Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey hey….

Aus dem Westfalenstadion berichten
Andreas Römer und Oliver Römer

Borussia Dortmund schlägt Leipzig mit 4:1 und übernimmt zum 151. Mal die Tabellenführung in der Bundesliga. Das ist natürlich eine nette Momentaufnahme nach gerade einem Spieltag – aber die Mannschaft hat sich den Sieg heute auch hart erarbeitet.



Mit Witsel, ohne Götze und auch ohne Wolf für den Phillip ran durfte. Das waren die Änderungen von Trainer Favre nach dem Spiel in Fürth. Als letztes Spiel des ersten Spieltages musste der BVB gegen Leipzig ran. Ein 3:0 oder ein 4:1 würde zur Tabellenführung reichen. Gleich zehn Mann, die in vielen Bundesligaklub einen Stammplatz haben dürften, waren bei Borussia nicht einmal im Kader: Toljan, Toprak, Burnic, Bruun Larsen, Gomez, Kagawa, Rohde, Sahin, Weigl und Isak fanden nicht einmal auf der Reservebank ein Plätzchen. Das ist sicher eine schwere Aufgabe für den Trainer, hier alle bei Laune zu halten. Viel Hoffnung auf Änderung haben die, die gespielt haben heute nicht gemacht.

Das war aber zu Beginn sicher bei keinem ein Gedanke, Was für ein Blitzstart. Nach nicht einmal einer Minute trafen sich die Borussen schon wieder am Anstoßkreis. Nach nur 31 Sekunden waren die Gäste in Führung gegangen. Leipzig hatte genau das gemacht, was BVB-Trainer Favre angekündigt hatte: Pressen von der ersten Sekunde, dem BVB-Spieler keinen Raum und möglichst wenig Zeit zum Nachdenken zu geben. Und schon zweimal in 30 Sekunden rauschte es im Dortmunder Strafraum. Akanji köpfte in den eigenen Sechzehner, Diallo kam zu spät und so konnte Augustin aus fünf Metern den Ball über die Linie drücken. Keine Chance für Bürki.


Was für ein Schock. Die Fans mussten sich erst einmal schütteln. Der Mannschaft ging es nicht viel besser. Kurz gesagt: Die Borussen bekamen in den ersten zehn Minuten keinen Stich. Die Brausekicker waren offensichtlich voll mir ihrem Zeugs und rannten jeden BVB-Spieler sofort an. Abstöße von Bürki endeten, wenn sie kurz gespielt wurden, schon 20 Meter vor dem eigenen Tor. Leipzig rannte mit fünf oder sechs Mann an, störte, zwang den BVB immer wieder zu Rückpässen, die jedesmal an Gefährlichkeit zunahmen. Witsel, Delaney versuchten das Spiel in den Griff zu bekommen.

Man sah, was für feine Fußballer bei RB kicken. Technisch stark, hochmotiviert und durchaus mit System, das die Borussen zunächst vor einige Rätsel stellte. Der Pass nach vorn wollte lange nicht gelingen, die Bälle kamen schneller zurück als man Rasenballsport aussprechen kann. Erst nach 20 Minuten schafften es die Schwarzgelben einmal etwas wie Gefahr vor das Leipziger Tor zu bekommen. Delaney wurde von Reus in den Strafraum geschickt, versuchte sich mit einem Schuss aufs kurze Eck – ein Rückpass wäre vielleicht ein bessere alternative gewesen. Aber immerhin ein Weckruf.

Nur zwei Minuten später der erlösende Ausgleich: Dahoud erobert den Ball, spielt Phillip an, der links raus Schmelzer schickt. Der heute bärenstarke Linksverteidiger flank auf den Elfmeterpunkt und Dahoud, ja tatsächlich Mo Dahoud, macht den Ausgleich – sein erstes Pflichtspieltor für den BVB. Quer in der Luft liegend köpft Dahoud zum 1:1 ein.



Von da an ging es munter rauf und runter: Beide Mannschaften versuchten offensiv das Ding in den Griff zu bekommen. Allerdings schaffte es Leipzig nicht mehr, den BVB mit seinem Pressing komplett einzuschnüren. Für eine richtig dicke Chance reichte es für die Ossis aber trotzdem: Augustin wurde von Forsberg wunderbar frei gespielt stürmte allein auf Bürki zu. Der behielt aber die Nerven und mit einem tollen Reflex rettete er das Unentschieden. Die Brausekicker zeigten also weiterhin, dass sie durchaus gefährlich sein konnten.

Dass es dann plötzlich mit 3:1 in die Pause ging, kam dann schon ein bisschen überraschend. Pulisic wurde etwa 25 Meter links vor dem Tor der Gäste gelegt. Den fälligen Freistoß schoss Reus. Sabitzer tat ihm den Gefallen, seinen österreichischen Dickschädel dazwischen zu halten und den Ball unhaltbar für Torhüter Gulacsi zu verlängern. 2:1 nach 40 Minuten. Es folgte noch eine dicke Überraschung: eine gefährliche Ecke von Borussia. Die Älteren unter uns wissen, wovon wir reden. Pulisic brachte den Ball von rechts Delaney köpfte, Gulacsi rettet mit Glanzparade und Witsel steht richtig und haut das Runde per Seitfallzieher ins Eckige.

Verdient? Egal! Mit 3:1 in die Pause. Jubel unter den meisten der 80.000 Zuschauer.



Die zweite Halbzeit war ein gutes Bundesligaspiel. Leipzig rannte an, hatte ein paar Chancen die der überragende Bürki alle zunichtemachte. Weil Leipzig aber kommen musste, gab es auch Räume für den BVB. Leider blieben viele Ansätze am letzten Ball hängen. Es gab auch ein zwei schwarzgelbe Chancen, wie Dahoud, der freistehend aus Elf Meter das Ding in die Wolken schoss. Trotzdem wurde man nie das Gefühl los, dass das noch nicht das Ende war. Leipzig zeigte sich weiter mutig und nach vorn spielend, aber eben nicht mehr zwingend. Mit fast 80.000 eigenen Fans im Rücken hatte der BVB das Ding jetzt im Griff.

Am Ende traf dann noch Reus nach feinem Zuspiel von Sancho zum insgesamt sicher in bisschen zu hoch ausgefallenen 4:1-Sieg. Aber das war den Fans natürlich völlig egal. Und das ist nach dem Banner von vor dem Spiel auf der Südtribüne ja auch nicht verwunderlich: „Alles auf neu! Jeder hier kricht seine Schangs! Doch gegenüber RB Leipzig null Toleranz.“


Opens window for sending emailAndreas Römer (Text), Oliver Römer (Fotos), 26.8. 2018


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