Die Gauchos gehen aufrecht

Aus Düsseldorf berichtet Klaus Reimann
Von einer WM-Revanche hatten die Argentinier im Vorfeld ohnehin nichts wissen wollen. Wieso auch? Es war ein Freundschaftsspiel, es ging um nichts. Also gab es auch nichts zu gewinnen. Und dennoch: Verlieren wollte natürlich keiner bei dieser Neuauflage des WM-Endspiels von Rio.

Das tat die umgekrempelte deutsche Nationalmannschaft dann aber doch. Und zwar deutlich. Mit 2:4 (0:2) unterlag das DFB-Team gegen Argentinien mit einem überragenden Angel di Maria. Womit die Südamerikaner zumindest einen Imageerfolg verbuchten.

Dass Bundestrainer Joachim Löw mit dieser Begegnung eine neue Epoche einleitete, sie als einen ersten Testlauf für den angepeilten EM-Erfolg 2016 in Frankreich ansah, war schon an der Aufstellung zu erkennen. Gerade mal vier Weltmeister, davon einer mit nicht unerheblichen Gedächtnislücken an den Abend von Maracana, tummelten sich in der DFB-Startelf. Manuel Neuer hütete das Tor, Benedikt Höwedes fand seinen Platz in der Innenverteidigung, während Toni Kroos und Christoph Kramer, der mit dem schlechten Erinnerungsvermögens nach seinem K.o. im Finale, das Spiel ankurbeln sollten. Das tat insbesondere der Gladbacher Kramer nach sieben Minuten auffällig gut, als er Wiederkehrer Mario Gomez exzellent freispielte. Der Angreifer der Fiorentina indes offenbarte altbekannte Schwächen und scheiterte an Argentiniens Keeper Sergio Romero.



Es entwickelte sich ein flottes Spiel, in dem den spielfreudigen Südamerikanern nach 20 Minuten gelang, was ihnen in 120 Endespielminuten in Rio versagt blieb: Ein Tor. Mit einem Zuckerpass fand di Maria Sturmpartner Sergio Agüero in der Mitte, der unbehelligt vollenden durfte. Was die DFB-Elf noch mehr anstachelte. Drei Minuten später um ein Haar das 1:1, doch Kroos verfehlte den Kasten mit seinem Linksschuss nur knapp. Gegen die völlig neu formierte deutsche Abwehr fiel es den Argentinier bisweilen (zu) leicht, zu weiteren Chancen zu kommen. Beim Schuss von Erik Lamela musste Neuer schon alles Können aufbieten (25.). Auf der anderen Seite bewies aber auch die Defensive der Südamerikaner Mut zur Lücke. Gomez, erneut ganz frei, wusste diese aber ein weitere Mal nicht zu nutzen (27.). Marco Reus (37.) und Andre Schürrle (39.) machten es nicht besser.

Wohl aber di Maria, den Erik Durm nie in den Griff bekam. Die Flanke des neuen Akteurs von Man United drosch Lamela unhaltbar für Neuer zum 0:2 in die Maschen (40.). Als Gomez auch seine dritte gute Möglichkeit versiebte (45.), gab es sogar mal Pfiffe, wo doch eigentlich alles auf Applaus eingestellt war.


Nur 100 Sekunden auf dem Platz, schon klingelte es in seinem Kasten: Roman Weidenfeller

Nach der Pause kam Roman Weidenfeller für Neuer – und der BVB-Keeper durfte gleich mal hinter sich greifen. Nach Freistoß von di Maria war Federico Fernandez per Kopf zur Stelle – 0:3 (47.). Langsam wurde es jetzt peinlich, denn di Maria selbst ließ postwendend das 0:4 folgen (50.). Bevor die Stimmung kippen konnte, traf Schürrle nach einer Ecke vorsorglich zum 1:4 (52.). So wollte der Weltmeister dann doch nicht untergehen.

Der eingewechselte Mario Götze betrieb mit seinem Treffer zum 2:4 (78.) noch etwas Wiedergutmachung – doch das war es dann auch für eine jederzeit bemühte DFB-Elf. Was als schwungvoller Abend begonnen hatte, endete mit einem Misserfolgserlebnis für den Weltmeister. Willkommen zurück im Länderspielalltag!
Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailKlaus Reimann - 03.09.2014




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