Alcacer rettet das Götze-Märchen

Aus dem Westfalenstadion
berichten Martin Bytomski und Falk-Stéphane Dezort

Es war wie gemalt. Mario Götze, von vielen bereits abgeschrieben, kam in die Partie gegen den FC Augsburg. Traf. Ließ das Westfalenstadion mit seinem Tor zum 3:2 ausrasten. Doch der Wahnsinn führt in dieser Saison bei Borussia Dortmund allzu häufig Regie, und fast blieb das Märchen aus. Fast. Denn seit Sommer läuft ein wildgewordener Spanier für den BVB auf: Paco Alcacer. Und der sorgte für ein Happy-End, erzielte das 4:3 per Freistoß in einer furiosen Partie.

Der BVB, als Spitzenreiter ins Spiel gegangen, wurde seiner Favoritenrolle zu Beginn jedoch nicht gerecht. Gleich drei Ecken musste die Favre-Elf, bei der Dan-Axel Zagadou, Achraf Hakimi, Julian Wegil, Jacob Bruun Larsen und Maximilian Philipp in die Mannschaft rückten, abwehren. Bei frühlingshaftem Wetter im Herbst war die Stimmung fantastisch, lautstark schepperte der BVB-Wechselgesang durch das Westfalenstadion. Nach dem Ecken-Festival befreiten sich die Schwarz-Gelben und übernahmen die Kontrolle über die Partie. Bis zur ersten Chance vergingen aber acht Minuten. Axel Witsel nach aus gut zwanzig Metern Maß, verzog aber deutlich. Auch wenn die Hausherren gefällig agierten, machte sich die Rotation und der Systemwechsel zu einem 4-4-2 bemerkbar. Der letzte Pass fand wegen falscher Laufwege oft nicht den gewünschten Abnehmer. Nach einer Viertelstunde hätte Marco Reus die Führung erzielen müssen. Nach perfektem Zuspiel von Sancho schoss der Kapitän das Leder aber über das Gehäuse.

Die kalte Dusche gab es dann in der 22. Minute. Alfred Finnbogason erzielte nach einem Freistoß mit einem Schuss die Führung für Augsburg, es war bereits sein vierter Treffer im zweiten Ligaspiel in der aktuellen Saison. Fast hätte Hakimi nur zwei Minuten später den Ausgleich erzielt, aber FCA-Keeper Andreas Luthe bekam seine Fingerspitzen noch an den Ball. Anschließend verflachte die Partie bis zum Pausenpfiff deutlich.

Das erste Ausrufezeichen im zweiten Abschnitt setzte Augsburg. Gregoritsch zwang Bürki zu einer Glanztat, anschließend klärte Witsel in höchster Not. Glück hatte Hahn, dass er nach seiner Gelben Karten im ersten Abschnitt nicht nach einem erneuten Halten vom Platz gestellt wurde. In der Folge brachte Schiedsrichter Markus Schmidt das gesamte Publikum mit einigen fragwürdigen Entscheidungen gegen sich auf, der Tempel kochte.

Die Stimmung erreichte ihren nächsten Höhepunkt, als Sancho den kurz zuvor eingewechselten Paco Alcacer (62.) bediente, der nur noch einschieben musste. Kurz darauf hätte Finnbogason um ein Haar die Gäste wieder in Führung gebracht, doch aus wenigen Metern traf er nur die Latte. Nach einem Kopfball von Diallo (69.) rettete Michael Gregoritsch für den bereits geschlagenen Luthe kurz vor der Linie. Erneut Alcacer (71.) verzog aus 14 Meter nach dem nächsten perfekten Zuspiel von Sancho. Im Gegenzug netzte Philipp Max (71.) zum Schock der 81.359 Fans im ausverkauften Westfalenstadion ein. Bei allem Hurra-Fußball bestraften die Fuggerstädter, dass der BVB in der Verteidigung nicht konsequent agierte.

Aber es wäre nicht die Borussia dieser Saison, wenn nicht noch etwas folgen würde. Einen genial geschlenzten Freistoß des eingewechselten Raphael Guerreio nutzte Alcacer (80.) zum erneuten Ausgleich. Völlige Eskalation dann beim erstmaligen Treffer zu Führung. Mario Götze (84.), der erst in der 77. Minute eingewechselt wurde, traf! Hakimi legte auf, der Weltmeister vollendete aus wenigen Metern von der halbrechten Position.

Die Story war perfekt, aber Augsburg hatte etwas dagegen. Gregoritsch erzielte per Kopf den Ausgleich. Wieder Alcacer verfehlte nach einer Ecke die abermalige Führung nur knapp. Die pure Glückseligkeit bescherte der Spanier dann in der sechsten (!) Minute der Nachspielzeit mit einem direkt verwandelten Freistoß. Spitzenreiter, Hattrick von Alcacer und der Treffer des krisengeplagten Götze, das alles bei überragender Stimmung. Wahnsinn!

Martin Bytomski (Text), Falk-Stéphane Dezort (Foto) - 06.10.2018



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