Deutschland bleibt in England unbesiegbar

Aus London berichtet Peter Hoffmann


Das Länderspiel gegen England kommt vielen zur Unzeit. Besonders den Dortmundern, mussten sie doch sorgenvoll auf jeden Zweikampf achten vor dem Bundesliga-Gipfel. Ohne acht im Vergleich zu Mailand lief die Nationalmannschaft in Wembley auf. „Dortmund gegen Bayern ist nicht mein Thema.“ Mit anderen Worten: Das interessiert den Bundesjogi nicht. Zwar konstatierte Löw, es habe keinerlei Einmischung der Spieler oder gar der Trainer Jürgen Klopp und Pep Guardiola gegeben. Lediglich sei ihm aufgefallen, dass der eine oder andere Verantwortliche seinen Senf dazu abgegeben habe. Mit strengem Ton bedachte er uns damit, dass das Spannungsfeld eh ein Medienthema sei, das immer wieder von außen aufgekocht werde. „Das ist mir dann auch nicht so wichtig, legte er nach – Schwupps, Thema abgebügelt. Ein anderes „Thema“ kreierte sich von ganz allein heute:

Web-Spaßvögel: Das U-Bahn-Schild und die "Sportschau"
Dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zu ihrem letzten Training vor dem heutigen Spiel gegen England wegen des Verkehrs in der britischen Hauptstadt mit der Londoner U-Bahn gefahren ist (Bild), beflügelte auch die Fantasie vieler Fans. Im Netz machte ein Foto einer Service-Tafel der Londoner U-Bahn die Runde, auf dem deutsche Fans aufgefordert wurden, Fotos mit dem Hashtag #sportschauclub zu teilen. Die Servicetafel war aber nur Bestandteil eines Internet-Scherzes.

Unter der Webadresse Öffnet externen Link in neuem Fenstertubesign.herokuapp.com kann man frei wählbare Quatschtexte auf das Foto einer Service-Tafel der Londoner U-Bahn schreiben. Die Fußball-Website Bolzen Öffnet externen Link in neuem Fensterrief im Vorfeld des heutigen England-Spiels dazu auf, möglichst witzige Schilder-Texte einzusenden. Zum Beispiel wie dieses hier:

Parallel dazu rief die "Sportschau Club"-Moderatorin Julia Scharf via Twitter deutsche Fans dazu auf, via Twitter Fotos aus Pubs Öffnet externen Link in neuem Fensterunter dem Hashtag #sportschauclub zu schicken. Nun tauchte im Web auch eine entsprechende U-Bahn-Tafel mit dem ins Englische übersetzen Text auf. Moderatorin Scharf twitterte: Öffnet externen Link in neuem Fenster"Wie geil ist das denn?"


Auch der angesprochene ARD-Sportschau-Reporter vor Ort, Markus BarkÖffnet externen Link in neuem Fensterwusste auch nicht, wer das mysteriöse Service-Schild bemalt hatte. Kein Wunder. Denn das Schild existiert ja nur im Internet ... War die "Sportschau"-Redaktion etwa auf die Web-Spaßvögel reingefallen? Natürlich nicht ... Moderatorin Julia Scharf twitterte später, dass Öffnet externen Link in neuem Fenstersie selbst das Schild ins Netz gestellt habe. Anmerkung: In einer ersten Version des Artikels war zu lesen, dass die Redaktion des "Sportschau Club" selbst auf die Internet-Aktion reingefallen sei. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Nun aber zum Spiel. Nachdem bekanntlich die Generalprobe mit der 0:2-Niederlage gegen Chile letzte Woche für die „Three Lions“ gründlich daneben ging, baute Englands Coach Roy Hodgson sein Team heute ebenfalls auf neun Positionen um. Der Trainerroutinier vertraute neben Keeper Hart auf Walker, Smalling, Jagielka und Cole in der Verteidigung, Lallana, Gerrard, Cleverley und Townsend im Mittelfeld und Rooney und Sturridge im Angriff. Die Nationaltorhüter sind momentan ein großes Thema in England. Wieder einmal gibt es im Mutterland des Fußballs eine lebhafte Diskussion um den richtigen Mann für den Platz zwischen den Pfosten. Die etatmäßige Nummer eins, Joe Hart, hat nach einigen Patzern in dieser Saison im Verein bei Manchester City seinen Stammplatz aktuell verloren. Bei Hodgson stand er aber im Tor. Und die Engländer sind vom Start weg heiß wie Frittenfett und legten sofort einen beherzten Auftakt hin. Das Mittelfeld gehörte in der ersten Halbzeit fast komplett den Gastgebern, die es immer wieder mit schnellem und direktem Passspiel versuchten. Gefährlich wurde es dabei aber nicht für den Torwart-Debütanten Roman Weidenfeller. Bei der DFB-Elf klappte es dagegen kaum mit schnellem Umschaltspiel, obwohl das ehemalige BVB- Traumduo Götze und Reus wiedervereinigt war. Gerade Götze aber kam zunächst gar nicht ins Spiel und verlor nahezu alle Bälle in des Gegners Hälfte.



Der Rest der ersten 45 Minuten sind schnell erzählt: Mertesacker und Boateng hatten alles im Griff und wenn Rooney mal was vorhatte, lief die vielbeinige deutsche Elf alles ab. Dann brachen zwischen der 38. Und 40. Minuten die wilden Minuten an:  Erst stolpert Lars Bender mit viel Glück und einer Menge Kampfgeist rechts eine Halbchance heraus! Der Leverkusener kann einen Steilpass nicht richtig kontrollieren, tankt sich aber dennoch durch gegen Jagielka und scheitert dann mit einem Schüsschen aus sieben Metern an Hart. Immerhin gibt’s den ersten Eckball für Deutschland... Mertesacker steigt hoch und Hart verhinderte den Rückstand! Riesentat des Schlussmannes bei diesem Kopfball aus kurzer Entfernung. Der Nachschuss von Kruse landete auch beim Keeper. Und dann ist es doch passiert! Die deutsche Mannschaft geht in Führung. Kroos flankte die Kugel nach dem nächsten Eckball butterweich von der rechten Seite an den Fünfmeterraum. „Merte“ ist nach der vorigen Ecke natürlich noch vorn, ist scheinbar schon wieder nicht auf dem Zettel der englischen Hintermannschaft und wuchtet das Leder diesmal unhaltbar für Hart links ins Eck ein. Deutschland stellt in Wembley auf 1:0 und nimmt das Ergebnis auch mit in die Pause. In der 44. Minute zieht Steven Gerrard aus 20 Metern vor dem Tor der deutschen Mannschaft ab. Wie an der Schnur gezogen fliegt der Ball auf das Gehäuse und geht nur ein paar Zentimeter über den Querbalken.

Zur zweiten Halbzeit beginnt eine Wechselorgie. Marcell Jansen, der sich im Verlauf des Abends zum absoluten Gewinner hochschwang kam für Marcel Schmelzer und Mats Hummels löste Jérome Boateng ab. Am Spiel ändert sich unterdessen nichts. Erst in der 57. Minute weckt ein Pfostenknaller von Andros Townsend die Briten auf! Die deutsche Mannschaft und Roman Weidenfeller mit ein wenig Dusel dabei. Der auffälligste Engländer wird an der Strafraumgrenze nicht attackiert, zieht von rechts nach innen und drückt dann mit seinem starken linken Huf ab. „Weide“ wäre aber vermutlich dran gekommen.



In der 60. Minute signalisiert Mats Hummels, dass er wieder raus muss. Er hatte sich den Fuß vertreten. Aki Watzke und Reinhard Rauball auf der Tribüne lassen tiefe Sorgenfalten erkennen. Benedikt Höwedes kommt für den Dortmunder. Die deutsche Mannschaft kontrolliert Ball und Gegner. Überraschend ist dabei, dass die Engländer sie lassen. Die vielen Wechsel, die im Laufe des zweiten Durchgangs vorgenommen werden, können das Bild nicht verändern. Im Gegenteil: wenn die im „Traditionsgrün“ kickende deutsche Elf ihre Kionter besser ausgespielt hätte, wäre das 0:2 folgerichtig gewesen. Aber insbesondere Sidney Sam (69.) und später André Schürrle (84.) wollten da wohl zu viel.

Fazit: Eine deutsche Nationalmannschaft, die in London einige Stammkräfte schont, gewinnt weitgehend ungefährdet bei schwachen Engländern im Londoner Wembley-Stadion mit 1:0. In der zweiten Halbzeit reichte der Löw-Elf mit Mertesackers Führungstreffer aus dem ersten Durchgang im Rücken eine 80 Prozent-Leistung, um das Ergebnis über die Runden zu bringen. Gegen die überaus harmlose Offensivabteilung der Gastgeber musste Torwart-Debütant Roman Weidenfeller kein einziges Mal ernsthaft eingreifen. Dieser Erfolg im Prestigeduell beendet das Länderspieljahr 2013, dessen Höhepunkt die souveräne Qualifikation für die WM in Brasilien war. Das DFB-Team erwartet nun am 6. Dezember die Auslosung der Gruppenphase, wird im März noch ein Länderspiel gegen Chile bestreiten und dann in der unmittelbaren Turniervorbereitung Ende Mai und Anfang Juni zwei bis drei weitere Testmatches absolvieren. Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailPeter Hoffmann, 19.11.2013


Nächstes Spiel: Borussia Dortmund vs. SV Werder Bremen
Aktuelle Infos // Pressekonferenz // Statistik
Copyright 2011 - Gib mich die Kirsche - Das Fußballmagazin aus Dortmund