Wieder nix!!!

Borussia schafft auch gegen Tottenham nicht die Wende. Trotz 1:0-Führung verlor die Bosz-Truppe gegen Tottenham in der Champions League mit 1:2.

Insgesamt war die Unsicherheit in der Mannschaft bis hinauf auf die Tribüne spürbar. Die eigenen Fans versuchten zunächst alles, das eigene Team zu unterstützen, zu motivieren und Fehler zu vergeben. Die erste Halbzeit agierte die Elf vom angeschlagenen Trainer Bosz vorsichtiger als sonst. Bloß nicht wieder durch Hurra-Pressing zu große Lücken für die Konter schaffen und selbst geduldig auf die eigenen Chancen warten schien das Motto. Blöd halt nur, dass es so von Beginn an ein eher müder Kick im Westfalenstadion war. Torchancen gab es auf beiden Seiten nicht. Vorsichtiges Abtasten kann man ja machen, aber wie lange?

Vorn fehlten Phillip und Pulisic, Schürrle auf der Bank, aber da mag man ja nicht von fehlen sprechen. Zagadu ersetzte den Verletzten Sokratis, vorn durften Kagawa, Yarmolenko und Guereirro neben Götze ran.



Der BVB im 4-1-4-1-System war vor allem um Kontrolle bemüht und dennoch wirkte das alles eher fragil. Ohne Pulisic ist im Angriff keiner da, der mal etwas probiert. Obwohl, ja gut,. Yarmolenko versuchte es, fummelte aber meist ohne wirkliches Ergebnis. So hing Aubameyang wieder zumeist in der Luft. Auf der anderen Seite ist Tottenham aber auch tatsächlich ein starker Gegner, der wirklich starke Spieler dabei hat. Und die Londoner wollten auch nicht nur mitspielen, sie wollten in jedem Fall was reißen. Und immer wenn sie es schnell machten, gab es im BVB-Abwehrverbund immer auch immer gleich Großalarm.

Richtige Torchancen waren tatsächlich an einer Hand abzuzählen. Einmal Yarmolenko, einmal Aubameyang mit einem Ball, den er in besseren Tagen mit verbundenen Augen gemacht hätte. Auf der anderen Seite musste Bürki zweimal Weltklasse gegen Eriksen und Diere reagieren. Doch einmal langte es wenigstens für den BVB einmal: Guerreiro spielte den Ball flach an den Strafraum, Yarmolenko lenkte das Runde mit der Hacke in den 16ner hinein, wo Aubameyang aus 13 Metern links unten versenkte. 1:0 nach einer guten halben Stunde.

Endlich fand das Dortmunder Spiel ein bisschen Sicherheit. Ohne dass noch viel anbrannte ging es mit dem Vorsprung in die Pause.



Doch schon vier Minuten nach der Pause war alles vorbei: Toljan spielte einen furchtbaren Fehlpass. Tottenham machte es dann ganz schnell und Keyne schießt humorlos aus 16 Metern ein. Bartra guckte nur zu, Zagadu kam zu spät. Danach konnte man das Zerfallen einer Mannschaft bewundern. Beim BVB ging nix mehr. Kein Yarmolenko mehr, kein Götze, kein Guerreiro – nur noch Bürki. Es tat einem fast leid, das schwarzgelbe Spiel zu sehen. „Wir kriegen wie gegen Stuttgart direkt nach der Pause das Tor – das darf einfach nicht passieren“, sagte Mario Götze nach dem Spiel. Recht hat er.

Trotzdem, mehr Widerstand hätte man sich schon gewünscht. Doch was sich in 15 Minuten nach dem Führungstor zart andeutete, war auf einmal wie wegeblasen. Wie die Luft aus einem Ballon zischt, verschwanden Selbstbewusstsein und Ideen aus der Borussia. Da war das zweite Gegentor dann fast schon logische Konsequenz. Wieder einmal ließen die Borussen hinten ganz einfach vernaschen. Bartra und Götze schafften es nicht Allie zu stoppen. Der ließ Bartra stehen wie eine Stange auf dem Trainingsplatz. Alle anderen waren scheinbar paralysiert und ließen Son völlig frei stehen. Der Koreaner bedankte sich mit einem schönen Schuss in den Winkel zum 1:2. Ironie: Es war fast die gleiche Position von der schon Keyne getroffen hatte. Nach 76. Minuten war das Spiel endgültig gelaufen.

Passend zum Abend wurde dann auch noch Bürki bei einer weiteren Rettungstat am Tottenham-Angreifer am Kopf getroffen und wurde kurz vor Schluss vom Platz getragen. Irgendwie symbolisch: Der BVB liegt auf der Trage.



Selten haben wir im Westfalenstadion solch eine Stimmung erlebt. Die schwarzgelben Fans waren wie die Mannschaft erstarrt – Friedhofsruhe trotz 66.000 Zuschauern. Das ist gruselig. Doch die Fans schüttelten sich schneller als die Mannschaft und feuerten das Team erneut an. Am Schluss, als die Mannschaft sich bei den Anhängern bedankte, gab es sogar richtigen Rückenwind. Aber auch den Hinweis, das Revierderby am Samstag muss gewonnen werden – das wichtigste Spiel des Jahres für zahlreiche Fans sieht tatsächlich einmal nicht den BVB in der Favoritenrolle.

Sollte auch das in die Hose gehen, wird Trainer Bosz in echten Schwierigkeiten sein. An seinem System hat es heute nicht gelegen. Aber welche Fehler sich Toljan oder Bartra in entscheidenden Szenen leisten, geht auf keine Kuhhaut. Schon der erste Treffer in Stuttgart war eine Slapstick-Nummer, den wir in jedem Jahresrückblick, in jedem Saisonrückblick im Sommer sehen werden. Das tut weh, zu sehen, wie das zeitweilig da hinten aussieht.

Peter Bosz meinte die Mannschaft, hat nach dem 1:1 das Vertrauen verloren. Er beklagte sich über die individuellen Fehler. Da könne man nicht diskutieren, das dürfte einfach nicht passieren. Bosz meint, es fehle vor allem an Vertrauen, weil die Mannschaft so lange nicht gewonnen hat. Das wolle er aber mit der Mannschaft am Samstag ändern und gegen Schalke gewinnen.

Die schwarzgelben Fans werden zu sämtlichen Fußballgöttern beten, damit das klappt.

Opens window for sending emailAndreas Römer, 21.11.2017





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