Joker Batshuayi hämmert den BVB zum Sieg

Aus dem Westfalenstadion in Dortmund
berichten Oliver Römer und David Inderlied


In einer aufregenden Partie der beiden Tabellennachbarn gewinnt der BVB am Ende glücklich aber nicht unverdient ein Spiel durch die Mentalität. Selten in dieser Saison konnte der BVB solch eine Willensleistung abrufen. Die Mannen um Marco Reus ließen sich auch nicht durch die jeweiligen Ausgleichstreffer aus der Ruhe bringen und konterten zweimal stark, quasi im Gegenzug und bescherten den in dieser Saison schwer leidgeprüften Borussen einen emotionalen Sieg fürs Gemüt.

Die Ausgangslage

Der BVB steht immer mehr unter Druck und hat jetzt das Problem, dass immer mehr Mannschaften in gefährliche Tabellennachbarschaft kommen. Mit Unentschieden konnte man sich bis jetzt über Wasser halten und hatte bis jetzt den Vorteil, dass andere Teams im oberen Tabellendrittel auch gepatzt hatten.




Wie hat die Mannschaft den Rückschlag gegen den Dosenverein aus Salzburg verkraftet und welche Lehren daraus gezogen? Gibt die Vertragsverlängerung von Marco Reus neuen Mut und Schwung für die kommende entscheidende Phase im Kampf um die internationalen Plätze? Fragen über Fragen, die sich dem Schwarzgelben vor dem Anstoß stellten und das bei einem Gegner aus Frankfurt, der momentan einen kleinen Höhenflug hinlegt, der Verunsicherung witterte und nur darauf wartete, zuzuschlagen.

Personell konnte Trainer Peter Stöger wieder auf Piszczek und Philipp zurückgreifen, wohingegen Kagawa noch weitere Wochen pausieren muss. Michy Batshuayi blieb überraschend (!?) auf der Bank.

Der Spielverlauf

Dortmund beginnt mit Schürrle im Sturmzentrum, dahinter Reus in der Mitte, rechts Pulisic und links Philipp. Sofort kriegen die Dortmunder Spieler die Härte der Frankfurter zu spüren. Als erster liegt Reus am Boden. Kurz darauf ist es aber Reus, der den ersten Torschuss von der linken Strafraumecke (7.) ablässt. Auch Schürrle bekommt seine Chance: Er köpft aber eine Flanke von Pulisic knapp am Tor vorbei.




Eine ähnliche Szene führt dann zum Führungstreffer. Pulisic flankt scharf vors Tor und Marco Russ drückt vor Marco Reus den Ball über die Linie, 1:0 (Eigentor 12.). Pulisic scheint wieder der alte zu sein und überläuft öfter mutig die Fünferkette der SGE. Immer wieder kombiniert sich der BVB schnell und direkt durch die SGE-Abwehr. Reus treibt seine Kollegen immer wieder an schneller zu spielen, ist aber andererseits bemüht der Abwehr, besonders Bürki, die nötige Ruhe zu vermitteln.

Angriffe der Eintracht werden sicher abgefangen, es folgen mehrere gute Aktionen immer wieder über die rechte Außenbahn. Die vier Offensiven spielen sehr flexibel und rochieren in ihren Positionen, was die Abwehrarbeit der SGE immens erschwert. Auch in der Rückwärtsbewegung zeigt sich der BVB verbessert und hat wieder die nötige Härte und Bissigkeit in den Zweikämpfen. Gerade Reus ist ein Vorbild mit seinem Einsatzwillen, auch wenn noch nicht alles gelingt. Insgesamt zeigen sich alle Dortmunder Spieler formverbessert und lassen Willen erkennen. Nur ein zweiter Treffer wollte bis jetzt noch nicht gelingen, trotz der 8:1 Torschüsse zur Pause.

Nach dem Seitenwechsel ersetzt Weigl den stark gelb-rot gefährdeten Dahoud, der sich enorm verbessert zeigte und mit einer der besten Spieler war, was nicht nur an seinem Einsatz lag. Die Eintracht begann sofort mit mehr Druck und kommt gleich zu mehreren Möglichkeiten. Bürki rettet mit einem unglaublichen Reflex vor einem Hackentrick von Boateng aufs Tor aus kurzer Distanz. Ein ums andere Mal kommt die SGE jetzt gefährlich vors Tor von Roman Bürki. Dadurch gibt es aber auch mehr Platz zum Kontern und es entsteht ein sehr munteres Spiel.




In dieser Phase ist Nico Kovac an der Seitenlinie der Antreiber der SGE. Für den frenetisch verabschiedeten Philipp kommt Batshuayi (62.) aufs Feld. Jovic kommt für Haller der heute blass geblieben ist (67.). Dortmund bemüht sich weiterhin das Tempo hoch zu halten und sich vom Druck der Eintracht zu befreien. Bis zur 74. Minute gelingt dies, ehe nach einem Freistoß das 1:1 durch Jovic fällt. De Guzmann schneidet den Freistoß so in die Strafraummitte, dass Jovic - für den sich kein BVB Verteidiger verantwortlich zeigt - nur noch einzunicken braucht.

Im direkten Gegenzug fällt dann das 2:1 durch Batshuayi. Der überragende Pulisic bedient einmal mehr Batshuayi, der frei im Strafraum seine kurzzeitige Torflaute beendet und links unten einnetzt (77.). Verücktes hin und her auf dem Rasen, wobei leichte Vorteile auf Seiten des BVB zu sehen sind. In der 87. Minute verlässt Marco Reus dann den Rasen und Sokratis soll dafür die Abwehr stabilisieren.

Dann das Unglaubliche: Nach der angekündigten Nachspielzeit von vier Minuten tanken sich die Frankfurter nochmal auf der rechten Seite durch und ein scharf hereingespielter Ball von da Costa findet den Eintracht-Joker Blum, der sich bedankt und zum Ausgleich einschiebt.




Wer jetzt dachte, dass die Borussen aufsteckten hatte nicht mit dem Dortmunder Joker gerechnet. Piszczek hebt den Ball nochmal in den Strafraum der SGE wo Batshuayi mit dem Rücken zum Tor steht und in Lewandowski-Manier den Ball annimmt, sich dreht und den Ball ins Gehäuse hämmert. Nun stand endgültig das ganze Stadion Kopf und endlich konnte man wieder gemeinsam mit der Süd einen Sieg feiern. Für die Frankfurter natürlich eine bittere Niederlage, die aber trotzdem mit ihrer Leistung nicht unzufrieden sein müssen.

Wer heute gut schlafen kann

Marco Reus wird nach seiner Unterschrift und dem Sieg in letzter Minute schon eine geruhsamere Nacht verbringen. Auch Peter Stöger kann sich auf die Schulter klopfen, da er es geschafft hat, den Frust aus der Europa League Partie in diese Willensleistung umzuwandeln.

Wer Albträume hat 

Vielleicht Sven Misslintat, der vom Chaos Club aus London in seine alte Heimat gekommen war und diese mentale Leistung seines Ex-Clubs gesehen hatte, als er in seinen Flieger zurück stieg. Pudelwohl scheint er sich bei seinen alten Bekannten auf jeden Fall gefühlt zu haben.




Oder der mit Sicherheit anwesende Scout des Brauseclubs aus Salzburg, der zwei Treffer unseres Jokers sah und sich wohl ausmalt, was passiert, wenn sich Batshuayi am Donnerstag in Salzburg wieder unwiderstehlich um seinen Gegenspieler dreht und den Ball mit Krabumm ins Netz hämmert. Ein paar volle Hosen bei den Schluchtensch... können bestimmt nicht schaden. 

Was uns sonst noch aufgefallen ist

Wie zu erwarten wurde Marco Reus sofort nach Betreten des Platzes als Dortmunder Junge von der Südtribühne gefeiert und bestätigt seine Ausnahmeposition in der Mannschaft durch seine Führungsqualitäten. Eine positiv veränderte Stimmungslage auf den Tribünen.



Text: Oliver Römer, Bilder: David Inderlied - 11.03.2018






Nächstes Spiel: Borussia Dortmund vs. SV Werder Bremen
Aktuelle Infos // Pressekonferenz // Statistik
Copyright 2011 - Gib mich die Kirsche - Das Fußballmagazin aus Dortmund