Na endlich der Dreier!

Aus dem Müngersdorfer Stadion berichten Andreas Römer und David Inderlied


Borussia schafft nach beherztem Kampf in Köln einen 3:2-Sieg. Neuzugang Batshuayi fügte sich mit zwei Toren glänzend ein. Den Siegtreffer erzielte kurz vor Schluss Schürrle.

Stögermania in Köln. Wie Motten das Licht umschwärmten die Fotografen und Kameraleute den ehemaligen Kölner und jetzigen Dortmunder Trainer. Irgendwie blöd und unsinnig. Das Spiel hatte wahrlich mehr zu bieten, als darauf rumzureiten, dass der Österreicher jetzt alles in schwarzgelb statt in rot-weiß trägt. Zum Beispiel das wundersame Kölner Trikot – Karnevalstrikot. Soll wohl närrisch sein, den Schriftzug des Hauptsponsors in Weiß auf ein weißes Trikot zu drucken. Ansonsten sahen die Hemdchen eher nach retro aus. So sind die Kölner schon in den siebziger Jahren rumgelaufen.

Und auch das Spiel erinnerte Phasenweise an Fußball vergangener Zeiten. Die feinen Ballstafetten, das taktische Geschick, den Gegner vor unlösbare Probleme zu stellen, also Dinge, die wir heute sehen wollen, gab’s nicht. Harter ehrlicher Kampf, bis an die Grenze des Erlaubten. Vor allem auf Kölner Seite immer wieder hoch und weit nach vorne rein. Nee, das war Abstiegskampf pur und hatte mit Fußball für Feinschmecker nichts zu tun.

Mit dem Neuzugang in der Startelf


Und der BVB hielt dagegen. Der Hauptdarsteller war nur bis zur zweiten Minute der Trainer: Stöger hatte vier neue im Vergleich zu Freiburg in der Startelf. Weigl für Sahin, Dahoud für Castro, Schürrle für Sancho und Michy Batshuayi für Aubameyang. Und nach einer Minute und vierzig Sekunden schauten die meisten nicht mehr auf Stöger, Batshuayi tauchte das erste Mal vor dem Kölner Tor auf und schob knapp vorbei. Was war da los? Den kannte keiner und dafür dass noch jede Abstimmung fehlt, machte der junge Belgier ein tolles Spiel, kämpfte und rackerte am Schluss mit Krämpfen und selbst dann schob er den Ball noch zu Schürrle, der das Ding zum Sieg in die Maschen haute.




Nach dem Aufreger in der zweiten Minute waren beide Mannschaften aber zunächst sehr vorsichtig. Abtasten, gucken, was macht der Gegner. Richtig los ging das Spiel dann nach 13 Minuten, als der Ex-Dortmunder Jocic das 1:0 für die Kölner machen musste. Nach schnellem Umschalten kamen die Gastgeber über die rechte Seite und die Hereingabe fiel Jocic am Elfmeterpunkte auf den Fuß. Doch er schaffte es nicht, das Runde in Eckige zu bringen, Bürkis Fuß ging dazwischen. Doch das war für alle 22 Kicker offensichtlich so etwas wie ein Weckruf. Jetzt ging es munter rauf und runter. Nur eine Minute nach der Jocic-Chance verfehlte Kagawa zunächst das Tor und beim zweiten Versuch traf er kurz darauf die Latte. In der 17. Minute kam ein Abschlag von Bürki genauso schnell zurück wie er den Ball nach vorn geschlagen hatte. Die Flanke erreichte Terodde, dessen Kopfball aber von Piesczcek zur Ecke geklärt wurde.

Auf beiden Seiten gab es also Chancen. Michy Batshuayi verstolperte noch in der 20. Minute, um es dann aber in der 34, Minute richtig zu machen. Allerdings war die Vorarbeit von Toljan dann auch richtig gut. Lehrbuchhaft – und schon füllt sich das Phrasenschwein – war Toljan bis an die Grundlinie gestürmt, hatte den Ball geschickt zurückgelegt und der neue Stürmer hatte keine Mühe aus sieben Meter einzuschießen.

Kein 2:0 zur Pause


Es war ein gutes Beispiel für das, wie es funktionieren kann. Es ging mal fix aus der Abwehr mit einem langen Diagonalball von Kagawa auf den fleißigen Schürrle, der dann Toljan fand. Der ehemalige Hoffenheimer legte sogar zehn Minuten später erneut Batshuayi auf, der auch ins Tor traf, aber der Videoschiedsrichter vermerkte „Abseits“ und so wurde es nix mit dem 2:0.



Und auch die erste Chance im zweiten Durchgang hatte der belgische Neuzugang. Da waren im zweiten Durchgang schon zehn Minuten gespielt und Batshuayi kam nach einem Konter über die linke Seite allein vor Horn zum Schuss, der Keeper konnte aber parieren. Und so warteten alle weiter auf das 2:0 für den BVB und plötzlich stand es 1:1. Eine gute Konter Gelegenheit verdaddelte Pulisic wie ein Anfänger. Okay, vielleicht hat er gesehen, dass sein Sturmpartner ins Abseits gelaufen war, wie er sich aber den Ball von Heintz wegnehmen ließ, war richtig schlecht. Und dann spielten es die Kölner schnell und geschickt. Terodde hielt den Ball und ließ dann wieder Heintz aufs Tot schießen. Den Aufsetzer konnte Bürki nur zur Seite Abklatschen und Zoller drückte den Ball mit einer artistischen Einlage per Kopf über die Linie.

Scheiße und noch mehr dachte der schwarzgelbe Fan und bevor der letzte Fluch geflucht war, führte der BVB schon wieder. Vorbereiter ausgerechnet der eben gescholtene Pulsic. Erst verlängerte er einen Abschlag von Bürki und als Heintz den Pulisic-Kopfball nicht unter Kontrolle bekommt spitzelte der Amerikaner den Ball genau in den Lauf von Batshuayi, der in Aubameyang-Manier schnell und leichtfüßig zum 2:1 einschoss.

Köln will zu viel


Selbst das Tor schüttelten die Kölner aus den Klamotten und warfen weiter alles nach vorn. Eine hohe Flanke nach der anderen segelte in den Dortmunder Strafraum. Die Sturm-Kanten Guiressy und Terodde wühlten, kämpften, wurden dann mit Cordoba und später Pizzaro noch verstärkt. Und tatsächlich schafften sie den Ausgleich. Während sich Sokratis mit Sörensen ein sehenswertes Luftgefecht lieferte stieg Innenverteidiger Mere direkt daneben hoch und machte in Uwe-Seeler-Manier mit dem Hinterkopf das 2:2 in der 69. Minute. Da ging es dann noch einmal richtig rund.



Trainer Ruthenbeck fand sein Team in dieser Phase zu euphorisch, sie waren angefixt und hatten das Gefühl, hier geht noch was und spielten weiter munter nach vorn. Und  als den schwarzgelben Anhängern bei einem Freistoß für Köln mal wieder das Herz in die Hose gerutscht war, holte der BVB zum Gegenschlag aus. Die Kölner war arg weit aufgerückt und der BVB schaltete endlich einmal schnell um. Kagawa auf Batshuayi, der auf Schürrle, der wusste nicht so recht whóhin mit dem Ball und haute ihn dann vom Strafraumeck einfach mal in Netz zum Siegtreffer.  Emotionen Pur, für die Tausenden von Schwarzgelben großer Jubel, für die Kölner tiefer Frust und für Peter Stöger irgendwie von beidem etwas.

Auch vier Minuten Nachspielzeit halfen den Kölnern nicht mehr. Ein spannendes, emotionales und von Fans auf beiden Seiten würdig begleitetes Westderby fand im BVB am Ende den richtigen Sieger.


Opens window for sending emailAndreas Römer (Text), David Inderlied (Fotos), 2.2. 2018


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