Danke Nuri!

Aus dem Westfalenstadion berichten
Andreas Römer und Stephan Münnich

Endlich Gelegenheit Nuri Sahin zu verabschieden. Der BVB gewinnt gegen Bremen mit 2:1 und ist jetzt schon Herbstmeister.


Da waren die Augen schon ein bisschen feucht bei dem jüngsten Dortmunder Bundesligaspieler, beim jüngsten BVB-Torschützen, beim Deutschen Meister, beim Pokalsieger: Nuri Sahin war sichtlich beeindruckt. Schon vor dem Spiel vom BVB verabschiedet, von der Südtribüne gefeiert, musste er nach der Bremer Niederlage sich vom kompletten Stadion feiern lassen. Zunächst wandte er sich an die mehr als 8.000 mitgereisten Werder-Fans, die sich für eine starke Leistung bei ihm bedankten. Dann feierten auch die mehr als 70.000 Dortmunder im Stadion ihren Nuri, bedankten sich für 274 Spiele in der ersten Mannschaft. „Das war schwer aber auch unglaublich gut“, war Sahin sichtlich gerührt. Viele konnten heute endlich nachholen, was im Sommer nicht geklappt hatte. Still und ohne Verabschiedung war Sahin kurz vor Schließung des Transferfensters nach Bremen gewechselt. Jetzt wurde der Abschied entsprechend gefeiert und Nuri Sahin konnte noch einmal bestätigen, im Herzen auch weiterhin ein Schwarzgelber zu sein. „Ich wünsch den Jungs ab sofort wieder alles Gute für die nächsten Spiele.“

Im Spiel im für viele falschen Trikot der Bremer machte Sahin ein gutes Spiel, lenkte das Spiel der Gäste geschickt und war so ballsicher, wie man ihn aus Dortmunder Zeiten kennt. Trotzdem gab es am verdienten Sieg des BVB nichts zu deuteln. Aber die Favre-Elf hat es mal wieder unnötig spannend gemacht. Eigentlich hätte man frühzeitig den Deckel draufsetzen müssen, sich das Zittern in der zweiten Halbzeit durchaus ersparen können.



Borussia legte gut los, hatte alles im Griff und führte nach Toren von Alcacer und Reus mit 2:0 bevor Bremens Kruse mit einem Sonntagsschuss am Samstagabend das 2:1 erzielte. Überhaupt sorgte Bremen  mit mutigem Spiel nach vorn dafür, dass im ausverkauften Westfalenstadion die Zuschauer auf ihre Kosten kamen. Es war ein hochklassiges Bundesligaspiel, mit schnellen Angriffen, technisch auf hohem Niveau. Bremen wollte und konnte den BVB tatsächlich in Verlegenheit bringen.

Überfallkommando

Die BVB-Abwehr stand allerdings gut und wenn dann doch mal was aufs Tor kam, war auch noch ein starker Bürki im Tor, der die zwei, drei gute Chancen der Werderaner zunichtemachte. Das Spiel fand zwar zum Großteil zwischen den Strafräumen statt, doch was die Zuschauer an Kampf und schnellem Umschaltspiel zu sehen bekamen, war allererste Sahne. So hatte Bremen mehr Ecken als der BVB und doch führten die meisten eher zu Gefahr vor dem Werder-Tor. Das schwarzgelbe „Überfallkommando“ rauschte in der Regel direkt nach dem Eckball über das Feld und verpasste nur den erfolgreichen Abschluss. Sancho verfehlte mehrfach das Tor, Alcacer und Reus rutschten nur wenige Zentimeter am Ball vorbei. Ja, hier hätte das Spiel eher entschieden werden können, ja müssen.



Als das dritte Tor dann endlich in der 96. Minute fiel, waren wieder vier oder sechs Borussen vor dem Tor aufgetaucht und blöderweise stand Phillip im Abseits, so dass der Treffer von Götze dann doch nicht zählte. Das war genau so ein Szene, wie sie das beispielhaft für das Spiel herhalten kann. Blitzartige Angriffe mit schnellem Kurzpassspiel, bis der Ball einmal steil gespielt wurde. Die Torschüsse waren dann leider nicht so gut getimt. So vergab der BVB mehrere gute Möglichkeiten.

Auf der anderen Seite hatte Bremen optisch zwar durchaus mithalten können, vor allem in der zweiten Halbzeit ließen die Borussen den Gästen oft zu viel Raum, doch wirklich gefährlich wurde es dann doch nur durch Zufall. So blieb es am Ende bim 2:1 und der BVB ist auch nach 15 Spielen in dieser Saison ungeschlagen und grüßt mit neun Punkten Vorsprung als feststehender Herbstmeister von der Tabellenspitze.



Die Tore fielen alle schon in der ersten Halbzeit. Zunächst gab es eine hübsche Freistoßvariante, die die Bremer völlig überraschte. Zunächst lief Guerreiro über den Ball, tat als habe es ein Missverständnis gegeben, um dann den Ball gefühlvoll in den Strafraum hob. Alcacer durfte völlig unbedrängt einköpfen. Dass der Videoschiri im Kölner Keller erst noch einmal die Szene begutachtete, verschob dann allerdings den Jubel ein bisschen. So macht Fußballgucken gar keinen Spaß. Den hatte man dann allerdings beim 2:0. So fix wie da der Ball wieder durch die Reihen lief, mit einem Doppelpass zwischen Reus und Sancho, den Reus dann mit einem Schuss linke unten vollendete. Unschön dann, dass Kruse einen Abpraller aus der BVB-Abwehr aus gut 20 Metern mit einem Sonntagsschuss links oben versenkte.   

Jetzt geht es für den BVB unter der Woche nach Düsseldorf und am Freitagabend schon steigt im Westfalenstadion das Spitzenspiel gegen die falsche Borussia, die noch immer auf Platz zwei der Tabelle steht, aber jetzt bereits neun Punkte Rückstand hat. Die Frage ist nur noch, schafft es der BVB ungeschlagen bis Weihnachten? Und kann es am Freitag ähnlich emotional werden, wie heute beim Abschied von Nuri Sahin.

Opens window for sending emailAndreas Römer (Text), Stephan Münnich (Fotos), 15.12.2012




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