Dank Michy und Mario: BVB kämpft den HSV nieder

Aus dem Westfalenstadion in Dortmund
berichten Ingo Berchter, Oliver Römer und David Inderlied


Ohne Aubameyang kann der BVB wieder gewinnen. Michy Batshuyai beim Heimdebut und der Comebacker Mario Götze erzielten die Treffer gegen einen überaus kampfstarken HSV, der bis zum Schluss gefährlich war. 

Die Ausgangslage

Der Bundesliga-Dino tritt in Personalunion als Tabellenvorletzter beim BVB an und musste dabei auf seinen gesperrten Führungsspieler Papadopoulos verzichten, der vom wiedergesenen Jung vertreten wurde. Die Borussia hat die letzten vier Spiele gegen die Hamburger jeweils mit einer Differenz von drei Toren gewonnen und ist zuhause der klare Favorit.

Der Spielverlauf

Über die erste Halbzeit möchte man, nach dem munteren aber ergebnislosen Auftakt, als Reus Schürrle über links auf die Reise geschickt hat, den Mantel des Schweigens decken – aber man darf es nicht. Der HSV verteidigt hart und genau und kommt immer wieder zu Kontern. Das ist kein Graue-Maus-Fußball, den die Hanseaten zeigen. Nach einer Viertelstunde zwingt die Abwehr der Schwarzgelben ihren Torwart dazu herauszulaufen und den Ball wegschlagen zu müssen, ohne eine Richtungsoption zu haben. Der Ball landet direkt bei Walace, der den Schuss auf das Tor, aus dem Bürki weit herausgelaufen war, doch zehn Meter daneben setzt. Ein Petersen hat vor kurzem aus einer vergleichbaren Situation ohne viel Federlesens ein Tor  gemacht.




In der 45. Minute erreicht Kostic eine Flanke von links – sein Schuss wird geblockt. Hätte er sich etwas geschickter gedreht, wäre das eine Granatenchance für die Rothosen gewesen. Fazit: Das Blutdruckmessgerät des Autors dieser Zeilen zeigte bei den Hamburger Aktionen die höheren Ausschläge – sie waren zwar seltener, aber gefährlicher.

Michy Batshuyai ist offenbar schon ein ausgefuchster Borusse. Er wartet die zweite Halbzeit, und damit das Spiel auf die Süd ab, um seinen ersten Treffer im Westfalenstadion zu erzielen. Reus chipt den Ball zu Pulisic, der an der rechten Strafraumkante durchbricht und das Spielgerät superscharf quer durch die zurücklaufende Abwehr an den zweiten Pfosten legt, wohin Batshuyai gesprintet ist, um im Rutschen das ersehnte 1:0 zu erzielen. Anschließend erfolgte der versprochene doppelte Salto vor der Südtribüne.




Die Hamburger gaben sich aber keineswegs auf und blieben gefährlich, z.B. durch die eingewechselten Hahn und Salihovic. Schürrle hatte Mitte der zweiten Halbzeit das 2:0 auf dem Fuß, vergab aber. Dem für Reus ins Spiel gekommene Götze blieb es vorbehalten, den Dortmunder Anhang zu erlösen. In der Nachspielzeit von Schürrle exakt mit einem Pass durch die gegnerischen Reihen eingesetzt, hebt der schwarzgelbe Hoffnungsträger den Ball zum 2:0 Endstand ins Tor.

Fazit

Wenn der BVB gegen den HSV spielt, darf man ein dominantes Spiel der Schwarzgelben erwarten. Davon sind wir weit entfernt. Der Sieg heut ist sicher nicht glücklich zu nennen, aber mehr als ein "nicht unverdient" ist es am Ende auch nicht. Sollte es Stögers Vorhaben sein, unsere Defensive zu stabilisieren, um aus diesem sicheren Rückhalt heraus offensive Akzente zu setzen, so muss man feststellen, dass er damit noch nicht viel weiter gekommen ist. Die Abwehr ist weit entfernt so sicher zu sein, dass sie nicht auch ein HSV knacken könnte.




Die Rückkehr von Götze und Reus bietet künftig in der Offensive viele zusätzliche Optionen: Beider Leistungen waren vielversprechend, bei Galopp- oder Trabpferden würde man sagen: Dieses Rennen dürfte sie gesteigert haben. Ob der Trainer sich traut, auch mal Götzeus zusammen mit Pulisic und Batshuyai zu bringen und mal ein Offensivfeuerwerk anzuzünden? Denn: Vielleicht gewinnen wir die Sicherheit in der Defensive erst dann wieder, wenn wir wieder richtig Druck machen.

Wer heute gut schlafen kann

Michael Zorc und Aki Watzke, weil sich Batshuyai nicht als Eintagsfliege gezeigt hat, weil man jetzt auch ohne Auba gewinnen kann und weil Götze mit diesem psychologisch wichtigen Treffer einen Schritt zurück in die Herzen jener Fans gemacht hat, die seine Rückkehr kritisch sehen.

Wer Albträume hat

Heribert Bruchhagen, weil trotz eines starken Auftritts unter Hollerbach der HSV Tabellenvorletzter bleibt. Allerdings: Hätte der HSV die vorherigen Spiele mit dieser Mentalität betritten, sie wären weit entfernt von den Abstiegsrängen.


Was uns sonst noch aufgefallen ist

Pfiffe bei Rückpässen Ende der ersten Halbzeit, sichtbare Absetzbewegungen Richtung Parkplätze schon vor der 90. Minute – was  ist los auf den Tribünen des Westfalenstadions?


Text: Ingo Berchter, Fotos: David Inderlied – 10.02.2018





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