Deutsche Fußballgeschichte hat Ihr Zuhause in Dortmund

Der in diesen Tagen bezüglich des „Fußballmärchens“ medial schwer in Bedrängnis geratene Deutsche Fußball Bund (DFB) hatte als kulturelles Vermächtnis jener WM 2006 das Deutsche Fußballmuseum auf den Weg gebracht, das nun offiziell am 23. Oktober von NRW- Ministerpräsidentin Kraft und DFB- Präsident Niersbach eröffnet wird. Ab dem 25. Oktober 2015 sind die Pforten dann für den Publikumsverkehr geöffnet. Wir waren vorab drin und haben es besichtigt.

Die Stadt Dortmund erhielt bekanntlich 2009 im Ringen mit Gelsenkirchen den Zuschlag als Standort für dieses Museum. Im gleichen Jahr gründeten der DFB und die Stadt die gemeinnützige DFB-Stiftung Deutsches Fußballmuseum GmbH, die das Museum realisiert und betreibt. Das Gesamtbudget für die Errichtung des Museumsgebäudes und für die Einrichtung der Dauerausstellung betrug 36 Millionen Euro, davon stellten der DFB 17,5 Mio. € und das Land Nordrhein-Westfalen 18,5 Mio. € bereit.



Nach drei Jahren Bauzeit wird die erste Dauerausstellung zur Geschichte des deutschen Fußballs auf einer Gesamtfläche von 7700 Quadratmetern durch interaktive und multimediale Inszenierungen und mehr als 1600 Exponaten die deutsche Fußballgeschichte von rund 140 Jahren vermittelt und erlebbar gemacht. Das entspricht etwa der Größe eines Fußballplatzes. Da geht man mit einer gewissen Vorfreude los in Richtung Bahnhofsvorplatz bzw. ehemaligem Busbahnhof.



Doch schon der Eingang ist überraschend nüchtern gehalten. Schüttelt man schon auf dem Vorplatz den Kopf, als man an einer überdimensionierten „Bitte ein Bit“ -Verkaufsbude – sinnigerweise in der Bierstadt Dortmund – vorüber geht, trifft man hier den nächsten, ebenso überdimensioniert vertretenen (Ausrüster-)Sponsor der Nationalmannschaft an. Insgesamt hat man so ein bisschen den Eindruck, man würde sich in eine Wartehalle irgend eines x-beliebigen Flughafens begeben. Dann geht es die Rolltreppe hinauf und man gerät durch einen mit Leuchttafeln versehenen Korridor, der an die vier Weltmeister- Jahrgangszahlen erinnert.



In einem großen Raum empfängt einen dann die Geschichte der fühen DFB-Gründung ab dem Jahre 1900 in Leipzig. Übergangslos geht es dann in die sogenannten „Herberger-Jahre“ über, der als Vereins-, Verbands- Reichs- bzw. Bundestrainer zwischen 1928 bis 1964 den Fußball in Deutschland wie kaum ein anderer geprägt hat. Natürlich sind einige Exponate dort ausgestellt – unter anderen seine legendätre Schreibmaschine, mit der er seine Spieler und Funktionäre fortwährend auf Trab hielt. Die Schuhe von Helmut „Boss“ Rahn und der original WM-Ball aus dem Berner Wankdorf-Stadion dürfen ebenfalls nicht fehlen.


Josef "Sepp" Herberger, Vater des "Wunder von Bern", dem WM-Titel 1954


Aber auch die anderen WM-Titel sind dort gebührend gewürdigt. Einige Meter weiter findet man die Final-Trikots von Maradonna und Frank Mill. Der BVB-Kapitän hatte den „Göttlichen“ einfach nach dem WM-Finale 1990 im Kabinengang nach dessen Trikot gefragt und bekam es tatsächlich vom Argentinier ausgehändigt.



Im vorbeischlendern kommt man dann auch zu den Europameisterschaften. Die Endrunde der 10. Fußball-Europameisterschaft im Juni 1996 in England - dem Mutterland des Fußballs - nimmt naturgemäß einen größeren Stellenwert ein. Deutschland, mit den Dortmundern Stefan Reuter, Jürgen Kohler, Matthias Sammer, Steffen Freund und Andreas Möller, war als von Dänen blamierter Vize-Europameister von 1992 angetreten und gewann nun das Endspiel im altehrwürdigen Londoner Wembley-Stadion gegen Tschechien durch das erste Golden Goal der Geschichte von Oliver Bierhoff in der 95. Minute. Sein Trikot und seine Pöhler sind ebenfalls ensprechend platziert.

Im Mittelpunkt: Der Geist von Campo Bahia

Dann gelangt man zu einen Highlight an technischer Umsetzung. In multimedialer Zuspielung über riesige Plasmabildschirme und über einen riesigen Fernsehball werden die Erinnerungen an Kameradschaft und Zusammenhalt rund um „Campo Bahia“ noch einmal wach gerufen. Jogi Löw erklärt schlussendlich, dass „der Ball“ noch immer das Wichtigste ist.


Auf technisch höchstem Multimedia-Niveau wird der Besucher eingetaucht in die Welt Brasiliens


Quasi im Vorbeigehen entdeckt man dann Götze's „gelbe“ Schuhe mit Rasenspuren aus dem Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro, mit denen er das Siegtor im WM-Finale erzielte.

Im Anschluss an diese emotionale Einstimmung geht es dann in ein kleines Kino, wo der Fan von DFB-Kapitän Bastian Schweinsteiger quasi „persönlich“ empfangen wird. Durch die Machart des Filmbeitrages in 3 D kommt es einem so vor, als stünde er tatsächlich vor den Besuchern. „Schweini“, später Thomas Müller und Mats Hummels, der noch einmal daraf hinweist, dass wir ja schließlich in Dortmund sind, und Manuel Neuer begleiten die Anwesenden nun auf dem Pfad der Erinnerungen. In bewegenden Bildern erinnern sie an alle vier WM-Triumpfe. Und Christph Kramer erklärt zwischendurch, dass er nichts wusste...

Dann geht es hinunter in die „Hall of fame“, den Bundesligabereich, der sich mit den Wettkämpfen im Ligabetrieb und Pokalwettbewerben beschäftigt. Bemerkenswert, dass die „Pokal-Ecke“ eingerahmt ist von vollbesetzten Tribünen im Berliner Olymipastadion mit der „Dortmunder Invasion in schwarz und gelb“.


Wenn das Olympiastadion lebt... Dann sind die Dortmunder zu Gast !!


Hier finden sich Devotionalien sämtlicher Vereine. Ebenso sind an der Rolltreppenwand Fans so ziemlich aller Vereine malerisch verewigt. Allein die dort abgebildete fröhliche Nähe der Dortmunder und Gelsenkirchner zueinander läßt allem Anschein nach den Schluss zu, dass der Zeichner keine Ahnung von Fußball zu haben schien...

Am Ende der Ausstellung des Deutschen Fußballmuseums kommt man zu dem Bus eines weiteren Premium-Sponsors, in dem die deutschen Spieler nach ihrer Rückkehr aus Brasilien genau 23 Minuten lang saßen, um innerhalb Berlins von Tegel nach Moabit zu fahren, um dann auf einen offenen Truck in Richtung Brandenburger Tor umzusteigen. Natürlich ist dieser Bus nur eines von 1600 Exponaten im Museum, wenngleich auch ein ziemlich überflüssiges. Schon der blutleere WM-Film des DFB ist nicht zuletzt dadurch in Erinnerung geblieben, dass die Kamera bei den Feierlichkeiten immer wieder liebevoll die Chefs sämtlicher Sponsoren einfing. 



Auch die Eintrittspreise können sich sehen lassen. Ab zehn Euro kommen vor allem ermäßigte Zahler wie Schüler und Studenten hinein. Dazu kommt eine ermäßigte "Happy Hour" - wie es das Museum nennt - unter der Woche zwischen 9 und 10 oder zwischen 16 und 17 Uhr. Erwachsene zahlen dagegen in der Woche ebenso wie am Wochenende an der Tageskasse 17 Euro. Wer sein Ticket online kauft, kommt mit immer noch fetten 15 Euro weg. Die Museums-Leitung will jedoch viele Besucher animieren, ihre Karten online zu kaufen.

Kostspieleige Touristenattraktion für die Stadt Dortmund

Museums-Geschäftsführer Neukirchner sprach im Vorfeld von einem "attraktiven Preisniveau", insbesondere, da im Eintrittspreis die Hin- und Rückfahrt mit Bus und Bahn im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) enthalten ist. Zur Rechtfertigung der Eintrittspreise wird angeführt, dass das Fußballmuseum als "nicht von der öffentlichen Hand subventioniertes Haus" einen Mittelweg finden müsse zwischen einem sozialverträglichen und dem wirtschaftlich machbaren Preis. Nach eigenen Angaben benötigt das Museum 276.000 Besucher pro Jahr, um die Kosten zu decken. Laut verbindlicher Vereinbarung zwischen Stadt und Deutschem Fußballbund aus dem Jahr 2009, sollen Sponsorengelder von Unternehmen aus der Region und kommunalen Betrieben kommen.

In einer vorliegenden Studie wird die wirtschaftliche Vision dieses Prestigeprojekts umrissen: Dort wird beispielsweise kühn eine Wertschöpfung von rund 50 Millionen Euro für die regionale und überregionale Bauwirtschaft - schon ab der Errichtungsphase - verkündet. Im Vollbetrieb für die regionale Wirtschaft werden dann jährliche Umsätze in Höhe von bis zu 19 Millionen Euro prognostiziert. Jährliche Steuereinnahmen in Höhe von 1,5 Millionen Euro und – last but not least – ist von 280 neuen Vollzeit-Arbeitsplätzen die Rede, die geschaffen werden sollen.

Auftraggeber für die zu Grunde liegende Studie war seinerzeit DORTMUNDtourismus, die offizielle Organisation für Tourismusmarketing der Stadt Dortmund. Etwaige finanzielle Risiken werden darin allerdings nicht einmal im Ansatz diskutiert. „Die gesamte finanzielle Belastung für die öffentliche Hand bleibt undurchsichtig“, kritisierte der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfahlen bereits in seinem „Schwarzbuch 2012“. Das geschenkte Grundstück allein hat einen Wert von 5 Millionen Euro...  Aber wie hieß es doch in einem WM-Lied der deutschen Nationalmannschaft, das 1973 im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land gesungen wurde so schön: "Fußball ist unser Leben, denn König Fußball regiert die Welt". 


Vereine und Fanclubs können Gruppentickets erwerben:



>>  www.fussballmuseum.de/


Opens window for sending emailHolger W. Sitter – 20.10.2015






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