Zittersieg gegen H96 - Batsuhuayi trifft

Aus dem Westfalenstadion
berichten Oliver Römer und David Inderlied


Der BVB erreicht mit dem 1:0 das Minimalziel und bleibt weiter im Rennen um die CL-Plätze. Man merkte der Mannschaft an, dass es, nach dem Ausscheiden aus der Europaleague enorme Kritik gehagelt hatte. Gerade Mario Götze war wohl bewusst, dass er etwas gut zu machen hatte. Trotzdem kam man, über die gesamte Spielzeit gesehen, nicht über Mittelmaß hinaus und kann am Ende froh sein, durch den Treffer von Batsuhuayi weiter im Rennen um die internationalen Plätze zu sein. Nun war es aber nur Hannover und die Namen der kommenden Gegner lassen nichts Gutes erahnen.

Die Ausgangslage

Nach dem ersten Montagsspiel bekam man jetzt mit der familienunfreundlichen Anstoßzeit von 13.30 Uhr an einem Sonntag im Westfalenstadion erneut die komerzgesteuerten Auswüchse des modernen Fußballs zu spüren. Auch wenn einige sagen, das sei ja nichts Neues, das mache die zweite Liga schon seit Jahren, darf man nicht vergessen, dass die Proteste dagegen schon genauso alt sind und durch den Einsatz in der ersten deutschen Liga noch eine neue Qualität bekommen.




Nicht nur eiseskalten Temperaturen durch den späten Wintereinbruch, sondern auch eine eiskalte Stimmung nach dem blamablen, fast kampflosen Ausscheiden aus dem internationalen Fußball gegen die Dosenvertretung aus Salzburg, erfüllte das Westfalenstadion vor dem Spiel. Die Laune der Fans und auch der Verantwortlichen war so schlecht wie lange nicht mehr. Letztendlich konnte man nur durch einen erneuten Heimsieg die Lage etwas beruhigen und die Diskussionen um die Kaderplanung und den Trainer etwas leiser werden lassen.

“Wir brauchen am Sonntag Jungs, die Gas geben können”, war Trainer Peter Stöger noch in der PK vor dem Spiel zu hören und rotierte zwangsläufig für den angeschlagenen Reus Pulisic ins Team, hinten ersetzten Toprak und Akanji Zagadou und Sokratis. Hannover 96 kam mit drei Niederlagen in Folge im Gepäck (Gladbach, Frankfurt und Augsburg). 96-Trainer Breitenreiter brachte Ostrzolek, Korb, Bakalorz, Schwegler und Jonathas neu in die Mannschaft.

Der Spielverlauf

Quasi mit dem Anstoß nach 44 Sekunden setzte Batsuhuayi den Ball nach schönem Zuspiel von Schürrle an den Pfosten, danach verpassten mehrere Spieler den Führungstreffer. Diese Szene war symptomatisch für die Anfangsphase, immer wieder gelang es den Borussen, sich in den Strafraum vorzuarbeiten, meistens über rechts über den vom Trainer gescholtenen Götze, der auch aus Bedrängnis immer wieder scharfe Flanken hereinbrachte.




Allerdings war auch wieder zu sehen, dass sich das Mittelfeld in der Rückwärtsbewegung zu einfach von den 96ern überspielen ließ. Dann war es mal wieder Michy Batsuhuayi, der nach einer Ecke von Schürrle am kurzen Pfosten lauerte und sehenswert in der Luft mit der Hacke den Ball ins Tor abstreifen lässt. 1:0 für den BVB (24.)!

Die Frage war jetzt, konnte die Borussia nachlegen und den ersehnten zweiten Treffer erzielen. An der Anzahl Chancen und Möglichkeiten lag es diesmal nicht. Der BVB blieb gefährlich und konnte ein ums andere Mal die Gäste aus Hannover in Verlegenheit bringen. Auch die Abwehr schien etwas aufgeräumter als sonst und konnte die wenigen Vorstöße der Mannen vom Mittellandkanal durch Fleiß und geschickte Zusammenarbeit vereiteln. Wenn da nicht immer wieder diese vereinzelten Aussetzer wären, wie der von Pisczek in halbrechter Position, der einen eigentlich schon geklärten Ball völlig unbedrängt dem Gegner wieder in die Füße spielte. Wenn man die erste Hälfte betrachtet, fragt man sich schon ein ums andere Mal, warum diese mit Qualität gespickte Mannschaft nicht eine Elf wie Hannover in Grund und Boden spielt.

In der zweiten Hälfte brachte Stöger für den verletzten Toprak Sokratis. In kurzer Folge zwang Dahoud mit zwei Fernschüssen Tschauner im Tor von 96 zu Glanzparaden. Das war es dann aber auch schon zu Beginn der zweiten Hälfte. Dortmund lud den Gegner wieder dazu ein, doch bitte das Spiel zu übernehmen.




Zweikämpfe im Mittelfeld gewinnen? Hannover übernahm, wo es konnte. Gonzalo Castro ging für Julian Weigl vom Platz.(64.) Das, was jetzt nach vorne ging, wurde von Hannover durch Kampf und teilweise durch den Schiedsrichter unterbunden. Philipp kam für Pulisic (69.) und fügte sich sehr gut ein. Dortmund gelang es trotzdem nicht mehr, aus den immer weniger werdenden Vorstößen in den Strafraum Kapital zu schlagen.

Und wieder musste man zittern, dass, wie so oft, der Gegner aus den zahlreicher werdenden Möglichkeiten, der Ausgleich gelang. Das Verwalten des Spielstands nahm wieder Überhand und lud den Gegner wieder und wieder ein, es doch mal aufs Tor von Bürki zu probieren. Zum Schluss dann nochmal zwei Großchancen von Philipp (88.) an den Pfosten und Batsuhuayi (90.).

Trotz dieser beiden Hochkaräter kann der BVB froh sein, dieses 1:0 über die Runden gebracht zu haben. Auch wenn Michael Zorc nach dem Spiel ein positives Fazit zog und einen verdienten Sieger im BVB sah und auf die Belastung aus dem Spiel am Donnerstag verwies.


Wer heute gut schlafen kann

Michy Batsuhuayi, der abermals traf und sich für die nächste Saison in die beste Position für Vertragsverhandlungen, wo auch immer,  bringt.

Roman Bürki der zum 10. Mal eine weiße Weste behielt.

Peter Stöger geht mit einem guten Gefühl in die Länderspielpause, da er laut eigener Aussage eine Reaktion der Mannschaft gesehen hat und jetzt auch Zeit und das nötige Personal für ein paar Trainingstage hat, um an einigen Stellschrauben zu drehen.

Wer Albträume hat

Vielleicht muss Stöger aber vor dem Spiel in München schon mal überlegen, ob man vielleicht die Hälfte des Tores zumauert, um nicht komplett unterzugehen. Die Bauern werden alles daran setzen, um gegen den Konkurrenten der letzten Dekade die 28. deutsche Meisterschaft klarzumachen.

Was uns sonst noch aufgefallen ist

Ein immer stärker werdender Dahoud, der im Mittelfeld hochpräsent ist und immer öfter die Fäden zieht. Nicht wiederzuerkennen gegen den Dahoud noch von vor vier Wochen. Auch durch seine beiden Schüsse aufs Tor zeigt er mehr Selbstbewusstsein, auch mal das Heft in die Hand zu nehmen.




Ein Spielerkreis vor dem Anstoß, den es so in der letzten Zeit noch nicht gab und der vielleicht einen neuen Teamgeist darstellen soll.


Text: Oliver Römer  Bilder: David Inderlied - 18.03.2018









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