BVB am Boden - geht es noch tiefer?

Aus dem Westfalenstadion in Dortmund
berichten Oliver Römer und Annemieke Römer-van der Meulen

Nichts, aber auch gar nichts, stimmt mehr in dieser Mannschaft. Verletzte fehlende Stammspieler hin, Spielpech her - bis hierher und nicht weiter - Quo Vadis BVB?


Wie schon im Vorbericht erwartet, da stand er wieder, die ärmste Sau nach den letzten Spielen. Kapitän Marcel Schmelzer musste sich wieder den bohrenden Fragen der Journalisten stellen, auf die er aber keine wirklichen Antworten hatte. Eine "Frechheit" nannte er die Spielweise seiner Elf in der ersten Hälfte, hatte dann aber auch gar keine Lust mehr Worte zu finden für das, was sich da wieder auf dem Platz abge(spielt) hatte. Ach nein, gespielt hatte ja Bremen, wenn auch mit einfachen Mitteln - aber effektiv.




"Schmelle" bemängelte die Einstellung und den fehlenden Teamgeist. Ein limitiertes Bremen beherrschte ein in allen Belangen desaströs auftretende Borussia und geht das erste Mal seit 10 Spielen wieder als Sieger im Westfalenstadion mit 2:1 vom Platz. 

Die Ausgangslage

BVB spielte wieder mit Subotic in der Mitte wie schon gegen Real in der Dreierkette bei Ballbesitz, Sokratis rechts und Schmelzer links. Der wiedergenesene Bartra bespielte die rechte Seite und reihte sich gegen den Ball dort in die Fünferkette ein. Sein Pendant auf der linken Seite war Guerreiro. Weder Weigl noch Sahin fanden sich in der Anfangsformation auf der Doppelsechs sondern Dahoud und Kagawa. Im vorderen Bereich Yarmolenko und Pulisic sowie Aubameyang.




Werder mit derselben Elf wie gegen Stuttgart, kopiert das System von Bosz. Im Angriff mit Kruse und Bartels. 

Der Spielverlauf

Bereits in der ersten Minute ist der BVB zwar schon vor dem Tor der Werderaner, aber großartige Abschlüsse sollte es nicht geben. Dachte man jetzt vielleicht, heute könnte es was werden mit einem Dreier, wurde man spätestens in der 25. Minute enttäusch. Denn da waren dann alle guten Ansätze wieder nur Makulatur. Auch wenn es bis dahin einige gute Ansätze mit Pulisic oder Yarmolenko gegeben hatte, musste Subotic als Turm in der Schlacht das erste mal an der Seitenlinie!!! klären. Die ordnende Hand von Subotic wirkt sich beruhigend aus und er war halt da wenn es brannte.

Die Bremer agierten sehr aggressiv und betrieben frühes Pressing was die Borussen sofort verunsicherte. Die ersten Torschüsse von Janusovic (8.) und Kruse (12.) konnte Bürki noch mit viel Mühe abwehren, doch die schlampigen Anspiele bereits aus der Abwehr heraus prägten das Bild und nur mit Glück wurde nicht mehr draus. Alle Angriffe der Dortmunder hatten eins gemeinsam, keine Durchschlagskraft um die gut gestaffelten Bremer zu überspielen. Von der fehlenden Standardverwertung ganz zu schweigen. Auch in der 21. Minute geht ein Schuss von Fin Bartels noch knapp übers Tor.




Statt dem absoluten Siegeswillen stand eher die 5er-Abwehrkette der Dortmunder immer wieder im Focus. Dann die angesprochene 25. Minute. Maximilian Eggestein zirkelt vom Strafraumeck einen Ball, dem Bürki nur noch hinterherschauen kann ins Netz. 1:0 für Bremen.

Wirkliche Abschlüsse des BVB? Keine. Stattdessen immer wieder ungenaue Pässe, die die Stürmer nicht finden, blutleer und alibimäßig wirkt das Spiel des BVB. Weitere Chancen wie von Kruse in der 32. Minute ergeben sich aus den Kontern. Fin Bartels muss verletzt den Platz verlassen. Keine Anspannung in den Aktionen und fast jeder Ball landet beim Gegner. Der Pausenpfiff erlöst das Dortmunder Publikum, die es mit Pfiffen quittieren. Hochverdiente Führung für Werder zur Pause.

Nach dem Seitenwechsel dann Schürrle und Sahin für Jarmolenko und Guerreiro. Dortmund scheint jetzt endlich aufzuwachen, und der Funke springt über auf die Süd. Das Spiel geht jetzt aufgeregt hin und her. Wahnsinnsdruck plötzlich auf das Bremer Tor und ein Schuss von Schürrle von der Strafraumkante. Bremen versucht das Tempo rauszunehmen.




Sahin und Schürrle tun dem Dortmunder Spiel gut und beleben es. Auch die Aggressivität die bis zum jetzigen Zeitpunkt völlig gefehlt hatte ist auf einmal da. Was fehlt ist ein Tor. Bremen hält mit Kampf dagegen. Endlich ist der Ball dann drin. Auba macht ihn rein. Womit? Mit Glück. Schürrle auf Kagawa, der auf Auba köpft, der seinerseits den Ball mithilfe eines Gegners ins Tor stolpert.

Jetzt ist auch sofort eine andere Körpersprache zu sehen. Borussia rennt an, Bremen kontert, der BVB hat Glück, dass der Ball vorbeigeht. Bürki hält wieder einen Schuss von Delaney. Dann markiert Gebre Selassi das 2:1, bei dem auch Neven nicht gut aussieht und einfach zu spät kommt. Bremen fährt die Aggressivität nur ein wenig hoch, schon schwimmt die komplette Hintermannschaft des BVB.

Dortmund wehrt sich zwar aber hat jetzt auch noch Pech im Abschluss. Kagawa schießt den am Boden liegenden Auba an. Schürrle vertendelt mehrere Male den Ball und rennt mit ihm ins Aus. Ein offener Schlagabtausch entwickelt sich. Neven Subotic versucht sich mit einem Fallrückzieher. Bremen kombiniert, Dortmund stolpert.




Bosz spielt seine letzte Karte (81.) Isak kommt für den heute völlig neben der Spur laufenden Dahoud. Werder bleibt fleißig im Nadelstich-Setzen und beim BVB scheint jetzt nur noch heiße Luft zu kommen. Auch Werder ist jetzt in der Chancenverwertung auch nicht mehr effektiv. Alles an Dortmunder Möglichkeiten verpufft und die 4 Minuten Nachspielzeit verrinnen auch. Wieder ein gebrauchter Nachmittag für das Team von noch Trainer Peter Bosz.

War es das, Herr Bosz?

Wer heute gut schlafen kann

Auf Dortmunder Seite niemand außer die Kritiker von Bosz und der sportlichen Leitung. Auf Bremer Seite ist Neutrainer Florian Kohfeld, der wahrscheinlich vor Glück nicht schlafen kann. 

Wer Albträume hat

Marcel Schmelzer, der wieder einmal nur mit den Achseln zucken kann und dem mittlerweile wohl die Worte ausgehen und mit Grauen schon ans nächste Interview denkt. 

Was uns sonst noch aufgefallen ist

Auch das geduldige Dortmunder Publikum spürt so langsam, dass irgendetwas passieren muss und quittiert nach dem Spiel die Mannschaft vor der Süd mit Pfiffen.



Text: Oliver Römer, Bilder: Annemieke Römer-van der Meulen - 09.12.2016






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