U23 klettert auf Platz drei - Farke geht zum Saisonende

Aus dem Stadion Rote Erde in Dortmund
berichtet Bodo Lünemann


Im von vielen als Endspiel um Platz zwei deklarierten Wettkampf gegen den Namensvetter vom Niederrhein, siegten die Borussen aus Dortmund völlig verdient mit 2:1. Nach sechs Unentschieden in Folge merkte man den Schwarz-Gelben an, unbedingt gewinnen zu wollen. Und das taten sie dann auch. Und das gegen keinen geringeren als den bisherigen Tabellenzweiten aus Mönchengladbach.

Es war kein hochklassiges Spiel, zumindest in der 2. Halbzeit nicht mehr. Aber spannend war es allemal bis zum Schluß. Da Rot-Weiß Oberhausen in Essen 3:2 verlor, gelang somit der langersehnte Sprung auf Platz 2 der Tabelle. Diesen zu verteidigen gilt es am nächsten Samstag beim kleinen Revier-Derby gegen die als Absteiger feststehenden Blauen. Bei denen auch die beschwörenden Worte von Trainer Asamoah vor Spielbeginn nicht mehr halfen und sie 3:2 in Aachen verloren.




Ein herrlicher Tag in der „Kampfbahn Rote Erde“, strahlender Sonnenschein, windstill, Temperaturen um die 20 Grad und Spitzenspiel mit dem BVB als Sieger. Fußballherz was willst Du mehr? Dabei begann die Partie, wie sie schlechter nicht hätte beginnen können. Gerade einmal fünf Minuten waren gespielt, da passte die Borussen-Abwehr nicht auf und Yeboah brachte die „falsche“ Borussia in Führung. Keine Abwehrchance für den für die U20-WM final nominierten Schnapper Dominik Reimann. Schlechter hätte es für die Jungborussen nun wirklich nicht kommen können. Doch anders als in den vergangenen Wochen haben sie sich diesmal kurz geschüttelt und dann auf Angriffsmodus geschaltet.

Kein Elfmeter-Pfiff

Schon neun Minuten nach der Gladbacher Führung nahm Hamadi Al Ghaddioui einen weiten Abschlag von Reimann auf, ließ zwei Fohlen Abwehrspieler aussteigen, und haut das Ding zum umjubelten Ausgleich in die Maschen. Und es hätte noch besser kommen können für die „richtigen“ Borussen. Fünf Minuten nach dem Ausgleich wird Herbert Bockhorn in Strafraum regelwidrig zu Fall gebracht und der gute Schiri Schäfer zeigte sofort auf den Punkt. Michael Eberwein, eigentlich ein sicherer Elfmeterschütze, setzte den Ball am Tor vorbei.

Nix wars mit der Führung. Auf diese mussten die 347 Zuschauer aber nicht lange warten. In der 21. Minute scheiterte Al Ghaddioui mit seinem Schuss nach Klasse-Zuspiel von Marco Hober noch ganz knapp am Torerfolg. Doch schon eine Minute später war es soweit. Der Elfmeter-Fehlschütze Michael Eberwein legte im Sechzehner den Ball ganz klug zurück auf Al Ghaddioui, und anders als in den letzten Spielen als er keinen Möbelwagen traf, vollendete er ganz cool mit seinem Doppelpack zum 2:1 für die schwarz-gelben Jungborussen.




Die Dortmunder hatten ganz klar die größeren Spielanteile, mussten aber immer wieder auf die Gladbacher Konter aufpassen. Aber heute standen die Dortmunder gut, ließen kaum Gladbacher Chancen zu. Allerdings hatten sie in der 29. Minute bei einem dieser Konter großes Glück und Dominik Reimann, der im Eins-gegen-Eins Sieger blieb gegen Marvin Schulz und so den Ausgleich verhinderte.

In der 2. Halbzeit gab es dann nicht mehr viele Höhepunkte zu sehen. Der BVB kontrollierte das Spiel, und Gladbach war nicht in der Lage, gegen gut stehende Dortmunder Unheil anzurichten. Ausnahme: die 64.Minute. Mike Feigenspann tauchte freistehend vor dem BVB-Gehäuse auf und zog links am Tor vorbei. Drei Minuten später verpasste Jonas Arweiler, genau wie Dominik Reimann ab nächster Woche im Kader für die U20 WM, per Volleyschuss die Vorentscheidung. Genauso wie kurz vor Schluss der eingewechselte Philipp Hanke, der letzte Woche seinen Kaderplatz noch für Park räumen mußte und wenig später Atakan Karazor in seinem womöglich letzten Heimspiel für die Borussen. Beide scheiterten knapp.

Farke sucht neue Herausforderung

Auch Marco Hober, heute erneut Dreh- und Angelpunkt im Dortmunder Spiel, hat heute womöglich seine letzte Heimpartie für die Borussen bestritten. Er ist ja von Arminia Bielefeld nur ausgeliehen und muss im Sommer dorthin zurück. Obwohl der BVB gut daran täte, diesen guten und wichtigen Spieler zu halten. Womöglich auch ihr letztes Heimspiel machten Burak Camoglu und der eingewechselte Christoph Zimermann.

Jetzt heißt es nach dem letzten Saisonspiel am nächsten Samstag 14 Uhr bei den Blauen abwarten, was der Sommer so bringt. Und in der nächsten Saison einen neuen Anlauf 3. Liga starten. Dann wird allerdings Daniel Farke nicht mehr Trainer sein. Wie der Übungsleiter am Sonntag in einem Interview mit der WAZ mitteilte, hat er sich dazu entschlossen, seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Farke sucht nach eigenem Bekunden eine neue Herausforderung. Diese wird - nach Informationen der KIRSCHE - in der zweiten Liga und bei Arminia Bielfeld liegen. "Ich kann versprechen, dass ich diese Mannschaft nicht für einen Verein verlassen würde, der nur eine Liga höher spielt. Ich habe die Möglichkeit, auf extrem hohem Niveau zu arbeiten", sprach Farke mit der WAZ davon, in den letzten Monaten Anfragen von Bundesliga- und Zweitligaklubs bekommen zu haben. Einen genauen Plan habe er aber noch nicht, bedient der Coach die branchenüblichen Mechanismen korrekt.

BVB:
Reimann, Camoglu, Wassey (85. Hanke), Mainka, Eberwein, Fritz, Karazor, Al Ghaddioui (90. Zimmermann), Hober, Bockhorn, Arweiler (68. Dieckmann)

MG:
Nicolas, Komenda, Lieder, Feigenspann, Yeboh (31. Makridis), Simakala (69. Ndenge), Sow, Schulz (56. Mayer), Kraus, Rütten, Stang

SR:
Jörn Schäfer
Z.: 347

Stimmen zum Spiel

Arie van Lent: „Ich muß einmal durchpusten, um das was ich gedacht hab, auf die Reihe zu kriegen. Ich glaube, dass wir zu Beginn viel Hoffnung hatten, das Spiel zu gewinnen. Es ging um den 2. Platz und ich glaube, beide wollten den haben. Ich glaube, dass hat man denen auch angemerkt, den Dortmundern auf jeden Fall erste Halbzeit. Sie haben sehr gutes Kurzpassspiel gehabt, haben körperlich auch sehr gut gearbeitet. Sie haben uns in der ersten Hälfte keine Chance gegeben bis auf eine und die wir dann auch tatsächlich reinmachen. Wir haben das Spiel durch zwei Aktionen schnell aus der Hand gegeben. Das waren zwei Gegentore, die, man darf es gar nicht sagen, ein bisschen lächerlich sind, weil wir sie uns selbst reinlegen. In der 2. Halbzeit, glaube ich, sind wir besser ins Spiel gekommen. Ich glaube, Dortmund war da ein wenig kaputt. Aber außer der Chance von Mike Feigenspann sind wir dann nicht mehr gefährlich geworden. Ganz zum Schluss hätte Dortmund alles zumachen können, da beschenken sie uns. Glückwunsch an Dortmund zum hochverdienten Sieg."

Daniel Farke:
„Ja, danke Arie. Ich musste schon so oft gratulieren. Da ist es ganz angenehm, es auch mal andersherum zu erleben. In der ersten Halbzeit waren wir überlegen und haben Offensiv- und Torgefahr ausgestrahlt. Ich glaube, wir haben heute ein absolutes Topspiel zweier Spitzenmannschaften gesehen. Es war ein Spiel auf absoluten Niveau, was bei diesen Temperaturen möglich war. Meine Jungs haben sich nicht nervös machen lassen und haben nach dem Gegentor eine super Reaktion gezeigt. Wir sind einfach extrem froh, dieses Spiel heute gewonnen zu haben, gerade in Anbetracht von zuletzt sechs Unentschieden in Serie. Die Jungs haben es sich verdient, heute auf Platz zwei zu springen.




Wir sind in der 2. Halbzeit so ein bisschen von unserer Spielstrategie abgegangen und haben uns ein wenig zurückgezogen, wir wussten, wie gefährlich Mönchengladbach ist. Ich glaub, wir haben das Spiel auch in der 2. Halbzeit, trotz wenig Ballbesitz, irgendwie auch kontrolliert. Bisher war es so, da hat man uns die Unentschiedenserie aufgezählt, sechs Unentschieden in Folge, jetzt ist es eher so da sind wir achtmal in Serie ungeschlagen. Ich muss meiner Mannschaft, unabhängig von diesem Spiel, ein Riesenkompliment für die gesamte Serie machen. Wir haben in den letzten 20 Monaten nur ein einziges Heimspiel verloren und das war unter sehr, sehr unglücklichen Bedingungen gegen Viktoria Köln. Ich glaube, man kann mit Fug und Recht behaupten, dass wir aktuell die beste U23 in Deutschland stellen. Das wollen wir transportieren, das wollen wir auch transportieren bis zum 34. Spieltag. Die Entwicklung, die die Jungs genommen haben, ist einfach wahnsinnig positiv. Ich gehe heute sehr, sehr glücklich, sehr zufrieden nach Hause.“


Bodo Lünemann, Fotos: Archiv - 14.05.2017











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