Borussia verschenkt die Punkte


Aus dem Westfalenstadion
berichtet Andreas Römer


Hertha holt ein Unentschieden – die Berliner Fans randalieren


Heute gab es Anschauungsunterricht: Das Video dieses Spiels wird unter der Kategorie „wie mache ich meinen Gegner stark“ sicher bald im Fußballmuseum und im Trainingsausbildungskurs zu sehen sein. Borussia Dortmund hatte jeweils in Halbzeit eins und auch kurz vor Schluss das Spiel im Griff, es gab überhaupt keine Anzeichen dafür, dass da was in die Hose gehen könnte. Und am Ende steht es 2:2 – unfassbar.

Es hat sich gezeigt, dass Dortmunds Borussia tatsächlich in einem Spiel vier Tore schießen muss, um sicher zu gewinnen. Chancen dafür waren auch heute dabei. Aber reingemacht haben sie sie eben nicht. Dicke Chancen hatten: Hakimi, Sancho, noch mal Hakimi und zwei hätte wirklich drin sein müssen – Gurreiro und Bruun-Larsen haben aber auch diese ausgelassen. Das ist ärgerlich aber vielleicht auch ganz gut, damit die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Aber wie die Mannschaft in den letzten fünf Minuten gefühlt um den Ausgleich gebettelt hat, war dann doch ärgerlich.


Fatale Schlussphase


Gut 30 Minuten hatte die Hertha irgendwie nicht aufs Tor geschossen. Dann  legten die Borussen ihnen einen nach dem anderen auf. Schlampige Pässe, ungeordnete Formation – der BVB lud die Gäste zu einer Aktion nach der anderen ein.  Erst rettet Bürki (88. Minute) nach einem Selke-Kopfball, dann lässt der Borussen-Torwart den Ball nach einer Ecke fallen (89.) und Diallo muss den Kopf hinhalten, um den Schuss von Kalou zu retten. Und als die BVB-Fans schon alle Gebete um den Schlusspfiff gebetet hatten, passierte es doch noch: Der bis dahin bärenstarke Zagadou lässt sich von Selke überrumpeln, versucht irgendwie alles und beide fallen – Elfmeter. Und nach 91 Minuten steht es 2:2 weil Kalou das eiskalt macht.



Völlig unnötig lässt Borussia so die Punkte liegen. Dabei hatte alles planmäßig begonnen. Favre überraschte mal wieder mit der Aufstellung. Pulisic draußen, Delaney und Alcacer nicht im Kader, dafür Götze wieder von Beginn an, Guerreiro in der Startelf und auch Sancho durfte ran. Und das Team funktioniert wie gewohnt. Schnelle Kombinationen, Torchancen schon nach wenigen Minuten und ein Gegner, der vor allem mit Defensivaufgaben zu erledigen hat.

Das 1:0 fiel dann gleich zweimal. Zunächst spielte sich der BVB in der 17. Minute links durch den Strafraum und Sancho verwertete die Reus-Hereingabe ganz fein mit der Hacke. Blöd, dass der Schiedsrichter aus Köln ein Signal erhielt und er Treffer aberkannt wurde. Reus‘ Fußspitze war im Abseits. Genau zehn Minuten später war es dann wieder Sancho, der diesmal regulär die Führung erzielte.  Berlin war tatsächlich einmal ein bisschen aufgerückt, im Mittelfeld gewann Dahoud den Ball und setzte Götze geschickt ein, der quasi allein aufs Berliner Tor zustürmte, rechtzeitig nach rechts legte und der junge Engländer nur noch einschieben musste.

Den Gegner eingeladen



Völlig verdient lag der BVB damit in Führung. Völlig unverständlich dagegen, dass die Mannschaft danach die Zügel schleifen ließ, mit deutlich weniger Engagement zur Sache ging. So baut man einen Gegner auf. Erst durfte Duda unbedrängt aufs Tor schießen, was er nur knapp verfehlte. Dann schrieb Dahoud eine Postkarte und zeigte allen, wohin er spielen würde. Mittelstädt bedankte sich, nahm den Ball auf und durfte ungestört von Piszczek und Sancho den Ball nach rechts legen wo Witsel Kalou aus den Augen verloren hatte. Kalou überwand Bürki aus kurzer Distanz (41.Minute).

Zu Beginn der zweiten Halbzeit durfte Berlin dann zweimal aufs Tor schießen – oder besser zweimal deutlich drüber. Danach bestimmte wieder der BVB das Spiel und ging nach 61 Minuten erneut durch Sancho in Führung. Hakimi spielte toll in den Strafraum, Reus „ließ durch“ und Sancho schob aus zwei Metern ein. Auch danach sah mal rein gar nichts nach einem Punkt für die Gäste aus. Der BVB hatte alles im Griff und sogar dicke Chancen durch Hakimi, Guerreiro und Bruun-Larsen, der aus sechs Metern das Tor nicht traf. Und dann eben die unsägliche Schlussphase (siehe oben).


Pyro und Randale



Einen großen Aufreger boten dann noch einige der mitgereisten Hertha-Fans. Kurz vor dem Anpfiff zogen sie ihr Banner hoch „Ultras bis zum Schluss - 15 Jahre Hauptstadtmafia“. Dann zündeten sie mächtig Bengalos und schwarze und blaue Rauchbomben. Okay, nicht fein, aber bis dahin nur ein bisschen Verzögerung. Als dann während des Spiels weitere Bengalos brannten, wollte die Polizei das Banner entfernen, um die Übeltäter wohl besser sehen zu können. Da eskalierte die Situation. Viele der Ultras bewarfen die Polizisten mit Stangen und Bengalos, kletterten von der Tribüne und zettelten ordentlich Gewalt an. Angeblich gingen anschließend auch noch Toiletten zu Bruch und das Bild, was die Fans abgaben war einfach zu erbärmlich. Hatte man sich auf 4.000 Fans gefreut, die Ihre Mannschaft anfeuern. So bleibt doch nur ein mieses Bild von ein paar verrückten Schlägern. Denn nach diesem Auftritt war die nächsten 80 Minuten nichts mehr zu hören aus dem Gästeblock.



Für Borussia bleibt der unnötige Verlust von zwei wichtigen Punkten. Sicher steckte der harte Kampf vom Mittwoch dem einen oder anderen in den Knochen. Insofern verständlich, dass man nicht 90 Minuten Vollgas geben kann. Dennoch: Borussia hat den Gegner eingeladen und am Ende zwei Punkte verschenkt.


Andreas Römer (Text), David Inderlied (Bilder) 27.10.2018




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