Von allem zu wenig

Aus der Turnhalle in Herne-West berichten
Andreas Römer und David Inderlied



Der BVB verliert völlig verdient das Revierderby mit 0:2. In einem schwachen Bundesligaspiel wollten die Blauen es offensichtlich mehr als die Schwarzgelben, die irgendwie von allem zu wenig ablieferten.

Keine Überraschung bei der Dortmunder Aufstellung. Vielleicht die Nominierung von Sahin statt Weigl oder Castro – aber sonst setzt Trainer Stöger auf Bewährtes. Auch Schürrle muss draußen bleiben, Philipp ist dran. Innenverteidiger wieder Sokratis und Toprak. Also die gleiche Startelf wie vor einer Woche gegen Stuttgart.

Tolles Wetter, die Hütte voll und jede Menge Stimmung. Eigentlich braucht es nicht mehr, für ein packendes Derby. Dafür braucht‘s nicht die dummen Gesänge auf beiden Seiten. Scheiß-BVB oder Scheiß S04 ist weder kreativ noch besonders sinnhaft. Feuert euer Team an und lasst euch mal was Witziges einfallen, wenn ihr dem Gegner etwas entgegen schleudern wollt.



Das war Mau


Beide Mannschaften ließen sich von der Stimmung nicht anstecken, leider aber auch nicht inspirieren. Die erste Halbzeit war ein eher müder Kick. Keiner möchte zu viel riskieren, Sicherheit ist oberstes Gebot. Und so entwickelte sich ein Spiel, das nicht viel von einem Derby hatte. Es fehlte der unbedingte Wille, das Ding zu gewinnen. Das Niveau spiegelte eher die mauen Leistungen beider Teams aus den letzten Wochen.

Angriffsideen waren Mangelware. Immerhin besetzten die Gastgeber die Außen und schafften es so hin und wieder in Strafraumnähe, mit viel gutem Willen ließ sich jetzt behaupten, dass es sogar mal gefährlich würd. Zumindest die größte Chance des ersten Durchgangs hatten so die Blauen: Schöpf zog von links nach innen und konnte ungestört aus 20 Metern abziehen. Der Ball hätte sicher unten links vom Schützen aus gepasst, doch Bürki tauchte ab und entschärfte den Ball (5.) Ähnlich ging die erste Halbzeit zusende. Kolopyanka kam ebenfalls von links und sein Schuss strich rechts am Tor vorbei.



Und die Borussia? Verheißungsvoll ging’s los. Über rechts wurde Kehrer zweimal unter Druck gesetzt, dass seine Rückpässe zu Fährmann zu kurz gerieten. Doch außer zwei ungefährlichen Ecken sprang nichts dabei heraus. Im Spiel nach vorn fehlte die ordnende Hand, irgendwie war kein Plan zu erkennen. Micky Batshuayi zeigte seine Defizite im Zusammenspiel. Wenn er mehr als nur den Ball abtropfen lassen muss, wird es schon ganz dünn. Ihn ins Spiel an der Mittellinie einzubeziehen war eher fruchtlos. Der Belgier braucht Anspiele direkt vor dem Tor.

Huch – Schon Halbzeit?


Einsatz und Laufbereitschaft stimmten. Alle machten in der Arbeit nach hinten einen guten Job und plätscherte dann das Spiel irgendwie so der Halbzeitpause entgegen…

Fußballweisheit und Phrasenschwein sein Dank – dem Spiel täte ein Tor gut, dachte man beim Pausentee. Das fiel dann auch relativ zügig – aber wie??! Zunächst hatte Stöger Schürrle für den schwachen Philipp eingewechselt. Doch daran hat’s dann nicht gelegen. Der BVB hatte mal wieder keine Idee zum Spielaufbau. Die Blauen rochen das und gingen früh drauf. Toprak spielte einen schlampigen Pass auf Schmelzer und der schlief den Schlaf der Gerechten. Caligiuri spitzelt im das Leder weg und spielt einen völlig freistehenden Kolobyanka an. Der Ukrainer fackelt nicht lang und knallt das Leder aus elf Metern unhaltbar für Bürki ins Tor. Sahin beobachtet das nur aus sicherer Entfernung, trabte nur hinterher.

Ja – ein Tor hatte man sich schon gewünscht, aber so einen Fehler der eigenen Truppe? Wie schlecht ist das denn? Und jetzt? Wie reagiert die Mannschaft?



Nicht so, wie von den eigenen Fans gewünscht. Der Spielaufbau blieb weiter Stückwerk. Die Stimmung in der Turnhalle wird immer einseitiger. Die BVB-Fans waren fast gar nicht zur hören und die Blauen feierten jeden weggeschlagenen Ball.  Borussia findet einfach nicht den Schlüssel, um die sicher stehende Abwehr der Gastgeber in Verlegenheit zu bringen. Insgesamt sind die Aktionen einfach zu langsam, die Pässe zumeist schon lange zuvor zu erwarten und insofern auch nicht wirklich schwierig zu verteidigen.

Wo war der Wille?


Auch wenn Trainer Stöger das später verneinte, in einigen Szenen sah es nicht nach unbedingtem Willen, nach dem Glauben an die Sache aus. Reus kämpfte und rackerte, war an fast jeder Offensivaktion beteiligt. Aber vieles war eben nicht zwingend. Pulisic bliebt ohne zählbaren Abschluss. Schürrle war auch nicht besser als sein Vorgänger. Batshuayi wartete auf die Bälle im Strafraum – die kamen nicht und außerhalb des Strafraums blieb er ohne gewonnenen Zweikampf.

Dahoud rackerte, strahlte aber Gefahr wie ein Kreisligakicker aus. Sahin war nach vorn gar kein Faktor. Die Außenverteidiger hatten genug Arbeit nach hinten und brachten kaum etwas nach vorn. Und schon wieder plätscherte das Spiel so dahin – bis der BVB-Schreck Naldo wieder in Aktion war. Schon wieder ließ sich Sahin mit einer einzigen Körpertäuschung abkochen, trabte hinterher. Als Harit dann den Querpass spielt ist Schmelzer zu spät trifft seinen Gegenspieler und es gibt 25 Meter vor Bürkis Kasten Freistoß. Den legen die Schalker quer und Naldo haut das Ding an der Mauer vorbai zum Endstand in die Maschen.



Damit war es vorbei. Auch wenn die Borussia es weiter versuchte, an der Blauen Abwehr bissen sie sich heute die Zähne aus. Die Mannschaft war einfach nicht in der Lage, ihr Potenzial abzurufen. Schnelles direktes Spiel, mal eine gute Flanke von der Grundlinie, mal ein brauchbarer Schuss aus der zweiten Reihe – alles nicht zu sehen. Haarsträubende Fehler und oft einen Schritt zu spät. So kann man ein Derby nicht gewinnen.

Das Spiel gegen Leverkusen ist es jetzt schon fast ein Endspiel um die Champions League. Die Werkself ist aufgrund der besseren Tordifferenz sogar am BVB vorbei gezogen. Also muss ein Sieg her, aber jetzt brauchen wir sicher noch ein bisschen, um diese Derbyschlappe zu verdauen.


Andreas Römer (Text), David Inderlied (Fotos), 15.4. 2018


>>>Noten zum Derby


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