Was ist so eine Liga wert?

So, da läuft sie also wieder die Bundesliga. Zum 54. Mal schon. Und nie gähnte man zu Auftakt so wie am Freitag. Werbung für den Fußball, für das Produkt Bundesliga? Ach nöh - nicht wirklich.

Eigentlich verbietet es sich, auf einem schwarzgelben Fanzine eine Kolumne über die Lederhosenbubis aus Süddeutschland zu schreiben. Aber selbst der BVB-Präsident und Liga-Boss Reinhard Rauball, hat das Eröffnungsspiel thematisiert, ja kritisiert. Nun muss man natürlich sagen, dass er auch weniger die Bayern als vielmehr den - hmmm, wie nennt man das noch? – Gegner? Diese Bezeichnung ist jetzt mit Blick auf den Freitagabend mal so gar nicht passend.  „Ich war erschrocken über die Art und Weise wie Werder Bremen ohne Gegenwehr dort gespielt hat“, resümierte der Vereins-Präsident von Borussia Dortmund im Radio-Interview bei WDR2. „In 210 Länder war die Auftaktpartie des deutschen Fußball-Oberhauses ausgestrahlt worden“, schreibt der Sportinformationsdienst.

Ja Werder Bremen, hat mal wieder die Hucke voll bekommen. In den letzten sechs Spielen in München hat es gleich 32 Mal hinten eingeschlagen. Das als Eröffnungsspiel anzusetzen, zeugt dann schon von einer gewissen Kühnheit, oder großer Hoffnung. „Der Spielplan meinte es nicht gut mit den Bremern – gleich zum Auftakt in München antreten zu müssen ist, vornehm ausgedrückt, etwas undankbar. Vor allem darf man allerdings rätseln, was sich die Deutsche Fußball-Liga mit dieser Ansetzung gedacht haben mag. Die Partie soll eine Werbung für die Bundesliga sein, das Vermarktungsgeschäft im Ausland ankurbeln", schüttelt Peter Penders von der FAZ den Kopf. Er fragt weiter: „Warum der übermächtige Titelverteidiger dann ausgerechnet gegen einen absoluten Außenseiter antritt, für den es nur um den Klassenverbleib gehen kann, müssten die Vermarktungsexperten bei Gelegenheit mal erklären“.



Da gibt es wieder Jubelorgien des Boulevards, wie zum Beispiel die TZ: „Die Super-Bayern ballern wieder. Die Bayern eröffnen die 54. Bundesligasaison im Torrausch“. Und doch gibt's diesmal auch einige mehr, die nicht zufrieden sind. So schreibt Klaus Hoeltzenbein in seinem Kommentar in der Süddeutschen: „Ein 6:0 gegen eine angstvoll zum Opfergang angetretene Reisegruppe aus Bremen bietet keine Substanz für den fairen Vergleich.“ Und für Robert Peters von RP-Online zeigte Werder „bei der 0:6-Niederlage gegen den FC Bayern München zum Bundesliga-Auftakt eine desolate Leistung. Die Bremer lieferten in München aber nicht nur ganz schlechten Fußball ab. Sie zeigten auch eine miserable Einstellung zu ihrem Beruf.“

Erbärmlich und auf dem Weg in die Zweitklassigkeit müsse man die Leistung der Grünweißen wohl bezeichnen. Und genau deshalb fragt man sich, warum so ein Verein ein Eröffnungsspiel übertragen in die ganze Welt bestreiten darf. Liebe Bremer, das war geschäftsschädigend.

„Reinhard Rauball hatte eher missmutig vor dem Fernseher gesessen. Als Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL) muss dem Juristen daran liegen, dass die im Verband mit Verve betriebene Auslandsvermarktung der Bundesliga nicht floppt. In 210 Länder wurde das halbe Dutzend Münchner Tore übertragen. Dem Publikum im Ausland dürfte dabei eine geschäftsschädigende Botschaft übermittelt worden sein: Die Bundesliga ist langweilig, weil die Bayern zu sehr dominieren und eigentlich nur gegen Vize Borussia Dortmund richtig gefordert werden", schreibt Christian Heimrich in der Frankfurter Neuen Presse.

Doch nach vier Titeln in Serie und den fünften irgendwie schon fest eingeplant, fragt man sich tatsächlich, ob die Träume von noch mehr Fernsehgeldern sich so erfüllen lassen. So ja eher nicht.



Robert Peters sieht die Schuld natürlich nicht allein bei den Bremern. Er glaubt, „Es sind viel zu wenig Hunde, die mal Beute wollen“, schreibt er bei RP-Online. Seine Frage, „haben die Bayern also schon am ersten Spieltag den Titelkampf gekillt?“, war wohl auch im Hinterkopf von Rauball. Denn unter Vermarktungsgesichtspunkten ist ein Durchmarsch Gift. Doch Roberts hat ein bisschen Hoffnung: „Klubs wie Dortmund, Gladbach sowie die im Samstag-Topspiel knapp unterlegenen Leverkusener haben, ebenso wie zum Beispiel die Wolfsburger, durchaus viel Qualität in ihren Kadern“, schreibt er weiter. „Allerdings hat der Auftakt bestätigt, woran es der Liga seit Jahren krankt: an Substanz und Schlagkraft der Traditionsklubs. Bremen schickt eine Phantom-Elf, Schalke verliert, der Hamburger SV lässt daheim ein Remis zu…“

„Gesendet wurde Langeweile pur“, schreibt der sid. Die Bremer hätten ihre Courage in der Kabine gelassen. Und der Redakteur fragt, „wie geht es jetzt weiter mit dem Eröffnungsspiel?“  Dafür hat die Liga ja jetzt ein ganze Jahr Zeit, sich Gedanken zu mache. Und wenn das nächste Mal mehr als 200 Fernsehstationen zuschalten wollen, lass euch was besseres einfallen, als so ein einseitiges 6:0. Das war keine Werbung und außerdem wird zukünftig auch keiner mehr Geld ausgeben wollen, wenn solch Spiele übertragen werden.

Opens window for sending emailAndreas Römer, 29. August 2016




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