Derbysieg - was willste mehr?!

Aus der Turnhalle berichtet Andreas Römer

Borussia gewinnt verdient mit 2:1. Insgesamt ein eher maues Spiel in dem der BVB den Gegner aufgebaut hat.


Nein, berauschend war das Spiel nicht. Die Stimmung im Derby in der Turnhalle war aber wie gewohnt außergewöhnlich.  Die mitgereisten Schwarzgelben ließen sich auch von der zahlenmäßigen Übermacht nicht unterkriegen - sie waren immer zu vernehmen. Nach der frühen Führung sowieso und erst Recht nach dem hochverdienten Siegtreffer. BVB-Kapitän Marco Reus wartet zwar weiter auf sein erstes Tor auf Schalke, Jadon Sancho dagegen wurde der jüngste Derby-Torschütze in der Geschichte von Borussia.

Eigentlich hätte der Drops nach Halbzeit eins gelutscht sein müssen. Borussia zeigte die im Tabellenbild ausgedrückte Überlegenheit. Technisch und taktisch eine ganz Klasse besser als der Gegner versäumte die Favre-Elf aber wieder einmal frühzeitig alles klar, den Sack zuzumachen. Torchance hatte nur der BVB. Die Gastgeber hatten lediglich Leidenschaft, die sie dagegensetzen konnten. Gepusht von einem über die Maßen agierenden Trainer an der Außenlinie, der jeden Pass, jeden Laufweg und vermutlich jedes Foul von außen dirigieren wollte. Der war wirklich heiß wie eine Gelsenkirchener Currywurst.



Aber der Spielverlauf sollte eigentlich auch den Dortmundern in die Hände spielen. Die erste Chance hatte Hakimi, der den Ball aus vollem Lauf in der dritten Minute über den Kasten jagte. Und ein Foul am Marokkaner brachte nur wenig später die Führung. Den fälligen Freistoß servierte BVB-Kapitän Reus genau auf den Kopf von Delaney, der somit seinen ersten Treffer für den BVB erzielte (7. Minute). Kann es schöner sein, als in einem solchen Derby zu treffen?

Selbst danach kam aber von den Blauen nach vorn zu gut wie gar nichts. Sollte sich doch mal ein Ball in die Nähe des Dortmunder Strafraums verirren, waren Diallo und Akanji souveräne Abwehrbollwerke. Vorn war der BVB leider auch nicht zwingend. Sancho, sichtlich mitgenommen vom Tod seiner Oma, verpasste ein ums andere Mal den richtigen Zeitpunkt zum Abspiel. Alcacer, diesmal für Götze in der Startelf, fiel auch nicht weiter auf – eine einzige Chance hatte er, setzte den Ball aber nach 18. Minuten neben das Gehäuse.



Was ein einziges Mal wie eine Chance für die Blauen aussah, wäre niemals am Videoschiedsrichter vorbeigekommen: Eine Ecke segelte in den BVB-Strafraum, Sane räumte unschön Witsel weg – erste Sache, die unbedingt geahndet gehörte. Dann legte sich Burgstaller den Ball per Hand schön vor, um dann doch an Bürki zu scheitern. Aber auch diese Szene hätte sicher im Nachgang annulliert werden müssen, wenn der Ball denn drin gewesen wäre. So war das der einzige Aufreger vor dem Tor von Bürki. Den einzigen Vorwurf, den man dem Spitzenreiter machen muss: In solch einer Lage, muss du in der Turnhalle das zweite Tor nachlegen. Die wenigen Konter spielten die Schwarzgelben aber ohne den nötigen Ernst, ohne letzte Konsequenz zu Ende und ging es mit nur 1:0 in die Pause.

Stürmer? Minus 04


Schon vor der Pause musste der nächste Stürmer der Blauen passen. Nachdem bereits Embolo, Uth und Di Santo verletzt fehlten musste auch Burgstaller nach 36 Minuten die Segel streichen. Damit fehlten den Blauen gleich 04 ihrer Stürmer. Dafür warfen sich McKennie und Mendyl vorne rein. Der eine ein gelernter Sechser, der andere ein Linksverteidiger. Lag es daran, dass der BVB nach der Pause die Ernsthaftigkeit ein bisschen zu vergessen schien? Der BVB ließ den Blauen zu viel Raum, ging nicht entschieden dazwischen und baute den Gegner in dieser Phase immer mehr auf. Die eigenen Bälle wurden schlampig wegeschenkt und es sah ganz nach einer blauen Drangperiode aus.



„Wir haben uns von Schalke einschläfern lassen. Schalke hat komischen Fußball gespielt“, sagt Marco Reus. Ausgerechnet er verursachte dann auch noch einen Elfmeter. Er stieg beim Abwehrversuch Harit auf den Fuß – Minuten später gab es nach Videobeweis den Strafstoß. Aus dem Spiel heraus hätten die Schalker heute niemals getroffen und plötzlich stand es 1:1 weil Caliguri Bürki nach genauer einer Stunde in die falsche Ecke schickte.  Doch das war der BVB selbst schuld. Zu wenig Engagement, zu viel Lässigkeit oder war es schon der Rausch vom gefühlten Derbysieg?

Doch man steht nicht ungeschlagen an der Tabellenspitze, wenn man an solch einem Tag nicht die Blauen schlagen kann. Wie schon in den Partien gegen Freiburg oder Mainz, machte der BVB genau so viel, wie man machen musste, um den Sieg doch noch einzutüten. Ausgerechnet Sancho blieb es vorbehalten, das Ding reinzumachen. Ihm war bis dahin nicht allzu viel gelungen. Diesmal schnappte er sich die Kugel auf der linken Seite, setzte sich endlich einmal gegen seinen Gegenspieler durch und spielte einen feinen Doppelpass mit Guerreiro. Dann stürmte der Engländer mit dem runden am Fuß in den Strafraum, Nastasic und Rudy schauten ein bisschen unbeteiligt zu und Sancho versenkte das Runde rechts unten im Eckigen. Danach war er von seinen Gefühlen fast übermannt, widmete das Tor seiner Oma. (75.)

Aufgepasst hat in dieser Szene aber Schlussmann Fährmann. Fünf Minuten später kam Reus in genau der gleichen Position wie zuvor Sancho zum Schuss, diesmal hielt der Keeper aber dem Ball glänzend. Doch jetzt war der BVB wieder klar die dominierende Mannschaft. Hinten brannte nix mehr an. Und als letzter Wechsel bei den Blauen nicht Naldo sondern Konoplyanja kam verstummte auch die letzten deren, die von einem Treffer in den Schlussminuten unkten. Gurreiro traf sogar noch den Pfosten und hätte tatsächlich fast für entspannte letzte Minuten sorgen können. So warfen die Blauen noch einmal alles nach vorn –ohne Erfolg.



Das Beste bei den Gästen war die Abdeckung der Nordkurve in den Vereinsfarben, was mit einem freundlichen Erinnerungsgruß aus dem BVB-Fanlager beantwortet wurde: 60 Jahre ohne Schale. Trotzdem sah es hübsch aus, die tausende von hüpfenden Weihnachtsmützen auf der Blauen Kurve – genutzt hat’s halt auch nichts.

Völlig verdient gab es nach drei Jahren wieder einen Derbysieg für den BVB. Dazu wurde die Tabellenführung souverän verteidigt. Schwarzgelbes Herz – was willste mehr?!

Opens window for sending emailAndreas Römer, 8.12.2018



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