Tschüss Champions League

Aus dem Londoner Wembley-Stadion berichtet Andreas Römer

Borussia geht in Wembley unter und verliert gegen Tottenham völlig verdient mit 0:3. Damit sind die Chancen aufs Weiterkommen vermutlich gleich Null.


Der Begriff „Krise“ dürfte sich so langsam in den Köpfen festsetzen. Der BVB ist aus der Spur gekommen. Nur zwei Unentschieden in der Liga, wobei sich das letzte gegen Hoffenheim schon fast so schlimm wie das 4:4 gegen den Erzfeind in der letzten Saison anfühlt. Im Pokal gescheitert – nach zweimaliger Führung in der Verlängerung. Und jetzt der ziemlicher sichere Abschied aus der Königsklasse. Nach dem 0:3 gegen Tottenham bräuchte es ein mittelgroßes Fußballwunder, um doch noch in die nächste Runde einzuziehen.

Da fragt sich der Zuschauer der letzten Kicks sowieso, wie das gehen soll. Es war ja keine unglückliche Niederlage im kalten London. Lief es in der ersten Halbzeit noch einigermaßen und der BVB konnte die Null halten, ging in Halbzeit zwei nicht mehr viel zusammen. Nach vorn wurde kein bisschen schwarzgelbe Gefahr versprüht und hinten wurden die Gastgeber mit haarsträubenden Fehlern zum Toreschießen und Chancen kreieren eingeladen.



Da half es dann auch nicht viel, dass man sich mit Kampfgeist und viel Arbeit in die Schüsse warf, kämpferisch auf dem Platz war. Spielerisch war Tottenham im zweiten Durchgang die deutlich bessere Mannschaft. Nein, es läuft gerade nicht viel zusammen bei der Borussia. Vorn fehlt Marco Reus an allen Ecken. Die jungen Stürmer Pulisic und Sancho machten keinen Stich und wurde viel zu spät ausgewechselt. Götze rannte viel, und fast noch mehr ganz umsonst. Überraschendes kam auch nicht aus dem Mittelfeld, wo Dahoud das Spiel nicht in den Griff bekam und Delaney und Witsel alle Füße voll zu tun hatten, irgendwelche Löcher zu stopfen.

Dann ein noch nicht wieder komplett hergestellter Zagadou und zwei Außenverteidiger, die es heute nicht fertig brachten, den Ball einfach mal sauber nach vorn zu spielen. Dazwischen dann ein Toprak, der sich beherzt in die Zweikämpfe warf, selbst aber auch unsicher im Spiel nach vorn war. Ganz hinten hatte Torhüter Bürki sicher besonders gute Laune, ließen ihn seine Vorderleute doch ein ums andere Mal im Stich und so konnte er an den Toren mal so gar nichts machen.

„Wir haben in der ersten Halbzeit gut gespielt“, sagte völlig zu Recht Trainer Favre nach dem Spiel. Stimmt! Auch wenn jetzt nicht die glasklaren Chancen auf dem Zettel stehen – für die Spurs war auch nicht viel mehr zu notieren. Sancho hatte zwei oder drei gute Szenen,  brachte aber wieder den letzten Ball nicht an den Mann. Wenn der BVB jedoch vorn früh die Gegner unter Druck setzte, ergaben sich durchaus Möglichkeiten. Die größte Torchance hatte allerdings ein Innenverteidiger: Zagadou wurde nach einer kurzen Ecken mustergültig von Sancho bedient. Sein Kopfball zwang Torhüter Loris zu einer Glanzparade. Das war kurz vor der Pause und hätte die Führung für den BVB bedeuten können.

Doch dann kam es ganz anders


Die Borussen reihten individuelle Fehler aneinander und schon nach einer guten Minute in der zweiten Halbzeit lag Tottenham vorn. Ausgerechnet Son hatte getroffen. Der trifft leider immer gegen den BVB. Was war passiert? Hakimi wollte unter Druck einen lässigen Ball durchstecken, mit dem Außenrist. Das ging so gehörig daneben, dass sofort drei Spurs gegen zwei Borussen am Strafraum standen. Die tolle Flanke wurde nicht verhindert, Son hatte sich von Zagadou gelöst und stand mutterseelenallein am Elfmeterpunkt und versenkte das Ding humorlos. Scheiße! Das sei Geschenk gewesen, meinte auch ein sichtlich bedienter Trainer später.



Das war leider nicht der letzte Fehler von Hakimi, der immer wieder den gleichen Ballversucht und immer wieder scheiterte. Davon ließen sich die anderen anstecken. Zagadou Fehler konnte Verthongen nicht nutzen und schoss drüber. Dann schliefen alle Borussen und nach einem schnell ausgeführten Freistoß tauchte Eriksen frei vor dem Tor auf und wollte noch einmal Son bedienen – Zagadou war dazwischen. Aber Tottenham hatte die Außen als Schwachstelle ausgemacht und ein Angriff nach dem nächsten rauschte heran. Hakimi hatte überhaupt keinen Zugriff mehr und auch Diallo ließ sich mehrfach düpieren.

Entlastung? Hätten wir gern gesehen, da war aber nichts zu sehen. Sancho war komplett abgetaucht, Pulisic hatte eine Chancen, brachte den Ball aber auch nicht aufs Tor. Ideen? Tempo? Überraschendes? All das vermisste man beim BVB im zweiten Durchgang.

Warum der Trainer nicht mit dem einen oder anderen Wechsel neue Impulse setzte wird er mal erklären müssen. Die Einwechselung von Schmelzer für Zagadou nach 77 Minuten kann mal wohl kaum als solch eine Impuls bewerten. Blöderweise wurde es dann noch schlimmer. Der BVB brach in der Schlussphase wieder auseinander, wie schon gegen Hoffenheim und auch gegen Bremen war der Schluss im Abwehrverhalten bedenklich.



Götze leistet sich in der eigenen Hälfte einen Ballverlust. Auch wenn er sich unfair attackiert fühlte, darf so etwas einfach nicht passieren. Links winkt Verthongen, alle sehen es, nur Hakimi nicht. Die Flanke von Sissoko kommt genau auf den Belgier Verthongen, der aus vollem Lauf keine Mühe hat, Bürki zu überwinden.(84. Minute) Hakimi kam auch – zwei Meter dahinten.

Damit war dann leider nicht genug: Nur zwei Minuten später gucken die Borussen zu wie der gerade eingewechselte Llorente den Ball versenkt zum 3:0.  Boah, was bitter!

Dann noch mit Bruun-Larsen und Guerreiro für vorn etwas zu versuchen, war tatsächlich ein bisschen spät. Da ging nichts mehr. 3:0 – Wembley bleibt kein gutes Pflaster für den BVB.
    
Jetzt kann man als Fan ja nur ein bisschen Favre in sich aufsaugen. Der macht sich nach eigenen Aussage keine Sorgen um seine Mannschaft. „Du hast immer mal Phasen, wo es schwer ist. Das gehört zum Fußball“. Analysieren und weiter arbeiten will er. Wer das nächste Spiel mitgewinnen soll, weiß er auch noch nicht. Für Reus wird es jedenfalls auch in Nürnberg nichts.


Opens window for sending emailAndreas Römer, 13.2.2019





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