Von der Leichtigkeit des Beins

Vom Spiel in Mainz berichtet Andreas Römer

Borussia Dortmund gewinnt mühsam in Mainz mit 2:1. Insgesamt tat sich die Favre-Elf schwer und brauchte auch ein bisschen Glück.


Noch eine gute Nachricht in dieser Woche: Irgendwann in ferner Zukunft wird es keine Montagsspiele mehr geben. Ein bisschen peinlich, dass es noch drei Jahre dauern soll. Es auf die Proteste der Fans zu schieben und sich dafür feiern zu lassen, dass man auf die Wünsche der Fans eingeht, dürfte ein geschicktes Ablenkungsmanöver sein. Das glaubt doch kein Mensch. Vermutlich wird es einfach nicht genug Kohle geben für diese Scheißspiele an einem Montagabend. Trotzdem liebe Fans: Der geballte Protest und die leeren Tribünen auch im Westfalenstadion haben sicher irgendwo einen Eindruck hinterlassen – und wenn es bei den TV-Stationen war. Danke dafür!

Überhaupt die Fans: Die in schwarzgelb waren wieder in großer Zahl zum Karnevalsverein nach Mainz gefahren und haben was die Lautstärke und die Gesänge anging, den Gastgebern ebenfalls eine Niederlage beigebracht. 4.000 Mann stark und die Schal-Choreo war sehenswert. Daumen hoch!
Die Borussia auf dem Rasen dagegen konnte sich nur mit Mühe behaupten. Sie startete wieder mit Bürki im Tor und Delaney durfte ran – Weigl war nur auf der Bank. Ansonsten die gleichen Jungs, die gegen die Bayern gestartet waren. Auch Götze wieder als falsche Neun, was Favre ja gern auswärts spielen lässt.



Losgelegt haben sie wie die Feuerwehr. Es sah so aus, als wollten sie Mainz im ICE-Tempo überfahren, das Ding früh klarmachen. Doch vor lauter Schönspielerei verpassten die Schwarzgelben den Zug zum Tor. Nette Kombinationen im Mittelfeld, ja sogar bis in den Strafraum und dann…. NIX. Der letzte Ball zu ungenau, zu spät oder gar die ganz falsche Entscheidung. So merkte man schnell, das wird eine zähe Angelegenheit.

Zäher Kampf

Nach gut 20 Minuten berappelte sich Mainz sogar, spielte frecher und ging vor allem zügig auf die Dortmunder Angreifer los und – gibt’s doch gar nicht – versuchte sogar selbst nach vor etwas zu machen. Es wurde ein offener Schlagabtausch – der sich allerdings vor allem zwischen den Strafräumen abspielte. Echte Torgefahr brachten beide Mannschaften nicht zustande. So wurde es ein zäher Kampf.

Beim BVB ging es weiter, mit ungewohnten leicht verlorenen Bällen. Vor allem Sancho wollte so gar nichts gelingen. Mal eben den Ball zum Mitspieler spitzeln, mal einen Ball über zehn Meter an den Mann bringen – klappte alles irgendwie nicht. Zu kurz, zu sehr vorhersehbar oder einfach schlampig gespielt. An ihm konnte man die Misere beispielhaft sehen. Da es auch Götze, Reus und Bruun Larsen nicht viel besser hinbekamen, krankte es im Spiel nach vorn. Die Leichtigkeit blieb irgendwo stecken.



Aber es gibt sie. Hin und wieder schafft sie es aufzublitzen. Wenn es so nicht klappt, wechselt der Trainer eben ein. Sein glückliches Händchen hat Favre bis jetzt noch nicht im Stich gelassen. Es ging auch diesmal ein Raunen durchs Stadion als der Trainer Paco Alcacer in der 64. Minute ins Spiel brachte. Götze durfte sich ausruhen. Und nur zwei Minuten später waren es die in dieser Saison besten Dortmunder, die für einen Augenblick die Leichtigkeit spürten. Reus gewann am eigenen Strafraum den Ball, legte auf Sancho und schoss selbst nach vorn, wie von einer Rakete gezündet. Sancho gelang seine beste Aktion an diesem Nachmittag und er legt den Ball wundervoll in den Lauf von Reus, der über rechts in den Strafraum rannte. Ein Blick, ein präziser Querpass und schon stand er da – der Unglaubliche! Paco Alcacer machte sein achtes Jokertor und schob aus kurzer Distanz ein. Die beste Aktion des ganzen Spiels.

Doch wer jetzt glaubte, damit käme die Leichtigkeit dauerhaft zum BVB zurück, wurde schnell enttäuscht. Mainz dachte gar nicht daran, sich zu ergeben und machte sogar weiter richtig Druck. Ein abgefälschter Pass fiel dann auch nur vier Minuten später Quaison vor die Füße, der unbedrängt an Bürki vorbei zum Ausgleich einschießen durfte. Und schon war wir wieder mitten drin im zähen Ringen, im Kampf um die Leichtigkeit und die ordnende Hand.

Der 15. Dortmunder Torschütze der Saison

Diesmal war es dann aber ein Glücktreffer, der dem BVB auf die Siegerstraße half. Mal wieder am Strafraum wurde kräftig gewühlt. Sancho spitzelte den Ball zu Piszczek, dessen Schuss mit links wurde zunächst abgeblockt, dann zielte er mit rechts und traf genau in den Winkel zum 2:1. (76. Minute)



Meisterlich war dann die letzte Viertelstunde auch nicht. Obwohl Mainz nun alles nach vorn warf, fanden die Borussen nicht wie gewohnt die Möglichkeiten zum Kontern. Nur gut, dass nicht noch ein abgefälschter Ball irgendwo durchrutschte und der Sieg so eigentlich nicht mehr in Gefahr geriet. Damit gibt es einen neuen Vereinsrekord: Noch nie blieb der BVB in den ersten zwölf Saisonspielen ungeschlagen. Herzlichen Glückwunsch. Nach dem Würgesieg in Wolfsburg war aber auch das erkämpfte 2:1 in Mainz nur mit einigem Dusel zu erreichen. Aber nur so, wirst du am Ende auch oben stehen. Dass man der nächsten Woche sicher auch  oben stehen wird, ist sowieso klar, weil der Vorsprung in der Tabelle auf die falsche Borussia weiterhin mindestens vier Punkte beträgt. Blöd ist irgendwie, dass die Fußballwelt nur von den neun Punkten Rückstand der Bayern spricht – dazwischen sind aber mit Gladbach, Frankfurt und Leipzig drei andere Mannschaften, die man besser nicht unterschätzen sollte.

Jetzt gilt es für Borussia aber erst einmal am Mittwoch gegen Brügge alles klar zu machen für das Überwintern in der Champions League. Nach der Verpflichtung von Alcacer wird schließlich jede Million gebraucht.


Opens window for sending emailAndreas Römer, 25.11.2018



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