Gutes Mittelmaß reicht für Punkt in Leipzig

Aus dem Leipziger Zentralstadion
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erichtet Ingo Berchter


Während der neutrale Zuschauer eine spannende Bundesligapartie zu sehen bekam, litt der BVB-Fan daran, dass seine Mannschaft hinten zu langsam und vorne zu schnell (im Abseits) war. So erging es auch unserem Redakteur Ingo Berchter.

Die Ausgangslage

Der Tabellenzweite der Vorsaison empfängt den Tabellendritten. Leipzig kann mit einem Sieg zu Dortmund aufschließen, der BVB mit drei Punkten den Platz hinter Bayern von den Schalkern zurückerobern und Leipzig mit sechs Punkten distanzieren. Bei den Borussen rotierten Sokratis und Castro auf die Bank, um von Akanji und Dahoud ersetzt zu werden. Zudem rotiert ein großer Teil der aktiven Fanszene auf die Couch: Die Fanclubs um das Bündnis Südtribüne protestieren gegen die Verletzung von 50+1 und die Monopoly-sierung des Fußballs durch das Mateschitz-Konstrukt und bleiben fern.




Allerdings ist solcher Protest durch die Situation, dass der BVB quer durch die Republik organisierte Fans in Mengen hat, in den Stadien nicht sichtbar: Es finden sich genug, die die Tickets kaufen. Allerdings ist die Stimmung nicht vergleichbar mit "regulären" Auswärtsspielen, weil die Atmosphäre nicht allein vom Faktor Fananzahl abhängig ist.


Der Spielverlauf

Es dauerte kaum zwei Minuten, bis feststand, dass diejenigen wohl recht behalten sollten, die ein Offensivfestival vorhergesehen hatten: Reus schickte Bathshuayi steil, der aber nicht mehr als eine Ecke herausholen kann. Sieben Minuten später trifft Werner (wieder) nicht gegen die Schwarzgelben. Anschließend treffen die Borussen nach blitzschnellen Kombinationen zweimal ins Netz – leider jedes Mal zu Recht wegen Abseits abgepfiffen. Zwischen den Abseitstreffern verliert der engagierte Schürrle das Leder nach einem Einwurf ungeschickt an Keita. Dieser bedient Augustin, der nicht unerwartet Toprak stehen und Bürki keine Chance lässt.



Es braucht 10 Minuten, in denen RB Oberwasser hat, bis der BVB wieder richtig Zugriff auf das Spiel hat. Dann wir wieder kombiniert wie in der ersten halben Stunde, Dahoud schickt Reus steil, der umkurvt Torwart Gulacsi und schiebt sicher zum Ausgleich ein. Brych will heute anscheinend nur taktische Fouls mit Gelb ahnden. Nach Weigl trifft es in der 45. auch Dahoud.

In der Halbzeitpause haben beide Trainer ihren Teams wohl Sinn und Zweck von Defensivarbeit noch einmal nähergebracht. Die Offensivbemühungen werden wesentlich früher gestoppt. Torszenen sind zunächst Mangelware. Nach einer Viertelstunde geraten die Trainerdirektiven gegenüber der Spiellaune wohl in den  Hintergrund. Auch der BVB kommt zu einigen schönen Aktionen, wobei Mitte der 2. Halbzeit Batshuayi den Ball spektakulär aus einem Meter NICHT im Tor versenkt. Dahoud hatte einen Ball noch kurz vor der Torauslinie erreicht und schön vors Tor gegeben.In den letzten Minuten verflacht das Spiel wieder, wobei die Borussen wieder und wieder Chancen der Bullen zulassen – in der 86. zirkelte Bruma nur haarscharf an Bürkis Kiste vorbei.

Wer heute gut schlafen kann

Reus? Stöger? Ich weiß nicht ... Vielleicht die Aktionäre von Sky, hat der Pay-TV Sender doch mal wieder ein für den neutralen Zuschauer ziemlich attraktives Spiel auf dem Plan.

Wer Albträume hat

Der gemeine BVB-Fan, der wieder sehen muss, dass sein Team nicht in der Lage ist, Dominanz zu entwickeln, sicher in der Abwehr zu stehen, Spielideen mehrmals pro Spiel zum Abschluss zu bringen.

Fazit

Dass Dortmund unter Stöger nunmehr zehn Spiele in Folge ungeschlagen ist bedeutet nicht, das die Defensive sattelfester geworden ist. Sie schwimmt genauso und ist genauso langsam, wie in den ersten Spielen der Saison mit der Rekordserie.

Es ist nicht absehbar, dass der BVB so spielt wie beispielsweise in den letzten beiden Pokalspielen gegen Bayern unter Tuchel: Präzise, engagiert, mannschaftsdienlich, ideenreich, mit dem Willen zur Dominanz selbst gegen die Besten. Wenn die Borussia so weiter spielt, dann kann sie genausogut – mit Glück – Zweiter in der Bundesliga werden wie mit nur etwas mehr Pech gegen Salzburg rausfliegen und am Saisonende  in der Liga den siebten Platz belegen. Es muss dem BVB darum gehen die Entscheidung darüber, in welche Richtung es  geht, selbst in die Hand zu bekommen – und es nicht eine Frage von Glück oder Pech sein zu lassen. Text: Ingo Berchter, Fotos: Archiv



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