Der nächste Zittersieg

Vom Spiel in Wolfsburg berichtet Andreas Römer

1:0 – knapper geht’s nicht, wenn man gewinnen will. Der BVB schaffte das in Wolfsburg und bleibt Tabellenführer.


Borussia Dortmund bleibt auch nach 15 Pflichtspielen ungeschlagen und grüßt die Liga vom Platz an der Sonne. Wie schon im Pokal gegen Union Berlin war es aber knapp. Gerade mal ein Tor – das ist man ja gar nicht mehr gewohnt. Hatte man aber gegen die beiden Berliner Teams von Hertha und Union das Gefühl, der BVB muss auch mindestens drei Tore schießen, um ein Spiel zu gewinnen, reichte es tatsächlich mit nur einem Tor von Marco Reus.

Mit großem Kampf und ein bisschen Glück stand hinten die Null und vorn reichte das eine Tor. Ganz überzeugend war es also nicht. Was aber vielleicht auch daran liegt, dass man nach diversen berauschenden Auftritten, der Fan in uns einfach erwartet, dass die vermeintlichen leichten Gegner einfach mal überrannt werden. Das gelang in Wolfsburg mal nicht. So einfach ist es eben dann doch nicht. Vielleicht auch deswegen, weil die Mannschaft erneut zahlreiche Umstellungen erfuhr. Nachdem der zweite Anzug gegen Berlin ja merklich „zwickte“ rotierten diesmal gleich neun Spieler wieder ins Team.



Überraschend stand auch Akanji wieder auf dem Platz. Nach seiner Verletzung hatte er gerade zwei Mannschaftstrainings gemacht. Da aber Diallo verletzt ist und Toprak im Pokal ja auch nicht gerade die Sterne vom Himmel gespielt hat, durfte oder musste der Schweizer ran. Hakimi verteidigte rechts, Guerreiro links. Im Mittelfeld ersetzte Delaney Dahoud, was auf eine defensivere Variante schließen ließ. Vorn durften Bruun-Larsen und Sancho Alcacer mit Bällen füttern – zumindest in der Theorie. Daraus wurde nämlich wenig.

Beide Mannschaften verzichteten weitestgehend auf eigenes Risiko und versuchten vor allem sicher zu stehen und wenig zuzulassen. So entwickelte sich eine zähe Angelegenheit, Chancen waren auf beiden Seiten Mangelware. Die besser Spielanlage, das bessere technische Können konnte zwar der BVB verbuchen, aber zu richtig gefährlich Aktionen reichte es in Durchgang eins zu selten.

Hinten brannte nichts an. Wolfsburg kam eigentlich nur nach vorn, wenn Brekalo den Ball trieb. Aber insgesamt bleib das alles harmlos. Borussia erzielt so machen Eckball, die aber in der Autostadt mal wieder alle ohne jede Wirkung blieben. Es war wieder dem jungen Engländer Jadon Sancho vorbehalten, die Führung vorzubereiten. Er erhielt den Ball links am Strafraum, legt ihn sich schön zurecht, guckte und flankte zielgenau und butterweich auch Delaney, der völlig frei am Fünfmeterraum zum Kopfball kam. Den hätte er allerdings zwei Meter neben das Tor gesetzt, wenn nicht Reus genau dort angestürmt gekommen wäre und die „Vorlage“ per Kopf zum 1:0 verwandelt hätte.  1:0 für Borussia nach 27. Minuten – geht’s jetzt los? Das hatten viele gehofft, war aber nicht so.



Auch in der Folge spielte sich das Geschehen zumeist zwischen den Strafräumen ab. Zwar versuchte die Borussia mit Tempo die Wolfsburger auseinander zu spielen. Doch die taten den Borussen nicht den Gefallen, komplett aufzumachen und alles nach vorn zu werfen. Auch wenn sie im zweiten Durchgang den Druck erhöhten, hielten sie hinten weiterhin den Abwehrrigel dicht. Trotzdem ergaben sich für den BVB die eine oder andere Konterchance, die aber schlampig vergeben wurden (Reus mit Delaney und Brunn-Larsen). Da rutschte einem schon fast wieder das Herz in die Hosen. Hatten die Schwarzgelben gegen Hertha ja quasi um den Ausgleich gebettelt und schließlich auch kassiert, so hielt diesmal die Abwehr, stand bis zum Schluss die Null.

Solche Siege brauchst du, wenn die oben bleiben willst. Man kann nicht jede Woche Sternstunden haben, muss auch mal mit einer mittelprächtigen Leistung die Punkte holen. Wir erinnern uns alle, wie schnell es in der letzten Saison nach furiosem Start vorbei mit der Fußballherrlichkeit war und die Mannschaft ins Trudeln geriet. Insofern kann man den Sieg in Wolfsburg als Beweis anführen, dass es diesmal nicht so weit kommt. Vor einem Jahr verlor man nach einem 2:4 in Hannover die Tabellenführung an die Bayern. Diesmal ist der BVB sicher auch nach elf Spieltagen ganz vorn. Vier Punkte Vorsprung auf die Bayern, die am Samstag zum Gipfeltreffen nach Dortmund kommen.



Und vielleicht klappt es ja auch mal wieder mit mehr als nur einem Tor. Für die Fans wäre ein Sieg über die Lederhosenträger sicher mehr wert, als nur die Verteidigung der Tabellenspitze. Schon jetzt hat Trainer Favre einen Vereinsrekord aufgestellt: 15 Pflichtspiele ohne Niederlage hat es bislang zum Saisonauftakt noch nicht gegeben. Weiter so!


Andreas Römer (Text), David Inderlied (Fotos), 4.11. 2018



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