Flasche leer - BVB findet nicht den Dosenöffner

Vom Spiel aus dem Dortmunder Westfalenstadion
berichten Ingo Berchter und David Inderlied



Eine Dortmunder Mannschaft, deren Siegeswillen lediglich in der ersten Viertelstunde sichtbar war und deren Kampfgeist erst nach dem 0:2 erwachte, sah Kirsche-Redaktionsmitglied Ingo Berchter  im EL-Hinspiel im Westfalenstadion.

Die Ausgangslage

Salzburg, die zehnmal in Folge in der Quali zur Champions-League gescheitert sind, absolvierten in der EL 14 Spiele in Folge ohne Niederlage. In der vorhergehenden Runde schaltete der Tabellenführer der österreichischen ersten Liga Real Sociedad San Sebastian aus. Dortmund, das sich minimalistisch für die EL qualifiziert hatte, überwand im Sechzehntelfinale mühevoll Bergamo. Am Samstag reichte es für die Borussia beim FC Mateschitz I zu einem Unentschieden, ehe es heute gegen Mateschitz II auf europäischer Ebene weitergehen sollte.




Der Spielverlauf

Borussia startet engagiert. Der Wille zur Dominanz ist erkennbar. Nach sechs Minuten bewegt sich Schürrle im Strafraum rückwärts, um einen Ball von Reus volley anzunehmen und jagt ihn gut einen halben Meter über die Latte. Salzburg steht tief und macht die Räume eng, Dortmund ist feldüberlegen und gibt den Ton an, es fehlt allerdings an Ideen und Spielwitz um den Salzburger Riegel zu knacken.

Die letzten fünf Minuten der ersten Halbzeit gehören jedoch den Österreichern.  Die Abwehr des BVB markiert nicht präzise genug und erlaubt Schlager steil auf den Koreaner Hwang zu spielen, der alleine vor Bürki diesen mit einem Chip nicht überwinden kann. Den abgewehrten Ball köpft Dabbur über Bürki aufs  leere Tor, wo ihn der herbeigeeilte Schmelzer eben noch wegdreschen kann. Kurz vor dem Halbzeitpfiff zieht dann noch mal Hwang von der Strafraumgrenze ab, Toprak fälscht ab und lenkt den Ball an den Pfosten – ansonsten wäre Bürki machtlos gewesen.




Die zweite Halbzeit sieht Dortmund unverändert was das Team, aber auch was die Ideen- und Glücklosigkeit angeht. In der 48. Minute zerrt Toprak Hwang vor den Augen des Torrichters an der Grundlinie am Trikot, während der weiter zum und in den Strafraum zieht. Der Schiedsrichter pfeift und gibt Gelb und Elfmeter. Sollte es nicht eine Regel geben, nachdem Trikotzerren erst nach drei Sekunden oder fünf Metern zum Foul wird, so muss der Schiedsrichter das Foul am Anfang pfeifen – also außerhalb des Strafraums. Gleichwohl gehört Topraks Aktion in die Kategorie ‚Man kann sich dümmer anstellen – aber das wird schwer‘. Berisha jedenfalls ist es egal, er verwandelt den Elfer trocken rechts unten. 

Statt, dass der BVB nun wachgerüttelt ist, schenkt Salzburg fünf Minuten später weiter ein: Lainer geht bis  zur Grundlinie durch und spielt in den Rücken der Abwehr, wo er sich die Anspielstationen aussuchen kann, findet Berisha, der keine Mühe hat den Ball unter die Latte zu knallen: 0:2 Schmelzer beschwert sich wohl zu recht, weil er klar erkennbar vom Vorlagengeber mit dem Ellenbogen gefoult worden war. Das hat der Schiedsrichter allem Anschein nach zwar gesehen, aber wohl als zulässige alpine Härte gewertet.




Stöger bringt jetzt Pulisic und Philipp für Batshuayi und Götze – und das bringt zunächst Erfolg: Reus schickt den jungen Ami, der den Ball scharf vors Tor schlägt – der heranrauschende Schürrle kann gar nicht anders, als den Ball im Sprunglauf zum Anschlusstreffer mit ins Tor zu nehmen. Jetzt hatte Dortmund wieder ins Spiel gefunden und drängte Salzburg zurück, erspielte sich Chancen, wenn auch keine zwingenden - ließ aber dafür immer noch zu viele Konter der Gäste zu. Salzburg gewann am Ende verdient.

Wer heute gut schlafen kann

Salzburgs Trainer Rose. Der Leipziger (!) hat seine Mannschaft präzise eingestellt und auf den Punkt vorbereitet auf den Platz gebracht, um langweilige Pokalgesetze zu bestätigen. 

Wer Albträume hat

Albträume? Ich wüsste nicht, wer im Dortmunder Umfeld nach dieser Leistung überhaupt schlafen kann ...

Was sonst noch wichtig war

Marc Bartra wurde vor dem Spiel verabschiedet – man kann auch in nur anderthalb Jahren zum Borussen werden.



Nur 53.700 Zuschauer im Stadion – schlechtes Wetter und unattraktive Gegner vermögen ähnliche Wirkungen zu erzielen wie Boykotte. Für das Rückspiel ist wieder ein Protest durch das Bündnis Südtribüne vorgesehen, deren Fanclubs nicht nach Salzburg reisen werden. Allerdings ist zu erwarten, dass das Salzburger Stadion über den Gästebereich hinaus schwarzgelb sein wird, weil die vielen süddeutschen und österreichischen Fans des BVB sich die Gelegenheit, ihren Club live zu sehen, nicht entgehen lassen werden.

Fazit

Marcel Reif erinnerte vorgestern bei Markus Lanz (allerdings angesichts der Leistung von Clubs wie Real, Bayern etc.) daran, dass Geld eben doch Tore schießt. Der Dortmunder Kader hat (vor dem Spiel) einen Marktwert von mehr als dem Siebenfachen der Salzburger – oder anders betrachtet: In der Bundesliga wäre Salzburg marktwerttechnisch betrachtet mit deutlichem Abstand 19.  Es kommt also wohl nicht nur aufs Geld an, sondern darauf, wie es investiert ist. An der Börse stünden die Zeichen für den BVB da auf Verkauf!




Um noch weiterzukommen muss die Borussia in Salzburg völlig verändert auf den Platz kommen:  Mit absolutem Willen zur Dominanz, von der ersten Minute an demonstrierend: Ihr gewinnt  hier nicht einen Meter Raum – und aus dieser Dominanz heraus sich die Torchancen erarbeiten – und  bis zum Abpfiff wach und einsatzbereit sein. Die technischen und spielerischen Fähigkeiten, um in Salzburg mit einem 0:5 die Verhältnisse geradezurücken hat das schwarzgelbe Personal – aber es bedarf Motivation und Identifikation, um das auch auf den Platz zu bringen und eine Runde weiter zu kommen. Sonst bringt man aus Salzburg nur Mozartkugeln mit ...



Text: Ingo Berchter, Bilder: David Inderlied - 08.03.2018














Nächstes Spiel: Borussia Dortmund vs. SV Werder Bremen
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