Frohe Weihnachten Fortuna

Aus der Merkur Spiel Arena in Düsseldorf
berichten Andreas Römer und Falk-Stéphane Dezort


Der BVB liefert als Geschenk drei Punkte in Düsseldorf ab und verliert mit 1:2. Nicht einmal unverdient, wenngleich überraschend kassiert Borussia die erste Niederlage der Saison. Ein Aussetzer in der Defensive sowie ein Traumtor von Jean Zimmer sorgen beim frischgebackenen Herbstmeister für einen Euphoriedämpfer. Der Vorsprung auf Rang zwei schmilzt vor dem Borussen-Duell am Freitag auf sechs Punkte.

Trainer Lucien Favre hatte zwar vor dem Aufsteiger gewarnt, aber es trotzdem versucht, die Sache mit dem zweiten Anzug nach Hause zu schaukeln. Das ging gründlich schief. Ohne drei zum Start möchte man die erste Halbzeit überschreiben. Der BVB startete zwar mit elf Spielern auf dem Platz, doch der zweite Anzug passte so gar nicht. Marcel Schmelzer durfte für Achraf Hakimi ran, Mario Götze für Paco Alcacer, Raphael Guerreiro wurde von Jakob Bruun Larsen ersetzt und Pulisic stand für Jadon Sancho auf dem Rasen in Düsseldorf. Doch gebracht haben die drei vorn, also Götze, Bruun Larsen und Pulisic mal recht wenig bis gar nichts.

Düsseldorf mauerte. Fünfer- oder Sechserkette und bei Ballbesitz BVB sowieso alle mindestens 20 Meter hinter der Mittellinie. Da fehlte es aber auch dem BVB an Ideen und an Bewegung. Links versuchte immerhin Schmelzer immer wieder von außen etwas auszurichten. Der Rest drängte früh in die Mitte und da tummelten sich dann 15 Mann direkt am Strafraum. Durchkommen? Keine Chance!



Zu einfallslos versäumte es Borussia das Spiel breit zu machen, über die Außenpositionen mal bis zur Grundlinie zu gehen und so die massive Abwehr auseinanderzuziehen. Das gelang gar nicht. Das lag eben auch an den nominellen Außenspielern. Pulisic zeigte, warum er seit Wochen in der zweiten Reihe steht oder eben sitzt - auf der Bank. Er wirkte unsicher, mutlos und an der einen oder anderen Stelle vielleicht auch ein wenig unglücklich. Woran es auch immer lag - eine gelungene Aktion hatte er nicht. Auf der anderen Seite machte Bruun Larsen immerhin Platz für Schmelzers Vorstöße, sinnvolles nach vorn brachte aber auch er nicht zustande. Noch schlimmer: Sein Ballverlust sorgte für den überraschenden Führungstreffer der Gastgeber. Ein langer Schlag nach vorn und schon stürmte Dodi Lukebakio allein auf Bürki zu und versenkte - wie bei seinem Dreierpack gegen München -  das Ding eiskalt.

Nach dem Rückstand wurde es  nicht besser. Götze abgemeldet in der Mitte, Reus nach den quasi Ausfällen von Bruun Larsen, Pulisic und Götze ohne Anspielstationen, ohne Raum für schnelle Vorstöße. Dass sein vermeintlicher Führungstreffer nicht anerkannt wurde, weil Pulsic im Abseits stehend den Torhüter bei Sicht behinderte rundete die Sache ja noch ab. Michael Rensing im Düsseldorfer Kasten musste auch nur bei einem Götze-Schüsschen eingreifen. Auf der anderen Seite hatte sogar Takashi Usami das 2:0 auf dem Fuß, vergab aber aus nur fünf Metern vor dem leeren Tor.



Man konnte nur hoffen, dass all das, was sich Trainer Favre auf seine Zettel gekritzelt hat, auch in der Halbzeit zur Sprache kommen kann - schon allein von der Zeit her. So bleib die erste Halbzeit als eine der schlechtesten in dieser Saison im Gedächtnis.

Zur Pause wechselte der Trainer. Doch nicht die Sturmflaute wurde ausgetauscht, sondern der angeschlagene Manuel Akanji musste raus und Toprak durfte rein. Blöderweise ging es im zweiten Durchgang aber genauso weiter, wie zuvor. Düsseldorf mauerte, Borussia fiel nichts ein und dann fiel auch noch nach nur zehn Minuten in der zweiten Halbzeit das zweite Tor. Die komplette BVB-Abwehr schlief und ein einfacher Pass ließ Zimmer am rechten Strafraumeck völlig frei zum Schuss kommen. Von linker Seite der Schwarzgelben nichts zu sehen. So haute Zimmer das Runde links oben ins Eckige - keine Chance für Bürki.



Jetzt musste Favre doch reagieren. Alcacer und Sancho kamen für Bruun Larsen und Thomas Delaney. Am Spiel selbst änderte das aber auch nichts. Pulisic blieb über links eine stumpfe Waffe, Götze war jetzt zwar häufiger am Ball, aber erfolgreicher wurde er dabei auch nicht. „Uns fehlte die Gier, hier zu gewinnen“, sagte Kapitän Reus nach dem Spiel. Düsseldorf kam jetzt so gar nicht mehr aus dem eigenen Strafraum raus. Wenn dann Borussia auch noch im Strafraum immer den besser postierten Spieler suchte, anstatt auch mal aus der viel zitierten zweiten Reihe zu schießen, dann wurde es eine zähe Angelegenheit.

Es sah nicht danach aus, als könnte hier noch was passieren. Dann schnappte sich wenigstens Sancho mal wieder den Ball, tänzelte drei Gegenspieler aus, schickte Piszczek auf der rechten Seite, der den Ball direkt von der Grundlinie in die Mitte flankte. Alcacer - wer sonst - stieg hoch und erzielte sei 12 Saisontor. 1:2 aber nur noch 10 Minuten zu spielen. Geht da noch was?



Nö! Fortuna verteidigte bis zum Schluss nicht ungeschickt den eigenen Sechzehner. Den Borussen kann man den Willen nicht absprechen, aber es fehlte eben an Vielem. Favre hatte sich selbst ein Bein gestellt. Der zweite Anzug passt eben nicht. So kassiert der BVB im 16. Spiel die erste Saisonniederlage - nicht einmal unverdient. Denn Torhüter Rensing war ebensowenig gefordert wie sein Gegenüber. Allerdings musste Bürki den Ball einmal mehr aus dem Netz holen. Nur gut, dass es noch ein Spiel gibt, um nicht mir diesem Eindruck in die Weihnachtspause zu gehen. Jetzt ist allerdings gegen Gladbach auch ein Sieg schon fast Pflicht, will man weiter souveräner Spitzenreiter bleiben. Wer allerdings in der Innenverteidigung spielen soll, ist noch unklar. Zagdou, Diallo und Akanji sind verletzt bzw. angeschlagen. "Vermutlich eine Zerrung", meinte Lucien Favre in der Pressekonferenz zur Verletzung Diallos. "Es war zuletzt eine hohe Belastung."


Opens window for sending emailAndreas Römer (Text), Falk-Stéphane Dezort (Fotos)



Nächstes Spiel: Borussia Dortmund vs. SV Werder Bremen
Aktuelle Infos // Pressekonferenz // Statistik
Copyright 2011 - Gib mich die Kirsche - Das Fußballmagazin aus Dortmund