Müdes 0:0 in Hannover

Wir werden Geduld haben müssen. Wer glaubt, nach dem 4:1 gegen Leipzig spielt sich der BVB mal eben so durch die Liga, wurde auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Das Spiel in Hannover offenbarte doch eine ganz Reihe von Dingen, die noch lange nicht rundliefen. So bleibt am Ende ein eher müdes 0:0 im Niedersachsenstadion.


Immerhin stand der BVB hinten sicher. Bürki musste nicht einen Ball halten, auch wenn zwei Chancen für 96 zu Buche stehen. Ansonsten hatte Borussia das defensiv alles im Griff. Hannovers letzter Ball in die Spitze wurde regelmäßig abgefangen und die Innenverteidigung mit Akanji und Diallo machte einen guten Eindruck. Aber im Spiel nach vorn war das heute im Niedersachsenstadion eindeutig zu wenig. Ohne Pulisic war vorn keiner, der einmal eine Eins-zu-Eins-Situation gewann. Schon aus dem Mittelfeld, ging es meist eher behäbig nach vorn.

Zu wenig Bewegung gegen eine stark pressende 96-Elf. Die Jungs von Trainer Breitenreiter hatten sich das Leipzigspiel wohl angesehen und erkannt, dass der BVB seine liebe Müh und Not hat, wenn er ständig unter Druck steht, wenn keine Zeit bleibt, groß zu überlegen. So spielte sich der Hauptteil des Geschehens zwischen den Strafräumen ab. Beide Mannschaften waren defensiv ziemlich gut, im Mittelfeld so lala und vorn eher müde.

Eine halbe Stunde bis zum 1. Torschuss

Borussia hatte den ersten Torschuss nach über einer halben Stunde. Nach 40 Minuten dann tatsächlich ein Chance. Reus wurde endlich einmal flott angespielt drang von rechts in den Strafraum ein und hätte quer legen können, versuchte es aber allein und Torhüter Esser bekam die Fußspitze dazwischen. Nur 90 Sekunden später fast der  gleich Ball, den knallte der Kapitän an die Latte. So ging es dann ohne Tore in die Pause.



Im zweiten Durchgang hofften dann die zahlreich angereisten schwarzgelben Fan auf ein bisschen mehr und wurden schwer enttäuscht. Sie sahen ein bisschen weniger. Nein, auch im zweiten Durchgang änderte sich nichts am Spiel. Für Bälle nach vorn fehlte die Bewegung. Phillip und Wolf waren eher unsichtbar. Einzig Reus versuchte mit seinen Läufen Lücken zu reißen. Aber wenn dann kein Pass kommt, ist eben auch jeder Lauf in diese Lücken vergebens. Es gab keinen, der das Spiel an sich riss. Witsel war da, schaffte aber mehr hinten, als vorn. Delaney rückte nach vorn, ist aber ja eigentlich auf für den defensiven Part vorgesehen. Dahoud suchte und verpasste seine Mitspieler. Die Streuung seiner „Torschüsse“ war wieder gut 15 Meter rund um das Tor aber nicht einer auf den Kasten.

So schleppte sich das Spiel weiter. Wolf hatte die dickste Chance, sein Pass auf Reus war aber viel zu ambitioniert und damit die größte Möglichkeit auch vertan. Danach verschwand Wolf vollends von der Bildfläche. Phillip wurde wenigstens ausgewechselt – viel zu spät eigentlich. Sancho konnte dann auch nichts mehr ausrichtigen.  Ja, da fehlen noch Automatismen und der Gegner hat das im Rahmen seiner Möglichkeiten auch wirklich gut gemacht. Dennoch hatte man sich ein bisschen mehr Spielkultur erhofft.



Marco Reus ärgerte sich später, dass er nicht wenigstens einen Ball reingemacht hat. Für ihn war das Spiel ein „typisches 0:0“, was er nach dem Spielverlauf auch als gerecht bezeichnete. Ihm war die eigene Mannschaft ein bisschen zu defensiv. „Wir standen zu tief und waren zu wenig mutig.“ Er hätte sich mehr Zielstrebigkeit nach vorn gewünscht.

Wir uns auch! Und so bleiben jetzt zwei Wochen, um an den Defiziten zu arbeiten. Erst dann geht es gegen Frankfurt.

Andreas Römer, 2.9.2018


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