Auch gegen insolvente Aachener reicht es nicht zum Sieg

Aus dem Stadion Rote Erde berichten
Bodo Lünemann und Stephan Münnich


Und bitte, das nächste Unentschieden! Die U23 von Borussia Dortmund hat offensichtlich nicht nur das Siegen verlernt, sondern seit neuestem auch das Tore-schießen. Denn wie schon vor Wochenfrist im Auswärtsspiel beim SC Verl trennte sich die Farke-Elf torlos - dieses Mal von Alemannia Aachen.


Was war das mal Bundesliga-Duell: Die Profis des BVB kämpften weiland um den Klassenerhalt, standen mit dem Rücken zur Wand - und fanden am Aachener Tivoli zurück in die Spur. Die Alemannia war damals der erste "richtige" Amateurklub seit langem, der mal wieder in die Sphären der etablierten Bundesligisten vorstoßen konnte. Ein paar Abstiege, diverse finanzielle Unregelmäßigkeiten, Finanzlücken und ein Insolvenzantrag im März später krebsen die Kicker aus der Kaiserstadt im oberen Mittelfeld der Regionalliga herum. Neun Punkte werden der Alemannia wegen der Eröffnung des Insolvenzverfahrens noch abgezogen. Immerhin die Vereinsfarben sind genauso sympathisch wie damals.




Eigentlich war mal wieder alles angerichtet für die U23 des BVB zum Sprung auf den zweiten Tabellenplatz. Möchengladbachs U23 und RW Oberhausen spielten am Samstag jeweils nur Unentschieden, also wären die Borussen bei einem Sieg gegen die Aachener auf Tabellenplatz 2. Doch seit beim ehemaligen Bundesligisten  die Insolvenz feststeht, spielen sie total befreit auf und erzielen hervorragende Ergebnisse. Die U23 war also hinreichend gewarnt.

Für Park muss Hanke weichen

Da Joo-Ho Park von der Bundesligamannschaft zu der U23 stieß, musste etwas überraschend Philipp Hanke seinen Kaderplatz räumen. Die Alemannia zeigte gleich zu Beginn, welch wirklich gute Mannschaft sie hat. Nach einem Eckball in der 2. Spielminute musste BVB-Schnapper Reimann schon sein ganzes Können aufbieten, um den Aachener Kopfball aus kurzer Distanz zu entschärfen, was er aber mit Bravour auch tat. In Minute 10 setzte sich Park wunderbar auf links durch, doch seine Flanke verpasste Eberwein denkbar knapp.




Es war also gleich zu Beginn Zug in der Partie. Und beide Mannschaften sorgten für ein gutes Regionalligaspiel bei wunderbarem sonnigen Fußballwetter. Nach zwanzig Minuten konnten dann die Aachener beinahe auf Führung stellen. Joy-Lance Mickels taucht frei vor Dominik Reimann auf, der reaktionsschnell mit dem Fuß abwehren kann. Eine Minute später entschärft der gut aufgelegte Reimann einen Aachener Weitschuss und verhindert somit die Alemannia-Führung.

Al Ghaddioui und die verflixte Phase

Nach einer halben Stunde dann die ganz große Chance zur Dortmunder Führung. Ein Eberwein-Schuss wird von der Aachener Abwehr abgeblockt und den Nachschuß hämmert Eberwein über den Querbalken. Wieder nur eine Minute später setzt Al Ghaddioui nach feinem Pass von Karazor den Ball Zentimeter am Tor vorbei. Marco Hober erkämpft sich im Mittelfeld den Ball und setzt Al Ghaddioui gekonnt ein. Dessen Geschoss klatscht an die Unterkante der Querlatte, der Ball springt dann aber leider nicht ins Tor. Trainer Daniel Farke konstatierte später: „Es gibt Phasen, da muss man als Stürmer den Ball nur angucken und er geht ins Tor - diese Phase hat Hamadi aktuell leider nicht.“

So blieb es zur Pause beim 0:0. Unverändert ging es in den zweiten Durchgang. Fünf Minuten waren in der zweiten Hälfte gespielt, da zischte ein Wassey-Freistoß knapp über das Aachener Gebälk. Wieder nichts. Und dann wieder Al Ghaddioui. Nach einem Pass von Herbert Bockhorn, der durch den Einsatz von Park auf seiner angestammten Linksverteidiger Position deutlich offensiver spielte, schoss Al Ghaddioui das Leder an den Pfosten. Er hätte heute frei auf der Torlinie stehen können und hätte das Ding noch nicht versenkt.




Die Borussen legten noch einen Zahn zu, mussten aber hinten enorm aufpassen gegen gefährliche Aachener, die immer wieder Nadelstiche setzten. Nach vorne lief trotzdem so einiges: Ein glänzender Ball von Hober auf Bockhorn, doch dessen Schuss wird abgeblockt. Längst hätten sich die Jungborussen die Führung verdient. Und weiter gings mit Al Ghaddiouis nächstem Fehlschuss. Als absoluter Antreiber entpuppte sich immer wieder Marco Hober. Er trieb das Spiel der Borussen mit seiner Dynamik und seinen klugen Pässen immer wieder nach vorne. Doch auch er scheiterte mit seine Schüssen am guten Aachener Torwächter Depta.

Immer wieder Depta

Eine Viertelstunde vor Schluss tauchte Wassey nach Hober-Zuspiel frei vor dem Alemannen-Tor auf, scheiterte aber erneut an Depta. Die Kugel wollte heute einfach nicht über die Linie. Die Borussen versuchten alles und gingen voll ins Risiko. Doppelwechsel für Park, der ein gutes Spiel machte, und für Karazor kamen Sören Dieckmann und Jonas Arweiler.

Die nächsten Minuten lesen sich wie ein Krimi-Stenogramm:
- Hober-Distanzschuss - von Depta abgewehrt.
- Toller Pass von Marco Hober auf Jonas Arweiler - Depta wehrt zur Ecke ab.
- Der anschießende Eckball wird von Wassey genau auf Arweiler gespielt, doch bei dessen Schuss heißt der Sieger wiederum - Mark-Jakob Depta.




Die Jungborussen kamen einfach nicht durch die aufopferungsvoll kämpfende Alemannia Abwehrreihe. So bleibt es schließlich beim aus Dortmunder Sicht enttäuschenden 0:0 - die Entscheidung um Platz zwei ist vertagt.

Statistik

BVB:  Reimann, Camoglu, Wassey, Mainka, Eberwein, Fritz, Park (77. Arweiler), Karazor (77. Dieckmann), Al Ghaddioui, Hober, Bockhorn

Alemannia:
Depta, Winter, Propheter, Pluntke (84. Dowidat), Pütz (60. Staffeldt), Mohammad, Mickels, Mohr (64. Gödde), Kucharzik, Hammel, Fejzullahu

SR:
Niklas Dardenne
Zuschauer: 1.649

Stimmen zum Spiel 

Fuat Kilic: „In den ersten 30 Minuten haben wir das gut gemacht und haben den Zugriff gefunden. Wir hatten das Chancenplus. In der zweiten Halbzeit haben wir Lehrgeld gezahlt. Wir mussten viele Wege in der Defensive machen. Wir hatten aber auch die Möglichkeit, den Lucky Punch zu setzen. Wir haben gegen eines der spielstärksten Teams der Reginalliga gespielt und sind hier mit dem Punkt zufrieden.“




Daniel Farke:
„Wir haben ein überragendes Regionalliga-Spiel gesehen, es sind zwei absolute Spitzenmannschaften aufeinander getroffen. Wir sind natürlich etwas traurig, dass sich die Mannschaft erneut nicht belohnt hat. Ich kann mir die Ergebnisse nicht malen. Ich kann mich nur darum kümmern, wie meine Mannschaft Fussball spielt und das hat sie hervorragend gemacht. Trotz des 0:0 war es ein attraktives Fußballspiel. Wir waren sehr dominant und hatten viel Ballbesitz, aber Aachen war dennoch brandgefährlich. Vielleicht sollen wir erst am letzten Spieltag auf Platz zwei springen. Ich gehe zufrieden nach Hause.“


Opens window for sending emailBodo Lünemann, Stephan Münnich (Fotos) - 07.05.2017


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