Borussia surft weiter auf Erfolgswelle

 Aus dem Westfalenstadion
berichten Martin Bytomski und Falk-Stéphane Dezort

Das Publikum auf der Südtribüne des Dortmunder Westfalenstadions ist seit jeher bei Champions-League-Spielen bunt gemischt, eine Folge der um rund 10.000 Plätze verringerten Kapazität bei internationalen Spielen. Auch die im Fanjargon abschätzig als „Südtribünen-Touristen“ bezeichneten Zuschauer, die während des Spiels das Surfen, Quatschen und das Füttern des Instagram-Feeds dem Support der Mannschaft vorziehen, finden ihren Weg auf die Gelbe Wand. Was sich allerdings im Block 82 während der ersten Halbzeit der Partie gegen den AS Monaco abspielte, war eine besondere Ausprägung eines „Touris“.



Ein Mann, Mitte 50, optisch ein Borat-Verschnitt im feinen Zwirn, filmte sich fast pausenlos. Beim Abspielen der Königsklassen-Hymne, beim Anpfiff und während des Spiels. Mit starrem Gesichtsausdruck blickte er in die Frontkamera, die er stets rotierte. Die Reaktionen der Beobachter des narzisstischen Treibens schwankten zwischen fassungslosem Kopfschütteln und einigen humoristischen Imitierungen des Dargebotenen. Immerhin: Viele fußballerische Leckerbissen verpasste der stets grimmig dreinschauende Selbstdarsteller im ersten Abschnitt nicht.

Beide Mannschaften neutralisierten sich weitgehend, Strafraumszenen blieben Mangelware. Monaco war die schlechte Verfassung (Platz 18 in der Ligue 1) nicht anzumerken, gefällig lief der Ball in den eigenen Reihen. Die Schwarz-Gelben hätte der in die Mannschaft rotierte Marius Wolf sechs Minuten vor dem Pausenpfiff mit einem Schuss aus der Drehung fast die Führung gebracht, doch der ehemalige Wolfsburger Schlussmann Diego Benaglio tauchte ab und bewahrte sein Team vor dem Rückstand zur Pause.



Eine erneute Leistungssteigerung im zweiten Durchgang sorgte dafür, dass auch die zuvor träge Südtribüne – jetzt ohne „Borat“ - erwachte. Jacob Bruun Larsen (51.), zur Halbzeit für den recht blassen Wolf eingewechselt, schob nach maßgeschneidertem Zuspiel von Jadon Sancho aus kurzer Distanz zum 1:0 ein. Der für den verletzten Benaglio eingewechselte AS-Torhüter Danijel Subasic blieb keine Chance. Mit dem Führungstreffer und den Fans im Rücken entwickelten die Borussen eine große Dominanz und diktierten das Spielgeschehen. Nachdem Paco Alcacer bei seinem Startelfdebüt in der 69. Minute vom Elfmeterpunkt scheiterte, machte es der Spanier nur drei Zeigerumdrehungen später besser, tanzte Subasic und die halbe monegassische Hintermannschaft aus und schob lässig zum 2:0 ein.



Den Deckel auf die starke zweite Halbzeit machte der formstarke Dortmunder Kapitän Marco Reus (90.+2). Somit liegt Dortmund mit der Maximalausbeute von sechs Zählern dank des um einen Treffer besseren Torverhältnisses vor Atletico Madrid an der Tabellenspitze. Zum Gipfeltreffen kommt es am 24. Oktober (ab 21 Uhr) im heimischen Stadion. Martin Bytomski (Text), Falk-Stéphane Dezort (Foto)


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