Spiel gewonnen, Tabellenführung verloren

Aus dem Westfalenstadion berichten
Ingo Berchter und David Inderlied

In einem sturmumtosten Westfalenstadion schwamm dem BVB die Tabellenführung davon. Aber unermüdlich fightende Borussen erkämpften sich gegen tapfere Schwaben am Ende beim 3:1-Erfolg drei Punkte, die aufgrund des Torverhältnisses zwar zunächst Platz zwei in der Tabelle bedeuten, sich aber am Ende noch als sehr wertvoll erweisen könnten.

Kein Wetter für Edeltechniker in Dortmund - aber Borussenwetter. Die erste Halbzeit sah einen BVB, der sich trotz der unwirtlichen Bedingungen um Kombinationsfußball bemühte, was aber lediglich in zwei halbwegs gefährlichen Torschüssen von Jadon Sancho und Raphael Guerreiro mündete. Auf der Gegenseite ermöglichte die Borussia stattdessen immer wieder "Hallo-Wach-Momente".  So in der 31. Minute, als Nicolas Gonzalez die Kugel nur Zentimeter am Tor vorbei stocherte. So ging es mit einem Nuller in die Pause, der zu diesem Zeitpunkt den Verlust der Tabellenführung bedeutete.

Mehr wäre zwar nicht unverdient gewesen, aber eben nur in der B-Note. Die zweite Hälfte sollte alle Liebhaber von Schlachten und Dramen zufriedenstellen. Während in München das 3:0 fiel, wurde in Dortmund der auf dem Weg aus dem Strafraum heraus befindliche Sancho von Ex-Dortmunder Gonzalo Castro gefoult. Unter Assistenz des Video-Schiri wurde festgestellt, dass das Foul im Strafraum stattfand. Den fälligen Elfmeter verwandelte Kapitän Marco Reus souverän.

Der sich anschließende Dortmunder Sturm und Drang wurde jäh gestoppt, als Castro mit einem Freistoß wegen Fehlern in der Zuordnung der Borussen Kempf erreicht, der unhaltbar zum Ausgleich einköpfte. Doch bevor sich Tristesse übers Stadion legen konnte, war der BVB wieder da. Ein abgeblockter Schuss von Reus landet irgendwie beim eingewechselten Chistian Pulisic, von da zu Paco Alcacer. Und der Spanier stellte die Führung wieder her. Um alle Zweifel auszuräumen schiebt der Dynamo Mario Götze eine Hereingabe von Axel Witsel zu Pulisic, der aus kurzer Distanz zum 3:1-Endstand einnetzte.

Insbesondere in der zweiten Hälfte hatte der BVB an die erste Hälfte des Spiels gegen Tottenham angeschlossen. Die Borussia hatte wieder Spirit auf dem Platz, damit ist sie zurück im Kampf um die Meisterschaft. Wer heute gut schlafen könnte: Uli Hoeneß, weil er endlich zurück auf Rang eins ist. Wird er aber nicht, weil er vor lauter granteln darüber, wie recht er doch immer hat, nicht zur Ruhe kommen kann. Wer heute gut schlafen wird:  Mario Götze. Bester Mann. Ist so viel gelaufen, dass er eingeschlafen sein wird bevor er zuhause ist. Alle, die sich um Dortmund sorgen gemacht haben. Dortmund ist zurück.

Wer Alpträume hat: Stuttgart sicher nicht. Wer das auf den Rasen bringen kann, hat alle Chancen im Abstiegskampf. Hoeneß, der alte Grantler. Die Performance des BVB wird ihm keine Ruhe lassen. Und dass dieser Emporkömmling Sebastian Kehl vor der Presse sagte, dass Dortmund alles selbst in der Hand hat - schreit nach einer Pressekonferenz!

Dortmund, 09.03.2019 - Ingo Berchter (Text); David Inderlied (Fotos)


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