Endstation Bremen - BVB unterliegt Werder mit 5:7 n.E.

Aus dem Westfalenstadion berichten
Falk-Stéphane Dezort und David Inderlied

Lange Zeit langweilig, dann atemberaubend. Nach trostlosen 90 Minuten geht es nach Toren von Rashica und Reus in die Verlängerung. Hier taut das Spiel so richtig auf. Pulisic und Hakimi für den BVB und Harnik sowie Routinier Pizarro für Bremen erzielen die Treffer (3:3). Die Entscheidung fällt erst im Elfmeterschießen. Alcacer, Philipp verschießen - bei Bremen ist jeder Schuss drin. Dortmund unterliegt mit 5:7 n.E.

"Wir wollen und müssen rotieren", sagte BVB-Coach Lucien Favre in der Pressekonferenz in Brakel vor dem Pokal-Achtelfinale gegen Werder Bremen. Gleich vier Namen waren in der Startaufstellung im Vergleich zur Partie in Frankfurt am Samstag (1:1) neu. Doch einen hatte sicherlich niemand auf dem Zettel - Eric Oelschlägel. Der Keeper der "Amas", der letzten Sommer von Bremen II kam, musste für die erkrankten Roman Bürki und Marwin Hitz einspringen. Auf der Bank nahm der 18-jährige Luca Unbehaun platz. Vom Stammpersonal rückten Ömer Toprak (Piszczek), Christian Pulisic (Sancho) und Mario Götze (Alcacer) in die Startelf.


Und der BVB erwischte einen mehr als unglücklichen Start. Nach nur fünf Minuten zappelte das Leder bereits im Borussen-Netz. Ein Freistoß von der rechten Seite fand getreten von Max Kruse in der Mitte in Milot Rashica den aus Gästesicht perfekten Abnehmer. Oelschlägel war ohne Chance und hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine Ballberührung.

Der BVB übernahm fortan wie gewohnt vor eigenem Publikum die Spielkontrolle. Götze nach 14 Minuten mit einem Hackentrick hatte die erste nennenswerte Chance. Der Ball ging knapp am Kasten vorbei. Gerade als der Druck der Hausherren schien zuzunehmen, beteiligte sich Bremen wieder mehr am Spiel und hielt das Geschehen geschickt weit weg vom eigenen Kasten. Wirkliche Torgefahr entstand nur selten. Wenn dies aber der Fall war, war Rashica nicht weit entfernt. Eine Hereingabe von links touchierte der Werderaner Angreifer mit der Fußspitze - die Kugel "kullerte" hauchzart am Kasten vorbei (32.).



Es war im ersten Durchgang wahrlich kein Fußballfest wie es das letzte Aufeinandertreffen beider Teams beim 2:1-Sieg der Schwarz-Gelben im Dezember war. Dem BVB fehlte in seinen Aktionen die Wucht und Genauigkeit. Flanken landeten immer wieder beim Gegner, ein Mitspieler war selten in der Nähe. Bremen machte seine Sache gut, Dortmund machte es ihnen aber auch leicht. Von den Rängen war in aller Regelmäßigkeit ein genervetes Raunen zu vernehmen. Nur Block 12/13 versuchte unermüdlich die elf Akteure auf den Rasen zu Besserem zu bewegen.

Und die 80000 Zuschauer im Westfalenstadion durften noch vor der Pause ihren Torschrei auspacken. Kapitän Marco Reus zirkelte einen Freistoß aus zentraler Position direkt und unhaltbar für Jiri Pavlenka in die Maschen. 1:1 - Halbzeit. Verdient? Naja, egal! Es war sein 13. Treffer im 17. Spiel gegen Werder.



Für Überraschung sorgte aber die Auswechslung in der Pause. Reus blieb für Paco Alcacer in der Kabine. Götze rückte auf die Zehn - Paco ins Sturmzentrum. Bremen blieb unverändert.

Das Spiel ging da weiter, wo es aufgehört hatte. Viele Zweikämpfe und ungenaue Zuspiele verhinderten hüben wie drüben einen geordneten  Spielaufbau. Selten kam es zu Abschlüssen. Den ersten im zweiten Abschnitt hatten wieder die Gäste. Kruse probierte es aus 20 Metern, Oelschlägel ahnte die Ecke und parierte (54.). Werder machte es clever und verteidigte zeitweise mit zehn Mann am eigenen Strafraum. Dortmund fehlte die Lösung und die Idee das norddeutsche Mauerwerk zu durchdringen. 

So war es nicht verwunderlich, dass das Spiel immer mehr zu einem Abnutzungskampf wurde. Der BVB schien Handball zu spielen, und Bremen machte nur selten selbst etwas für die Offensive. Immerhin erhoffte sich Kohlfeldt mit der Einwechslung von Martin Harnik nach etwas mehr als einer Stunde für frischen Wind in der Angriffsreihe zu sorgen.

Gefährlich wurde es aber nur nach Standardsituationen. In der 89. Minute hielt Oelschlägel den BVB mit einer starken Parade im Spiel. Ein Freistoß von links wird von Thomas Delaney mit der Schulter entgegen der Laufrichtung des Keepers abgefälscht. Oelschlägel packte sein ganzes Können aus und entschärfte die Situation. Auf der Gegenseite waren die Dortmunder dem zweiten Torschrei nahe. Ein Kopfball nach einer Ecke touchierte die Latte (90.+1). 44 Minuten Langeweile und dann zwei Großchancen binnen weniger Augenblicke. Aber die Entscheidung wurde, wie schon in den Spielen gegen Greuther Fürth und Union Berlin, in die Verlängerung verschoben.

Werder Bremen hatte die Initiative übernommen und suchte sein Glück. Genau in dieser Phase stach der BVB zu. Lange unsichtbar und auf einmal war er da. Paco Alcacer steckte im richtigen Moment durch und Christian Pulisic stellte in der 105. Minute auf 2:1 für den BVB. Die Gäste mussten und wollten nun alles nach vorne werfen. Der BVB hingegen warf sich in jeden Ball und suchte das Heil in Konterchancen. Hakimis Flanke (107.) entpuppte sich als Torschuss, Pavlenka war zur Stelle. Auf der Gegenseite machte es der Routinier.  Pizarro netzte zum 2:2 (108.).



Plötzlich nahm das Spiel an Fahrt auf.  Der eingewechselte Jakob Bruun-Larsen vergab aus zehn Metern (109.). Alcacers Freistoß rauschte nur knapp am Winkel vorbei (110.). In der 113. Minute zappelte aber das Leder wieder im Netz. Maximilian Philipp, ebenfalls zur Verlängerung eingewechselt worden, setzte sich auf rechts geschickt durch und findet im Zentrum Achraf Hakimi. Die Madrilener Leihgabe stellte auf 3:2.

Die Verlängerung entschädigte für alles, was in den regulären 90. Minuten gefehlt hatte. Oelschlägel parierte einen abgefälschten Schuss von Klaassen (118.), aber eine Minute später rutschte im die Kugel nach einem Kopfball von Martin Harnik über die Hand. 3:3! Elfmeterschießen.

Schussfolge:


Alcacer verschießt  3:3
Pizarro trifft 3:4
Philipp verschießt 3:4
M. Eggestein trifft 3:5
Witsel trifft 4:5
Klaassen trifft 4:6
Weigl 5:6
Kruse 5:7

Endstation Bremen - Werder gewinnt 7:5 nach Elfmeterschießen. Für BVB endet die Pokalreise im Achtelfinale. "Drei Tore müssen zu Hause reichen. Das heute war in der Summe sehr bitter und ein gebrauchter Abend", sagte Mario Götze nach der Partie bei Sky.

05.02.2019 David Inderlied (Fotos), Falk-Stéphane Dezort (Text)


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