Siewert-Elf verzweifelt an sich, Rensing und dem Schiedsrichter

Aus dem Stadion Rote Erde in Dortmund
berichtet Bodo Lünemann


Nach der Niederlage beim Tabellenvorletzten Erndtebrück und dem Unentschieden im Nachholspiel beim SV Rödinghausen ist der Traum von der 3. Liga ausgeträumt. Zumal sich die beiden Spitzenteams aus Krefeld und von Viktoria Köln weiterhin keine Blöße geben und Platz 1 und 2 unter sich ausmachen. Ziel für die U23 des BVB kann und muss es sein, als Tabellendritter zum Saisonende einzulaufen, was sich als schwierig genug darstellt.

Trainer Jan Siewert sprach unter der Woche von einer Art Wettbewerbsverzerrung, und er hat recht damit. Anders ist es auch nicht zu erklären, dass der BVB am Dienstag zum Nachholspiel in Rödinghausen antreten muss, aber dann schon wieder am Freitag zum regulären Meisterschaftsspiel (Kernspieltag für die Regionalliga West ist der Samstag) gegen Düsseldorf gezwungen wird. Was der Verband sich bei solchen Spielansetzungen denkt, gibt zu allerlei Mutmaßungen Anlass. Das die U23-Mannschaften dem Verband ein Dorn im Auge sind, ist ja schon lange ein offenes Geheimnis, bei diesen Spielansetzungen jedoch ganz offensichtlich.




Mit der U23 von Fortuna Düsseldorf erschien eine sehr unangenehm zu spielende Mannschaft in der Roten Erde, die zudem gerade einen Trainerwechsel vollzogen hatte. Diesen ganzen Widrigkeiten zum Trotz wollte der BVB heute unbedingt einen Dreier landen.

Gleich in der ersten Minute spielte Ornatelli einen feinen Pass auf Pavlidis, doch dessen Schuss wird vom Ex-Bayern Profi Michael Rensing klasse gehalten. Er war nach langer Verletzungspause wieder im Training und sammelte in der Fortuna U23 Spielpraxis. Vier Minuten später scheitert Amos Pieper mit seinem Kopfball nach Ecke wiederum an Rensing.

Chef im Ring ohne Biss

Der BVB ist in der Anfangsphse klar Chef im Ring und nagelt die Fortuna in der eigenen Hälfte fest. Einzig Rensing war es zu verdanken dass Borussia nicht längst schon führte. Nach einer guten Viertelstunde versuchte es Herbert Bockhorn, doch viel zu eigensinnig. Anstatt den besser postierten Nebenmann anzuspielen, versuchte er es mit dem Kopf durch die Wand, verzettelte sich und scheiterte dann kläglich. In der ersten Halbzeit bot sich das gleiche Bild wie in den vergangenen Spielen.




Borussia war das klar überlegene Team, doch scheiterten immer wieder an der mangelden Chancenverwertung, hätte längst führen müssen. Von der Fortuna kam in der ersten Hälfte rein überhaupt nichts. Einzig nennenswerte Aktion gab es zwei Minuten vor dem Halbzeitpfiff. Nach einem Eckball bot sich Galeski einmal eine Chance zum Tor, doch sein Schuss ging hoch übers Borussen Tor. So blieb es zur Pause beim enttäuschenden 0:0.

In der zweiten Hälfte waren die Borussen-Angriffe dann nicht mehr so zwingend und druckvoll. Geschuldet vielleicht auch durch den Kraftverlust aus dem Dienstag-Spiel in Rödinghausen. Die Fortuna kam jetzt etwas besser ins Spiel, ohne jedoch zu guten Tormöglichkeiten zu kommen. Da musste der BVB schon nachhelfen in Person von Sören Dieckmann, der einen Fortuna-Angreifer im Strafraum foulte. Sofort zeigte Christian Bandurski, der Mann an der Pfeiffe, auf den ominösen Punkt. Doch Schnapper Dominik Reimann parierte den Elfer in Klasse Manier. Da war schon eine knappe Stunde gespielt. Fast im Gegenzug beinahe das 1:0 für schwarz-gelb. Doch beim harten Schuss von Bajner reißt Rensing die Fäuste hoch und pariert zur Ecke.

Das Spiel verflachte nun zusehends. Aber dann kam es, wie es kommen mußte. Eine alte Fußballweisheit besagt, wenn du die Dinger vorne nicht machst, kriegst du plötzlich selber einen. Und so geschah es dann auch. Die leblos wirkenden Fortunen hatten plötzlich Grund zum Jubeln. Der bis dahin total wirkunslose Bonga erzielte im Fallen den überraschenden Führungstreffer für die Fortuna.

Der Pfeifenmann sagt nichts

Aber die Borussia zeigte eine tolle Moral. Holte die letzten Körner aus dem Tank und probierte noch einmal alles. Zwanzig Minuten vor dem Ende ein ganz klares Foul im Strafraum an Herbert Bockhorn. Doch anders als auf der Gegenseite zu Gunsten Düsseldorfs ließ der Pfeifenmann hier einfach weiterspielen. Selbst Michael Rensing sprach nach dem Spiel vom Fortunen-Glück und einem klaren Elfer für den BVB. Aber leider hat ja der Pfeifenmann das Sagen. Und der sagte nichts.

Doch der BVB marschierte unentwegt nach vorne. Trainer Siewert brachte nun Gianluca Rizzo für Balint Bajner, der mit seinen Kräften am Ende war. Und da hatte Siewert den richtigen Riecher. Denn neun Minuten vor dem Ende passte Pavlidis auf eben diesen Rizzo, und der überwand endlich Rensing und erzielte das längst überfällige 1:1 für nimmermüde Borussen. Kampetsis verpasste dann noch auf Rizzi-Zuspiel den möglichen Siegtreffer. Zweimal wollten die Borussen noch einen Elfmeter. Doch der Schiri meinte, Geschenke wären genug verteilt und pfiff nicht mehr, nur noch zum Abpfiff.




So endete die Partie nach Siewerts Meinung skandalös 1:1. Es war kein gutes, mitunter sehr langatmiges Regionalliga-Spiel. Aus Borussen Sicht nach den kräfteaufreibenden letzten Wochen nur allzu verständlich. Jetzt heißt es noch mal, auftanken für den letzten Saisonabschnitt. Die tolle Borussen-Moral sei an dieser Stelle nochmal extra zu loben. Auch Teddy de Beer war nach Spielschluss davon angetan. Weiter geht es für die Borussia schon wieder am Dienstag. Dann steht das Nachholspiel vom 6. Spieltag in Verl auf dem Programm.

Schema

BVB: Reimann, Pieper, Mainka, Bockhorn, Dieckmann, Ametov (72. Arweiler), Ornatelli, Boadu, Bouali (88. Kampetsis), Pavlidis, Bajner (60. Rizzo)

Fortuna:
Rensing, Schneider, Montag, Lucoqui, Kwadwo, Kinjo, Froese (74. Galle), Ehret, Duman (Naciri), Bonga, Galleski (69. Oktay).

Tore:
0:1 Bonga (61.), 1:1 Rizzo (81.)

SR:
Christian Bandurski
Z.: 1.569

Stimmen 

Jan Siewert: „Dass wir das Spiel unentschieden gespielt haben, ist ein Skandal. Wir haben uns viele Chancen erarbeitet, aber wir machen das Tor nicht. Wir hatten, im Gegensatz zu Düsseldorf, kaum Zeit uns auf das Spiel vorzubereiten. Wir waren nach der Partie in Rödinghausen tot und man hat gemerkt, dass die Jungs das Spiel noch in den Knochen hatten.

Wir hatten im Spiel eine Phase, in der wir in ein Loch fielen, da waren die Spieler noch im Bus auf der Fahrt von Rödinghausen. Die Jungs, Kompliment, halten sich in jedem Spiel an den Plan, machen und tun. Aber den Ball über die Linie zu drücken, ist das Salz in der Suppe. Aber wenn du das Tor nicht machst, darfst du dich auch nicht beschweren. Wir lassen die Chancenverwertung in dieser Saison erheblich liegen. Wir kriegen in Rödinghausen zwei Standardsituationen und kriegen die Nuß rein, heute ist es ein ganz klarer Elfmeter und wir kriegen ihn nicht. Aber nochmal, wenn Du die Tore nicht machst, darfst du dich beschweren.“

Jens Langeneke:
„Ich glaube wir können mit dem Punkt gut leben, vor allem weil wir das Spiel nach zehn Minuten schon fast komplett verloren hatten. Da konnte Dortmund schon mit zwei oder drei Toren führen. In der ersten Halbzeit lief bei uns nichts, aber im zweiten Durchgang wurde es dann besser.“


Text: Bodo Lünemann, Bilder: Archiv


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