Katastrophal, desolat, schlecht

Aus der Allianz Arena berichtet

Falk-Stéphane Dezort

Mit einer deutlichen 0:5 (0:4)-Packung verliert Borussia Dortmund beim Spitzenspiel in München und büßt sechs Spieltage vor Saisonende die Tabellenführung ein. Zu keiner Zeit konnte der BVB in der Fremde sein Spiel aufziehen. Ein schneller Konter zu Beginn der Partie mit einem Pfostentreffer hätte das Geschehen in eine andere Richtung laufen lassen können. Hätte!

Was wurde nicht vor dem Topspiel am Samstagabend alles geschrieben – vom „Deutschen Clasico“ war ebenso die Rede wie vom „Spiel des Jahres“, auf das sich ganz Fußball-Deutschland freut. Ein Spektakel wurde  das 100. Bundesligaspiel zwischen dem BVB und Bayern München nur für die Gastgeber. Doch trotz des 0:5 (0:4)-Debakels des BVB im Süden steht eines fest – entschieden ist noch lange nicht.



Der BVB, der auf Topp-Torschütze Paco Alcacer und Raphael Guerreiro verzichten musste wurde an diesem Abend von einem übermächtigen Gegner überrannt. Man konnte meinen, dass nicht der Tabellenführer zu Gast ist, sondern ein Drittligist zum Testspiel in der Sommerpause.

Borussia kam zaghaft bzw. erst gar nicht aus der Kabine. München drückte von Beginn an und hatte schon in der ersten Minute die erste Chance.Bis zum Torschrei musste sich das Publikum im München aber bis zur zehnten Spielminute gedulden. Nach einer Ecke durfte Mats Hummels im BVB-Begleitschutz vom wiedergenesenen Lukasz Piszczek und Manuel Akanji einköpfen.

Es war der Start einer Katastrophe, eines Debakels. Doch es hätte alles vielleicht anders kommen können, wenn Mo Dahoud einen pfeilschnellen (und einzigen im ersten Durchgang) BVB-Konter nicht an den Pfosten, sondern in die Maschen gesetzt hätte (7.).

Zagadou schenkt Lewandowski sein 200.


So waren es die Kicker des Rekordmeisters, die die BVB-Hintermannschaft in ihre Teile zerlegte. Nach einem kapitalen Aussetzer von Dan Axel Zagadou läuft Robert Lewandowski allein auf Bürki zu und markierte nicht nur das 2:0, sondern auch sein 200. Bundesliga-Tor. Die Schikeria stimmte bereits „Deutscher Meister wird nur der BVB“ an – ein Fangesang, der auf vielen Ebenen zu schmerzen vermag.



Dortmund durfte nun etwas mehr am Spiel teilnehmen. Gefährlich wurde es aber nicht. Anders der FC Bayern – vor allem bei Standardsituationen fehlte der Borussia immer wieder die Zustimmung in der Defensive. Hummels, Süle und Co. kamen mehrfach zum Abschluss.

Ein starker Bürki, der einzige in Normalform, verhindert zunächst Schlimmeres und ließ hoffen. Aber noch vor der Pause sollte das Spiel endgültig entschieden sein. Nach einem Doppelschlag von Martinez, der nach einem Abpraller ins lange Ecke einschob (41.), und Serge Gnabry, der nicht gerade zwei Meter groß ist, aber trotzdem unbedrängt einköpfte (43.).

Bayern im Schongang


Zur zweiten Halbzeit wechselte Lucien Favre den unglücklichen Zagadou aus und brachte Julian Weigl, der in der Innenverteidigung zu Beginn der Rückrunde zu überzeugen wusste. Viel zu tun bekam er allerding nicht – die Bayern schraubten in den zweiten 45 Minuten einige Gänge zurück. Offensiv fand der BVB aber auch da nicht statt – abgesehen von einem abgeblockten Torschuss vom eingewechselten Mario Götze (69.).



Hin und wieder kamen die Bayern, ohne wirklich viel dafür tun müssen, vor das Tor der Westfalen. Gnabry verpasste ebenso seinen zweiten Treffer (76.) wie Robert Lewandowski der mit einer eingesprungen Grätsche dem Dortmunder Übel zwei Minuten später noch mehr Schmerz hätte verleihen können.

Einmal durften die Gastgeber allerdings nochmal jubeln. Robert Lewandowski steht abermals goldrichtig und trifft zum fünften Mal in Folge gegen  Dortmund doppelt. 0:5! (89.).

Kurz darauf pfiff ein souveräner Manuel Gräfe das Spiel ab. Bayern hat nun Oberwasser – der BVB muss die Wunden lecken und gegen Mainz am nächsten Samstag eine Reaktion zeigen.  


Wer heute Nacht Albträume hat....


…ist Dan Axel Zagadou. Der erst 19-jährige Verteidiger erwischte in München seinen schlechtesten Tag der noch jungen Karriere. Seine Unsicherheit war ihm jederzeit anzumerken. Man wird es ihm verzeihen, wenn er im Derby zum Sieg trifft. Zagadou wurde zur Pause mit der Auswechslung erlöst.

Wer heute Nacht gut schlafen kann....


…. ist der Autor dieses Artikels. Endlich ist das Spiel rum, dass die letzten zwei Wochen die Sport-Nachrichten beherrscht hatte. Ein Spiel wie jedes andere auch, wenngleich mit einer höheren Tragweite. Der BVB ist wieder der Jäger – eine Rolle, die ihm lieber zu sein scheint. Auch gut schlafen können die mitgereisten BVB Fans – sie müssen sich nicht vorwerfen lassen ihre Mannschaft nicht ausreichend unterstützt zu haben.

6.4.2018, Falk-Stéphane Dezort (Text), Bilder Archiv




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