BVB erfindet sich neu und demontiert Pillendreher

aus dem Westfalenstadion

berichten Oliver Römer und David Inderlied

Ein furios aufspielender BVB zerlegt Bayer Leverkusen nach Belieben und sichert sich damit zunächst den dritten Tabellenplatz. In einem unerwartet dominanten Spiel von Dortmunder Seite, waren Jadon Sancho und Marco Reus die überragenden Antreiber und brachten die Werkself am laufenden Band in Verlegenheit. Ein am Ende auch in dieser Höhe hochverdienter Sieg – der BVB entledigt sich so mit einem Befreiungsschlag der Derbyschmach. Endlich mal Tempofußball und Offensivpower, so wie man es noch aus Klopps Zeiten kennt. Selbst ein Stöger an der Seitenlinie brachte mit seiner Körpersprache Leben aufs Feld.



Die Ausgangslage

Vierter gegen Dritter hieß es an diesem frühen Abend im Westfalenstadion. Nur die Tordifferenz trennten die beiden Konkurrenten um die Fleischtöpfe der internationalen Plätze. Nur die Tordifferenz – nein, auch die momentane Stimmungslage beider Vereine konnte  unterschiedlicher nicht sein. Auch wenn man, laut Heiko Herrlich, gegen Bayern “auf die Fresse” bekommen hat, ist die Stimmung eine ganz andere als bei unserer Borussia. Auch wenn alle offiziellen Vereinsvertreter Ruhe beschwören brodelt es doch in der Fanszene, gerade nach der 0:2 Schmach von GE.



Personell muss Stöger ja bekanntlich bis zum Saisonende auf seinen Paradestürmer Batshuayi verzichten, brachte dafür Philipp im Zentrum und dazu Götze und Reus als Doppelzehn und auf den Außen links Sancho sowie rechts Pulisic. In der Mitte dahinter Weigl und in der Viererkette Pisczek, Sokratis, Toprak und Akanji statt des aus sportlichen Gründen aus dem Kader verbannten Schmelzer.



Der Spielverlauf

Zu Beginn merkt man den zumeist jungen Spielern an, dass sie etwas gut machen wollen, mehrere Angriffe laufen auf das Tor von Leverkusens Özcan, der für den verletzten Leno zwischen den Pfosten steht, besonders  Sancho zeichnet  sich dabei aus, der die erste Chance allein vorm Tor noch vergibt, die zweite dann aber nach Pulisics feiner Vorarbeit zum 1:0 (13.) einnetzt. Immer wieder tauchen die Schwarzgelben gefährlich vor dem Strafraum der Pillendreher auf und beschäftigen die gegnerische Viererkette. Auch Akanji auf der linken Seite schaltet sich immer wieder erfolgreich in die Angriffe ein und schlägt so manche Flanke. Leverkusener Angriffe verlaufen bis dahin überwiegend harmlos. Meistens werden die Vorstöße schon früh abgefangen.



Nach einer halben Stunde dann, ja wie soll man sagen, es hätte 3:0 stehen können. Der erste schöne Treffer wie ein Strahl von Reus wurde wegen vorheriger Abseitsstellung von Philipp nachträglich per Videobeweis aberkannt. Die zweite Möglichkeit vergab Reus selbst per verschossenem Elfmeter nach Foul von Retsos an Pulisic. Gefühlt wäre aber eine 3:0 Führung berechtigt gewesen. Schnelle Kombinationen und endlich wieder zielstrebiger Fußball bis vors Tor.



Stimmungsmäßig eine gelungene erste Hälfte, die immer wieder durch Szenenapplaus begleitet wurde.

Nach dem Wechsel macht Dortmund da weiter wo es aufgehört hatte. Offensive und Druck aufs Bayer-Tor. Sancho dribbelt sich durch und Götze knallt knapp übers Tor. Reus mit einem Lattentreffer. Dann das 2:0 (55.) durch Reus nach wunderbarem Doppelpass mit Götze. Man merkt in den kleinen Zweikämpfen, dass kein Ball verloren gegeben wird. Die Mannen vom Rhein kommen kaum zum Durchatmen, wenn auch zu erkennen ist, dass wenn hier ein nicht so engagierter Gegner in schwarzgelb auf dem Platz stehen würde, die Fahrt durchaus in die andere Richtung gehen könnte. 



Aber heute nicht. Nein, im Gegenteil, langer Ball von Akanji auf Sancho, der mit dem Absatz in der Luft den Ball annimmt und sofort auf Philipp weiterleitet, der dann in die linke Ecke versenkt 3:0 (63.). Und Reus legt noch einen nach. Sancho mit einem gefühlvollen Ball auf Reus, der nur noch zum 4:0 (79.) einnicken muss. Danach verpasst Dahoud noch das 5:0. Das Stadion erhebt sich als Reus für Gomez ausgewechselt wird. Danach ist Schluss, das war der BVB, den wir so lange vermisst hatten.

Wer heute gut schlafen kann

Stöger hat heute vieles richtig gemacht mit seiner Aufstellung, aber auch mit der Verarbeitung der Derbyniederlage. Die Ansage auf mehreren Transparenten der Ultras waren laut Stöger nicht notwendig, um die Mannschaft wachzurütteln, aber durchaus verständlich.



Jadon Sancho der heute wohl seinen Durchbruch beim BVB erlebt hat und mit zu den Gewinnern dieses Spiels gezählt wird. Aber auch Manuel Akanji kann auf seine Leistung stolz sein.

Wer Albträume hat

Marcel Schmelzer, der einen Manuel Akanji auf der linken Abwehrseite sah, der nicht nur alles abräumte, sondern auch in der Vorwärtsbewegung nicht viele Wünsche offen ließ. Stöger benötigte Körperlichkeit und Schnelligkeit und bekam sie. Laut Stöger braucht Kapitän Schmelzer aber keine Angst um seine Position haben. Ein bisschen muss sich vielleicht die Dortmunder Ultraszene fragen, ob die Ansagen vor dem Spiel ein wenig über das Ziel hinaus schossen. Während des Spiels spürte man schon wieder eine Einheit mit den anderen Fans.

Was uns sonst noch aufgefallen ist

Gellendes Pfeifkonzert der Ultras auf der Süd beim Einlaufen der Mannschaft. Riesen Banner mit der Aufschrift: “Den Stellenwert des Derbys nicht verstanden - Versager” und “Kein Wille, Keine Leidenschaft, Kein Mut - Keine Mannschaft ! Niemand verkörpert Borussia Dortmund so wenig wie ihr !” In der Nachbetrachtung stellt sich nur die Frage:” Warum konnte man diese Leistung nicht im Derby abrufen?”



Sven Bender, der nach dem Spiel der Einzige war, der von der Süd gefordert und mit der Süd gefeiert hat.



Text: Oliver Römer  Bilder: David Inderlied - 21.04.2018




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