“, schreibt er. Weigand findet die Trennung von Trainer Viktor Skripnik richtig. „Doch sie kommt zu spät und gerät zum Desaster für alle Beteiligten“.


Nein, der Ukrainer macht nicht mehr den Eindruck als habe er einen Plan. „Eine spielerische und taktische Weiterentwicklung der Mannschaft ist für mich in Skripniks dritter Saison jedenfalls nicht eindeutig zu erkennen“, schreibt Ivo Hrstic, Digital-Chef von SPORT1. „Skripnik wirkte zuletzt auf mich ebenso rat- wie konzeptlos, um der Mannschaft wieder die nötige Stabilität zu geben.“ Insofern findet auch Spiegel Online „In der langen und bunten Geschichte des Fußballbundesliga gab es selten, vielleicht noch nie, eine Trainer-Entlassung, die so logisch und so richtig war. (…)Schlimmer noch und am Ende verhängnisvoll für Skripnik war allerdings, dass er nicht einen Funken Hoffnung auf die Wende zum Guten vermitteln konnte.



Paul Linke von der Berliner Zeitung schreibt noch: „Skripnik ist letztlich an sich selbst gescheitert. An seinem mäßigen Trainertalent vor allem, das ihn die seltsamsten Entscheidungen treffen ließ.“ Und der intimste Kenner von Werder vom Weser-Kurier hat kein gutes Haar mehr am Trainer: „Bei aller Liebe zum Herzens-Werderaner Skripnik: Er und sein Trainerteam wirkten nicht mehr wie diejenigen, die die Lösung für alle Werder-Probleme haben, sondern wie diejenigen, die längst die Richtung und Kontrolle verloren haben.“ Ganz sicher ist er, dass mit Viktor Skripnik der Abstieg in dieser Saison nicht aufzuhalten gewesen wäre. „Die taktische Ausrichtung gegen Gladbach wirkte bei wohlwollender Betrachtung wie ein letzter mutiger Versuch Skripniks, den Befreiungsschlag zu erzwingen. Böse formuliert könnte man aber auch sagen, dass die kuriose Aufstellung wie die Bitte um eine Kündigung war.“

Das hätte man in Bremen eben besser lösen können, ausgerechnet vor zwei wichtigen Heimspielen den Trainer rauszuwerfen ist schon etwas besonders. Achja, dann haben noch einige der Journalistenkollegen auf die Parallelen zum Nordnachbarn HSV hingewiesen. Schade, dass man im Tippspiel nicht auch die zweite Entlassung raten musste. Da hätte ich auf Labbadia gesetzt. Mal sehen, ob ich da noch mal vier Punkte kassiert hätte.

Opens window for sending emailAndreas Römer, 19.9.2016



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