Nach glücklichem Sieg bleibt noch viel Arbeit!

Aus Stuttgart berichtet Klaus Reimann
Der Auftakt ins WM-Jahr für die deutsche Nationalmannschaft ist geglückt – allerdings nur vom Ergebnis her. Beim 1:0 gegen Chile war von spielerischer Dominanz gegen einen starken Gegner über weite Strecken nicht viel zu sehen.

Im Gegenteil, am Ende war eine leidenschaftliche Defensivleistung vonnöten, um den Sieg über die Zeit zu retten. Mit Geschick und einer gehörigen Portion Glück retteten Löws Mannen den Sieg über die Zeit. Der Dortmunder Kevin Großkreutz (Bild) gab als Rechtsverteidiger eine solide Bewerbung für eine Teilnahme an der WM im Sommer ab.
Joachim Löw hatte ja zu Beginn der Woche eine beeindruckende Kostprobe seines ganz persönliches Umschaltspiels gegeben, als der sonst so brave Jogi im nahtlosen Übergang zum harten Hund mutierte. Mit seinem Fußball-Darwinismus – nur die fitten Akteure und solche, die sich am besten an die Gegebenheiten vor Ort anpassen können, kommen mit nach Brasilien – hat der Bundestrainer das klare Zeichen gegeben: Die Spieler sollen sich reinknien, am besten schon in der Partie gegen die Chilenen. Das klappte indes nur bedingt. An Einsatz mangelte es der deutschen Elf nicht, wohl aber an der Abstimmung – hinten wie vorn.



In dem solchermaßen zur WM-Generalprobe aufgewerteten Test hatten die DFB-Mannen zunächst wenig Gelegenheit, ihre ernsten Absichten auf den Platz zu bringen. Zehn bis 15 Minuten lang bestimmten die Südamerikaner mit dem bekannten Kurzpassspiel und guter Raumaufteilung die Szene.
Nach neun Minuten hätte es schon 1:0 für die Gäste stehen können. Nach einer Ecke kam der nicht eben groß gewachsene Arturo Vidal mit dem Kopf an den Ball, Philipp Lahm rettete auf der Linie. Überhaupt verhielt es sich mit der Defensivleistung der deutschen Elf insbesondere in der Anfangsphase wie schon in den vergangenen Spielen. Es mangelte oftmals an der Abstimmung, die Chilenen konnten sich vor allem in den Halbräumen immer wieder entfalten.
Nach einer Viertelstunde kam auch die deutsche Offensive ins Rollen. Nicht zuletzt dank der Ball- und Kombinationssicherheit der Bayern-Achse mit Philipp Lahm, Toni Kroos und dem agilen Bastian Schweinsteiger. Und wenn dieses Trio dann noch exzellente Fußballer wie Mesut Özil und Mario Götze an seiner Seite weiß, fällt auch schnell mal ein Tor. So in der 16. Minute. Schweinsteiger spielte zu Özil, der zu Götze, dessen Lupfer den Weg ins Tor fand.

Doch die deutsche Elf schaffte es auch mit der Führung im Rücken nicht, sich dauerhaft ein Übergewicht im Mittelfeld zu verschaffen und damit die Partie zu beruhigen. Dazu fehlte es zum einen an der Passgenauigkeit. Zum andere blieb Chile mit Vidal und dem Barcelona-Star Alexis Sanchez stets gefährlich. Allerdings fehlte den Südamerikanern vor dem Tor oftmals die letzte Konsequenz.

Was im Übrigen auch für Götze auf der anderen Seite galt. Allein vor dem Tor der Chilenen, verzog der Bayern-Spieler knapp (34.). Und wenn die Chilenen es nicht schafften, sich durchzukombinieren, halfen die deutschen Spieler schon mal aus. Nach Fehlpass von Kroos hatte Charles Aranguiz die große Chance zum Ausgleich, scheiterte aber an Manuel Neuer (44.). Die deutsche Führung zur Pause war glücklich, die Chilenen hatten einen Vorgeschmack gegeben auf das, was die DFB-Elf in Südamerika erwartet – bei dann 28 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Aber auch im frühlingshaften deutschen Winter machten die Chilenen auch nach der Pause mächtig Dampf. Unter dem Druck der Südamerikaner litt das Spiel der DFB-Auswahl – es roch eher nach Ausgleich denn nach 2:0. In Minute 61 verhinderte nur die Latte bei einem Schuss von Eduardo Vargas das 1:1. Kurze Zeit später scheiterte Sanchez aus spitzem Winkel an Neuer (69.). Die deutsche Elf musste sich gezwungenermaßen aufs Konterspiel verlegen. Dazu passte die Einwechslung des schnellen Andre Schürrle. Doch erneut war es Götze, der eine prima Gelegenheit vertändelte (71.). Zum Schluss spielte eigentlich nur noch Chile, nur treffen konnten die Gäste nicht. Es bleibt noch viel Arbeit für Löw. 
Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailKlaus Reimann, 05.03.2014



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