Den Sack nicht zugemacht


Aus dem Frankfurter Waldstadion berichten
Andreas Römer und Falk-Stéphane Dezort

Der BVB holt in Frankfurt ein 1:1 und hätte das Spiel durchaus gewinnen können.

Die 51.000 Zuschauer waren sich dreimal richtig einig: Jedes Mal wenn ein Tor gegen die Bayern auf der Anzeigetafel aufleuchtete jubelten heimische wie Gästefans gemeinsam als hätte das eigene Team gerade ein Tor erzielt. Aber auch sonst war die Stimmung in beiden Fanlagern gut bis sehr gut. Die gut 5.000 Borussen hatten zunächst eine schöne schwarzgelbe Choreo vorbereitet : „All the Way up“ - immer nach oben, lautete die Fan-Devise. Gesanglich gaben beide Seiten alles und trugen so ihren Teil zu einem Fußballfest bei.

Dieses Fußballfest gab es auch auf dem Rasen. Eintracht Frankfurt wollte als Tabellenfünfter zu gern dem Tabellenführer aus Dortmund ein Bein stellen. Beide Seiten schenkten sich von der ersten Sekunde mal so gar nichts. Frankfurt ist bekannt als schnelle und hart arbeitende Mannschaft. Genau das haben sie heute gezeigt. Das Spiel war von hohem Tempo geprägt und immer waren beide Teams bemüht, direkt und zügig nach vorn zu spielen. Langes Mittelfeldgeplänkel, dauernd hinten herum spielen, um eine Lücke zu finden, all das war maximal eine Ausnahme.

Und ehrlich: In den ersten zehn Minuten hatte man schon ein bisschen Angst um die Borussia. Die Frankfurter liefen wie die Hasen – wie Duracell-Hasen, aufgedreht und nicht zu stoppen. Allerdings hatte der BVB die erste Chance bereits nach 09 Sekunden. Direkt nach dem Anstoß attackierten die Borussen die Eintracht-Spieler. Alcacer schaffte es, den Schlag von Trapp zu blocken, der Ball kann zu Reus, der aber den Ball verstolperte. Danach drehte aber die Eintracht auf. Hohe Bälle nach vorn, irgendeiner des Mehr-Als-30-Tore-Sturms legte ab und schon wurde es gefährlich. Nach 2:09 Minuten kam so DaCosta völlig frei vor Bürki zum Schuss. Der Schweizer Keeper konnte mit blitzartiger Fußabwehr klären.



Die Geschichte vom Hasen und vom Igel kennt ja hoffentlich noch der eine oder andere. Die Borussen werden zumindest heute Abend noch einmal dran denken. In den ersten Minuten tauchte immer ein Frankfurter auf, wenn die Borussen einen Pass zum Mitspieler schicken wollten. Zumeist hieß es:„Bin schon da“. Die Eintrachtler waren also eher der Igel, obwohl sie selbst wie die Hasen rannten. Egal! Sie waren wie auf Speed und hatten das Spiel ganz auf ihrer Seite.

Der BVB brauchte etwas Zeit, bis er die Unsicherheiten, unsaubere Abspiele und Orientierungsprobleme ablegte. Startsignal war dafür die erste BVB-Ecke nach 09 Minuten. Den ersten vielversprechenden Angriff gab es dann nach 12 Minuten. Alcacer versuchte es mit der Hacke, aber wurde geblockt. Doch das war ein guter Anfang. Von da an liefen immer wieder Borussen-Konter in Richtung Trapp-Tor. Hinten festigte sich das Gefüge und der BVB bekam das Spiel in den Griff.

Drei Chancen zum 2:0 verpasst


Folgerichtig fiel dann auch die Führung für die Gäste. Guerreiro tankte sich links durch, legte im Strafraum quer und Reus hatte wenig Mühe, den Ball aus zehn Metern zu versenken. Nach 22 Minuten führte der BVB. Die Fans liebäugelten schon mit einem deutlichen Sieg. Völlig zu Recht. Der BVB versemmelte in nur fünf Minuten drei dicke Möglichkeiten – was heißt der BVB? Es war Marco Reus, der es diesmal nicht fertigbrachte, das Runde ins Eckige zu bringen. Nur 100 Sekunden nach der Führung lief er allein auf Trapp zu, schob den Ball allerdings links vorbei. Kurz darauf ein blitzsauberer Konter über Sancho und Witsel, doch Reus schaffte es wieder nicht, die Chance zu nutzen, setzte den Ball auf die Oberkante der Latte. Dass er wenig später nach einer Ecke wieder zum Schuss kam, dieser aber abgeblockt wurde, ahnte man schon was kommt. Phrasenschwein aufgepasst: Wer so viele Chance liegen lässt und so…



Frankfurt fand zurück ins Spiel und die Borussen waren nicht immer souverän. Da vertändelt Diallo den Ball und nur eine neuerliche Großtat von Bürki verhindert den Ausgleich. Der war aber nur aufgeschoben. Eine erneute Ecke der Eintracht war diesmal der Auslöser. Zunächst sprang Reus unter dem Ball durch und so kam Rebic zum Kopfball, den er an die Latte setzte. Den Abpraller konnten die Borussen nicht klären, die Flanke kam erneut in den Strafraum gesegelt und Jovic verwandelte aus wenigen Metern mit einem seiner Kunstsprünge – keine Chance für Bürki.

Niemand hätte gedacht, dass damit der Endstand bereits erreicht war. Vom Tempo und Engagement hätten es ruhig ein paar Treffer mehr sein können. Ein 3:3 wäre vielleicht möglich gewesen. Doch eigentlich hätte der BVB sich in der zweiten Halbzeit den Sieg verdient gehabt. Nach dem Wechsel nahm Borussia das Heft fest in die Hand, hatte deutlich mehr vom Spiel. Allerdings schaffte sie es nicht, klare Torchancen herauszuspielen. Kleinigkeit, die letzte Ablage funktionierte einfach nicht. Wenn es dann mal in Richtung Tor gehen sollte, war entweder ein Abwehrbein dazwischen oder der Ball ging am Tor vorbei. Also nichts richtig Zwingendes dabei.



Daneben verlegte sich Frankfurt ganz aufs Kontern und dass kann das Team von Trainer Hütter gar nicht mal so schlecht. So durfte sich Bürki gegen Rebic nochmals auszeichnen und das Unentschieden festhalten. Bis zum Abpfiff nach 94 Minuten wäre ein Tor für beide durchaus möglich gewesen, doch es reichte eben nicht.

Borussia fehlt vorn heute ein Reus in Bestform. Er war fleißig aber ohne jede Fortune. Seine Kurzablagen in Strafraumnähe fanden die Kollegen heute nicht. Nicht viel anders ging es Alcacer, der auch nur zwei Halbchancen zu verbuchen hatte. Dazu ein Sancho, dem die rustikalen Frankfurter früh die Lust am Spiel verdarben und der sich danach nicht wie sonst in Szene setzen konnte. Hinten war Weigl wieder stark, Diallo und Hakimi hatten beide so manchen Wackler dabei, die dann ein ganz starker Bürki ausbügeln musste.



Man soll nicht meckern. In Frankfurt ist gewinnen wahrlich nicht einfach. Die Mannschaft ist kraftvoll, rennt unfassbar viel und weiß vor allem, vorn ist immer jemand. Also den Ball nach vorn hauen ist immer eine gute Idee. Trotzdem wäre mehr drin gewesen. Das 2:0 direkt nachgelegt, wer weiß ob sich die Eintracht davon erholt hätte. Die Tabellenführung wurde aber dennoch ausgebaut – Bayer sei Dank. Das hilft offensichtlich nicht nur gegen Kopfschmerzen.


Opens window for sending emailAndreas Römer (Text), Falk-Stéphane Dezort (Fotos), 2.2.2019

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