Drei Mal Alu, aber wieder kein Sieg

Aus Mailand berichtet Klaus Reimann

In die deutsch-italienischen Fußballbeziehungen kommt endlich auch mal etwas von der DFB-Auswahl. Beim letztlich leistungsgerechten 1:1 im Testspiel in Mailand boten Lahm und Co. jedenfalls eine couragierte Leistung und stoppten gegen den Angstgegner endlich die schon entnervende Niederlagenserie.

Nachdem ein ergiebiger Landregen den Tag in Mailand hartnäckig begleitet und schwer aufs Gemüt geschlagen hatte, brachte erst der späte Abend Besserung. In jeder Hinsicht. Es wurde trocken in der Lombardei und mit dem Anpfiff im San Siro interessierte ohnehin nur noch die Frage, ob die in diesen Duellen so sieggewohnte n Azzurri die deutsche Mannschaft abermals im Regen stehen lassen würden.

Es waren gerade mal 40 Sekunden gespielt, da schien EM-Schreck Mario Balotelli sehr an einer Fortsetzung der Erfolgsserie interessiert zu sein. Er ließ Andre Schürrle und Mats Hummels stehen, zog aus runde 18 Metern ab, zielte aber zum Glück fÜr die DFB-Elf weit weniger genau als im Halbfinale 2012. Näher kam der Sache dann Andrea Pirlo, der einen Freistoß nur knapp über das Tor von Manuel Neuer setzte.  Alles wie gehabt, schien diese Anfangsphase anzudeuten.

Aber es kam anders. Mit der ersten Chance ging die deutsche Mannschaft Überraschend in Führung. Nach einer Kroos-Ecke setzte Mats Hummels einen wuchtigen Kopfball an den Innenpfosten, von dort trudelte der Ball ins Netz (8.). Nach einer Kombination zwischen Bayern und BVB stand es 1:0 für die deutsche Mannschaft.



Die fand sich nach diesem erfreulichen Zwischenstand prima zurecht. Bundestrainer Joachim Löw hatte sich etwas einfallen lassen. Er verstärkte gegen die in der Zentrale bekannt starken Italiener das Mittelfeld mit Philipp Lahm - mit diesem Schachzug ist der Münchner ja mittlerweile bestens vertraut. Gemeinsam mit Toni Kroos und Sami Khedira versuchte das Trio an spielentscheidender Stelle ein Übergewicht zu schaffen. Das funktionierte ganz gut. Mario Götze bildete die einzige Spitze, unterstützt von den Außen Schürrle und Thomas Müller.

Und um ein Haar hätte es sogar 2:0 gestanden. Ein wuchtiger Khedira-Schuss aus 20 Metern klatschte allerdings nur an den Pfosten (17.). Und die Italiener? Die hatten nach den forschen Anfangsminuten Mühe, zu ihrem Spiel zu finden - bis zur 28. Minute. Weil Toni Kroos auf der linken Abwehrseite zu zögerlich auf Ball und Mann ging, kam Verteidiger Ignazio Abate nach schönem Doppelpass mit Leonardo Bonucci im Strafraum frei zum Schuss und traf zum 1:1 - alles wieder offen.


82. Minute: Nach einem Zweikampf zwischen Kroos und Motta geht es hoch her...

Die deutsche Mannschaft versteckte sich weiter nicht. Nach einem Fehler von Italiens Keeper Gianluigi Buffon kam Schürrle frei zum Schuss, doch der Ball touchierte nur die Latte (33.). Die Partie gewann immer mehr an Klasse, weil auch die Italiener stets an einem schnellen und effektiven Offensivvortrag interessiert waren. Mit einem 1:1 ging es nach packenden 45 Minuten in die Pause.

Italien kam mit viel Biss aus der Kabine und durch Claudio Marchisio (51.) und Balotelli (58.) zu Chancen. Zeit für Wechsel im deutschen Team. Für Götze und Schürrle kamen Marco Reus und Mesut Özil. Doch die DFB-Auswahl war im Offensivspiel nicht mehr so konstruktiv wie vor der Pause. Die Tifosi hatten jetzt mehr vom Spiel, das aber zusehends an Tempo und damit auch an Klasse verlor.

Das Remis schien auch in den Köpfen aller Akteure Konturen anzunehmen. Dann die letzte Spielminute: Höwedes knallt das Spielgerät noch einmal an den Pfosten, der Abpraller kommt zu Reus, doch ausgerechnet sein Dortmunder Mannschaftskamerad "Manni" Bender nimmt ihm den Ball vom Fuß und vereitelt so das sichere Siegtor! Fazit: Die Löw-Elf hat sich das Remis jedenfalls durch eine kämpferisch und spielerisch ansprechende Leistung verdient. Ein Lichtblick an einem Tag, an dem es auch Regen genug gegeben hatte. Klaus Reimann, 15.11.2013


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