Der WM-Kader steht: Fünf Dortmunder dabei

Der Stichtag ist gekommen. Am Montag (01.06.) musste Bundestrainer Joachim Löw seinen Kader für die Weltmeisterschaft am Zuckerhut nominieren. Hinter einigen Spieler gab es Fragezeichen, ob es für die WM reichen könnte. Drei Kicker musste Löw noch streichen, dabei erwischte es einen Dortmunder. Der Gestrichene Viele Überraschungen waren nicht zu erwarten. Der feste Stamm der Nationalmannschaft stand vor dem Testspiel gegen Kamerun (2:2) bereits fest. Einige Wackelkandidaten gab es dennoch. Aus BVB-Sicht darf man sich fünffach freuen und einmal, wenn nicht ganz unerwartet, „weinen“. Für Marcel Schmelzer hat es am Ende nicht gereicht. Der Linksverteidiger hat kein Ticket für Brasilien erhalten. Es war aber auch nicht die Spielzeit des Blondschopfs. Der 26-Jährige fiel während der Saison zwei Mal aufgrund von Muskelfaserrissen aus. Erst in den letzten beiden Bundesligaspielen und im Pokalfinale kam er wieder zum Einsatz. Schmelzer fehlte schlichtweg die Wettkampfpraxis und die Form, um dem DFB-Team entscheidend weiterzuhelfen. Neben ihm wurden auf Kevin Volland und Shkodran Mustafi gestrichen. Der Durchstarter Des einen Leid ist des anderen Freud. In diesem Fall ist der Nutznießer, Erik Durm. Er profitierte vom Verletzungspech von Schmelzer im doppelten Sinne, sowohl beim BVB als auch nun in der Nationalmannschaft. Erst in dieser Saison schulte Jürgen Klopp den gelernten Stürmer, wie einst Schmelzer, zum Linksverteidiger um – mit Erfolg. Denn der 22-Jährige konnte „Schmelle“ nicht nur ersetzen, sondern sogar vergessen machen. Er absolvierte 29 Partien für den BVB, in denen er fünf Tore direkt vorbereitete. Zudem behielt Klopp mit seiner Vermutung recht, als er sagte: „Ich rechne fest damit, dass Jogi Löw den Dortmunder Außenverteidiger nominiert. Die sind dort eingespielt, alle anderen, außer Lahm natürlich, wären Notlösungen.“ Dass es am Ende Durm sein könnte, ahnte er bereits: „Es wundert mich jedoch nicht, dass man sich bei dieser rasanten Entwicklung über Weiteres Gedanken macht. Sein Weg ist noch lange nicht zu Ende.“ Beim Testspiel gegen Kamerun debütierte der umgeschulte Linksverteidiger und konnte durchaus überzeugen. Er lieferte eine solide Leistung und ließ wenige Angriffe über seine Seite zu. Daher ist die Entscheidung von Löw mehr als nur nachvollziehbar. Der Nichtberücksichtigte Vor gut einem Jahr hätte man im Traum nicht daran gedacht, dass Roman Weidenfeller je den Adler auf der Brust haben wird. Der Schlussmann zeigte über Jahre hinweg Topleistungen. Er war konstant, machte wenige Fehler und reifte zu einer Führungspersönlichkeit. Vergessen die Zeiten der „Weidenfehler“-Ruf oder offensiven Aussagen in Richtung Bundestrainer. Die Nummer eins des BVB überzeugte durch Leistungen, die nun mal als Maßstab für eine Nominierung gelten. Im November letzten Jahres war es so weit. Gegen England stand Weidenfeller zum ersten Mal für die deutsche A-Nationalmannschaft zwischen den Pfosten. Mit der Berufung in den vorläufigen Kader war sein Ticket praktisch schon gesichert. Offiziell fährt er als Nummer zwei hinter Manuel Neuer mit nach Brasilien. Doch aufgrund der Verletzungsprobleme des Bayern-Schlussmanns könnte sich noch etwas anderes ergeben. Man sollte die schwarz-gelbe Brille dabei nicht vergessen. Der Kritisierte Ein anderer gehört schon länger zum DFB-Aufgebot. Seit 2010 ist Mats Hummels ständiger Gast bei der Nationalmannschaft. In der Innenverteidigung ist er praktisch gesetzt. Nur wer neben ihm spielen wird, ist bislang noch offen. Der 25-Jährige ist aber nicht unumstritten. Der Bundestrainer kritisierte Hummels öffentlich für seine Spielweise. Diese sei nicht „nationalmannschaftstypisch“ gewesen. Bei BVB operierte Hummels oft mit langen Bällen in die Spitze - ein No-Go für Löw. Doch mit seiner Routine, Abgeklärtheit und Zweikampfstärke ist er unverzichtbar in der Verteidigung. Er ist ein Leader und wird nicht nur beim BVB als Abwehrchef angesehen. Eins hat der Verteidiger einigen Spieler in der Nationalelf voraus: Er hat bereits mit Deutschland einen Titel geholt. Er wurde mit der U21-Auswahl Europameister 2009. Der Mann der Zukunft Als Back-up hat Löw überrasend den womöglich bald Dortmunder Matthias Ginter nominiert. Der Noch-Freiburger galt als Streichkandidat. Nun ist er doch bei der WM dabei. Für den BVB ist die Nachricht ambivalent. Natürlich ist es eine Bestätigung der Leistungen und der Entwicklung von Ginter. Nicht umsonst gilt er als eines der größten Talente in Deutschland und wurde zwei Mal mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold für den Nachwuchsspieler des Jahres (2012 (U-18), 2013) ausgezeichnet. Der BVB ist schon seit Längerem am Defensivallrounder dran. Ein Transfer schien auch zum Greifen nahe. Doch die Verhandlungen mit Freiburg gestalten sich zäh. Der Sportclub möchte seinen Rohdiamanten, wenn man ihn schon abgeben muss, für so viele Euros wie nur möglich verkaufen. Daher ist Ginters Nominierung für die WM nicht gerade von Vorteil für den BVB. Einerseits könnte sich Ginter durch Einsätze einem breiteren Publikum präsentieren und damit auf die Wunschlisten einige Vereine spielen. Zwar soll sich der 20-Jährige bereits pro Dortmund entschieden haben, doch für Konkurrenz mit den lockeren Scheckbüchern wäre es ein Leichtes, den deutschen Vizemeister in Sachen Ablösesumme zu überbieten. Zumal in den Augen der SCF-Verantwortlichen die Euro-Zeichen bereits zu erkennen sind. Eine Entscheidung vor der WM ist daher eher unwahrscheinlich. Der beste Borusse Wenn Ginter im Sommer zum BVB wechselt, dann wird er Teamkollegen von einem weiteren WM-Fahrer aus Dortmund: Marco Reus. Was soll man über ihn bloß schreiben, was noch nicht in Textform gebracht worden ist? Trotz einige kleinere Blessuren und damit einhergehenden Ausfallzeiten ist Reus der Spieler der Saison bei Borussia Dortmund. In insgesamt 44 Spielen für den BVB in dieser Saison erzielte er 23 Treffer und bereitet 23 weitere Buden direkt vor. „Mr. 1:0“ bewies, dass er den nächsten Schritt in dieser Spielzeit gemacht hat. Vor einem Jahr war es das magische Dreieck – Lewandowski, Götze, Reus – die ganz Europa das Grauen fürchteten. In dieser Saison waren es Lewandowski und Reus praktisch alleine, die konstant gute Leistungen gebracht haben. Doch der Topscorer der Bundesliga muss sich seinen Platz in der Nationalelf erst finden. Gerade in der Offensive hat Löw die Qual der Wahl. Die Edeltechniker stehen sich teilweise gegenseitig auf den Füßen. Die Konkurrenz ist groß. Aber der Bundestrainer hat mit dem 25-Jährigen einen vielseitigen Offensivkünstler mitgenommen, der sich sowohl auf dem Flügel als auch in der Zentralen wohlfühlt. Löw muss nur das Puzzlestück „Reus“ in das Gesamtwerk einfügen.   Der Alleskönner Vielseitigkeit ist sein zweiter Name. Kevin Großkreutz kann ziemlich auf jeder Position zum Einsatz kommen. Selbst im Tor hat der Ur-Dortmunder bereits einige Bundesligaminuten absolviert. Rein von den Leistungen hätte der Bundestrainer um ihn nicht herumkommen können. In der Hinrunde spielte Großkreutz als Piszczek-Ersatz auf der Rechtverteidigerposition. Er erledigte seinen Job hervorragend. Nach der Rückkehr des Polen und aufgrund einer Positionsumstellung spielte er dann vermehrt auf der linken Mittelfeldseite. Allrounder Kevin kann einfach alles. Er läuft das Spielfeld hoch und runter. Er hört erst auf, wenn der Schiedsrichter abpfeift oder Klopp ihn auswechselt. Der Kevin ist eben ein Kilometerfresser, Kampfschwein und ein echter Malocher. Bislang absolvierte Großkreutz 4 Länderspiele – allesamt Testspiele. Sein Pflichtspieldebüt für Schwarz-Rot-Gold steht noch aus, wer weiß, eventuell bereits in Brasilien.

Der WM-Kader der deutschen Nationalmannschaft im Überblick:

Tor: Manuel Neuer (FC Bayern München), Roman Weidenfeller (Borussia Dortmund), Ron-Robert Zieler (Hannover 96)

Abwehr: Jerome Boateng (FC Bayern München), Erik Durm (Borussia Dortmund), Matthias Ginter (SC Freiburg), Kevin Großkreutz (Borussia Dortmund), Benedikt Höwedes (FC Schalke 04), Mats Hummels (Borussia Dortmund), Philipp Lahm (FC Bayern München), Per Mertesacker (FC Arsenal)

Mittelfeld: Sami Khedira (Real Madrid), Julian Draxler (FC Schalke 04), Mario Götze (FC Bayern München), Christoph Kramer (Borussia Mönchengladbach), Toni Kroos (FC Bayern München), Thomas Müller (FC Bayern München), Mesut Özil (FC Arsenal), Lukas Podolski (FC Arsenal), Marco Reus (Borussia Dortmund), André Schürrle (FC Chelsea), Bastian Schweinsteiger (FC Bayern München)

Angriff: Miroslav Klose (Lazio Rom)

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailArthur Makiela, 03.06.2014


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