Gute Zeiten für Joker

25 Treffer fielen am 2. Spieltag der noch jungen Saison. Bemerkenswerte elf gingen davon auf das Konto von Spielern, die den Anpfiff noch von der Auswechselbank verfolgt hatten. Jokertore hatten also Hochkonjunktur am vergangenen Wochenende.

Einige gaben der jeweiligen Partie eine ganz neue Wendung oder sorgten für die Entscheidung, andere waren reine Ergebniskosmetik. Besonders in Erinnerung blieb ein Spieler, der in der Sommerpause von Fortuna Düsseldorf zu Bayer Leverkusen gewechselt war: Joel Pohjanpalo.

Der 21jährige finnische Nationalspieler sorgte mit seinen Toren für den letztendlich deutlichen 3:1 Heimsieg gegen den Hamburger SV. Als der Stürmer in der 72. Minute für Admir Mehmedi in die Partie kam, lag die Werkself mit 0:1 gegen die Hanseaten hinten. In rund 20 Minuten gelang dem Neuzugang ein Hattrick, wobei die letzten beiden Treffer erst in der Nachspielzeit fielen.

Ein Joker wird zum Matchwinner

Die Ernennung zum Spieler des Tages durch das Fachmagazin Kicker war daher nur die logische Konsequenz. „Der Finne lebt aktuell seinen Traum. Und belebte die bis zu seiner Einwechslung viel zu umständlich agierende Bayer-Offensive in einer Art und Weise, die das Spiel zum Kippen brachte. Was für ein Tag für ihn!“, so Redakteur Frank Lußem in seiner Lobhudelei. 



In der Partie 1. FSV Mainz – TSG Hoffenheim sorgten gleich zwei Joker der Gäste für einen kaum noch für möglich gehaltenen Punktgewinn der Sinsheimer in der Mainzer Opel-Arena. Mit 4:1 lagen die Rheinhessen zur Halbzeit deutlich in Führung. Der bereits vor der Pause eingewechselte Mark Uth brachte die Kraichgauer durch seinen Doppelpack wieder zurück in die Partie, Adam Szalai gelang dann in der 84. Minute der späte Ausgleich.

„Der Rechtsaußen, der vor der EM bereits als Kandidat für die Nationalmannschaft gehandelt worden war, stellte einmal mehr seine Knipserqualitäten unter Beweis. In Mainz traf Uth binnen 85 Sekunden doppelt und bejubelte seinen zweiten Doppelpack seiner Karriere“, weiß Maximiliam Lotz von Sport1 zu berichten.

Zum Derbyhelden avancierte Sandro Sirigu von Darmstadt 98. Der Rechtsverteidiger sorgte mit seinem 1:0 in der letzten Minute der regulären Spielzeit für die Entscheidung in der Partie gegen den Rivalen aus Frankfurt, als seine abgerutschte Flanke im Kasten der Eintracht landete.


Möglicherweise war das für den 27jährigen der nächste Schritt auf dem Weg zum Stammspieler im Kader der ‚Lilien‘: „Gegen die Frankfurter Eintracht hat Sirigu unter Beweis gestellt, welche Rolle er im Team wieder spielen kann. Zwar war er auch in diesem Spiel erst wenige Minuten zuvor eingewechselt worden, der Sprung in die Startelf aber scheint greifbar. Das habe ihm Trainer Meier bereits signalisiert, verriet er. Und dann ist ja auch noch sein erstes Bundesligator“, schreibt die Hessenschau.

Eine Co-Produktion zweier Joker war RB Leipzigs spielentscheidender Treffer gegen Borussia Dortmund. Rechtsaußen Oliver Burke passte das Spielgerät in den Fünf-Meter-Raum, Naby Keita musste nur noch vollenden.

Kein Aufsteiger wie jeder andere

Ullrich Kroemer von der Mitteldeutsche Zeitung relativiert allerdings den ersten Heimsieg des Bundesliganeulings: „(…) Den Unterschied aber haben die für insgesamt knapp 50 Millionen Euro verpflichteten Zugänge gemacht. Wohl dem Aufsteiger, der zwei Zugänge mit Rekordtransferwert von der Bank bringen kann.“

Eine bemerkenswerte Geschichte lieferte dagegen die Partie zwischen dem SC Freiburg und Borussia Mönchengladbach. In der 85. Minute zeigte Schiedsrichter Harm Osmers nach Foul des Gladbacher Keepers Yann Sommer an Vincenco Grifo auf den Elfmeterpunkt. Für die SC-Fans kam nur ein Schütze in Frage, dessen Einsatz sie lautstark forderten: Nils Petersen. Dem Stürmer waren im Elfmeterschießen des olympischen Finales die Nerven versagt geblieben. Der ehemalige Torschützenkönig der 2. Liga nutzte seine Chance zur Wiedergutmachung und verwandelte den Strafstoß sicher zum Endstand von 3:1.

Die Welt lobt das Verhalten der Anhänger des Aufsteigers: „21 Tage später aber wurde der 27-Jährige lauthals ermutigt, wieder zum Elfmeter anzutreten. Es war eine bemerkenswerte Geste in einem Spiel, in dem Mönchengladbach zwar in Führung gegangen war, dann aber gegen starke Gastgeber keinen Stich mehr sah. Auf die zwei Treffer von Maximilian Philipp folgte das Elfmetertor von Petersen, der den Ball mit einem platzierten Schuss ins Tor beförderte.“




Für das erste von Elf Jokertreffern hatte am Freitagabend Joshua Kimmich gesorgt, der mit seinem ersten Bundesligator den Münchner Auswärtssieg bei Schalke 04 endgültig sicherstellte. Wichtiger war aber die Leistung des EM-Teilnehmers, mit der er seine sportlichen Ambitionen unterstrich: „Im Kampf um einen Platz im erstklassig besetzten Mittelfeld des Rekordmeisters betrieb der Neu-Nationalspieler mächtig Eigenwerbung – im Gegensatz zu Neuzugang Renato Sanches, der bei seinem Debüt noch nicht überzeugen konnte. Nach 71 Minuten musste der Portugiese Platz für Kimmich machen. Jogis Juwel fordert die Rasta-Rakete!“, meint Sven Westerschulze von der tz.

Last but not least ist Julian Schieber zu nennen. Der häufig verletzte Stürmer traf für Hertha BSC zum 0:2 im Ingolstädter Audi-Park. Für Sportal sind späte Treffer des gebürtigen Schwabens fast schon business as usual: „Wie beim Bundesliga-Auftakt gegen Freiburg wurde Schieber, der im vergangenen Jahr verletzungsbedingt kaum Spielpraxis sammeln konnte, gegen die Ingolstädter abermals für Ibisevic eingewechselt und traf erneut als Joker.“

Vom Einwechsel- zum Stammspieler

Ein gutes Händchen bewiesen hat der ein oder andere Bundesligatrainer mit seinen Auswechslungen am sonst eher ereignisarmen 2. Bundesligaspieltag. Elf Tore durch Einwechselspieler sind ein neuer Bundesligarekord. Welcher der erfolgreichen Protagonisten seinen Coach nachhaltig überzeugt hat und den Sprung zum Stammspieler schafft, bleibt jedoch abzuwarten.

Opens window for sending emailRamon Budde, 12.09.2016 – Fotos: Archiv


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