Bayern stürzen BVB ins Fegefeuer

Aus dem Westfalenstadion in Dortmund
berichten Maik Bolte und David Inderlied



Der Rekordmeister beherrschte das Spitzenspiel und vergrößerte weiterhin den Abstand auf den BVB. Leider gelang dem BVB nicht der erhoffte Befreiungsschlag und man unterlag am Ende völlig verdient zuhause mit 3:1.

Die Ausgangslage

Vor dem deutschen Klassiker waren die Ziele für beide Seiten klar abgesteckt: Der BVB wollte und musste seine derzeitige Negativserie so schnell wie möglich beenden, um den Kontrahenten aus dem Süden nicht auf sechs Punkte davonziehen zu lassen. Der FCB hatte die Gelegenheit, seinen guten Lauf unter Heynckes weiter fortzusetzen und den Punkteabstand auf die Borussia zu verdoppeln.

Die Bosz-Elf ging deutlich angeschlagen in diese Partie. Mit zuletzt nur einem geholten Punkt aus den letzten drei Bundesligapartien und den beiden Remis gegen APOEL Nikosia aus der Champions-League war das Selbstvertrauen deutlich geringer als auf der anderen Seite. Nichts desto trotz hatte man die Gelegenheit, mit einem Sieg sich die Tabellenführung zurück zu erobern.

Taktisches Geplänkel

Peter Bosz hielt weiter an dem gewohnten 4-3-3 fest und tauschte gegenüber dem Nikosia-Spiel dreimal durch. An Stelle von Gurreiro begann Schmelzer auf der linken Verteidiger-Position. Im Mittelfeld startete Castro für Götze und Yarmolenko ersetzte Philipp auf der rechten Außenbahn.




Heynckes wechselte gegenüber dem Glasgow-Spiel gleich vier mal durch. So begann Kimmich für Rafinha in der rechten Verteidigung. In der Innenverteidigung begann wie zu Erwarten Hummels für Boateng. Im Mittelfeld erhielt Thiago den Vorzug gegenüber Tolisso und Lewandowski stürmte wieder in der Spitze, dadurch wich Vidal für ihn auf die Bank. So agierten die Münchner wieder in ihrem gewohnten 4-2-3-1.

Der Spielverlauf

Borussia startete recht druckvoll und so kam Yarmolenko direkt in der ersten Minute zu einer ersten Flanke über rechts, die jedoch keinen Abnehmer fand. In den anschließenden Minuten wirkte die Partie sehr zerfahren, wobei der Gastgeber deutlich mehr Spielanteile hatte und sichtlich bemüht war, das Spiel zu kontrollieren. Der Spielfluss wurde aber immer wieder durch kleine Fouls unterbrochen.

In der 12. Minute wurde der BVB das erste mal durch Aubameyang gefährlich, als dieser von Sokratis auf die Reise geschickt worden ist. Süle konnte in letzter Sekunde den Abschluss des Gabuners und somit einen frühen Rückstand noch verhindern.




Auf der Gegenseite konnte Sokratis in der 16. Minute Lewandowski gerade noch abfangen. In der 17. Minute war es dann soweit und wieder einmal traf Robben gegen den BvB. Kimmich legte nach einer Spielverlagerung den Ball direkt auf den 16er zurück auf Robben, dieser verwandelte überlegt und unhaltbar für Bürki oben links ins Eck.

Der BVB schüttelte sich einmal kurz und war bemüht, schnell wieder den Zugriff auf das Spiel zu finden. In der 21. Minute setzte sich Pulisic das erste mal schön über links durch. Die Hereingabe konnte Ulreich sehenswert aus der Gefahrenstelle klären. Wiederum gegenüber konnte Bürki eine flache Hereingabe von Alaba vor Lewandowski sicher abfangen.

Da war die Riesengelegenheit zum Ausgleich: Kagawa fing gegen Martinez zentral den Ball ab und leitete gleich auf Castro weiter, der über rechts Yarmolenko bediente. Dieser scheiterte frei vor Ulreich an dem Schlussmann. Im direkten Gegenzug konnte Lewandowski im 16er freigespielt werden und kam ungehindert zum Torschuss. Bürki reagierte stark und klärte zur Ecke, die aber nichts einbrachte und den nächsten direkten Gegenzug der Dortmunder einleitete. Am gegnerischer Strafraum konnte sich Kagawa gegen Alaba im 1:1 durchsetzen und setzte seinen flachen Torschuss mit links an den Außenpfosten.




Und so kam es wie es kommen musste. Bayern ging durch einen abgefälschten Lewandowski-Schuss mit 0:2 in Führung. Robben bediente auf dem rechten Flügel Kimmich, der direkt flach in die Mitte auf Lewandowski flankte. Leicht in den Rücken gespielt brachte der Münchener Stürmer den Ball mit der Hacke auf das Dortmunder Gehäuse. Von Weigl noch abgefälscht schlug das Leder unhaltbar für Bürki im Tor ein.

In der 41. Minute musste der BVB das erste Mal verletzungsbedingt wechseln. Für Sokratis kam Toljan ins Spiel und übernahm die rechte Abwehrseite, wodurch Bartra ins Zentrum rückte. Auch in der 44. Minute hatte der Gastgeber wieder kein Glück im Abschluss, als Yarmolenko erneut aus spitzem Winkel an Ulreich scheiterte. So ging es mit einem 0:2 in die Pause.

Die zweite Halbzeit begann personell unverändert. Der BVB erspielte sich wie in Durchgang eins direkt einen Eckball, der aber erneut nichts einbrachte. Auf der Gegenseite verhinderte Bürki in der 47. Minute das 0:3 und somit die Vorentscheidung. Eine Robben-Flanke brachte Lewandowski freistehend per Kopf auf das Dortmunder Gehäuse. Bürki reagierte glänzend und konnte per Fussabwehr parieren.

Auf Dortmunder Seite setzte sich erneut Pulisic über links durch und brachte den Ball flach in den Rücken der Bayern-Abwehr. Jedoch nahm Yarmolenko dem besser positioniertem Aubameyang den Ball vom Fuss und konnte seinen Abschluss nur unplatziert Richtung Bayern-Tor bringen. Da war deutlich mehr drin...



In der Folge verflachte das Spiel zunehmend und die Gäste verwalteten ihren komfortablen Vorsprung. Erst in der 64. Minute wurde der Gast wieder einmal gefährlich, als Robben auf Lewandowski durchsteckte und dieser rechts am Tor vorbeischoss.

In der 67. Minute kam dann das vorentscheidende 3:0. Alaba hatte auf der linken Seite in Ruhe Zeit, die Flanke vor das Tor zu schlagen. In der Mitte erreichte Lewandowski den Ball nicht mehr und trotzdem schlug der Ball am langen Pfosten im Dortmunder Gehäuse unglücklich ein.  In der 68. Minute wechselte der BVB erneut und brachte Götze für Kagawa. In der 73.Minute wechselte der Gast aus München das erste Mal und brachte Rafinha für Alaba.




Und die Seuche vom BVB Torjäger hält weiter an. Castro steckte schön auf Aubameyang durch und dieser scheiterte in der 74.Minute freistehend an Ulreich. In der 80. Minute wechselte der BVB das letzte Mal und brachte Sancho für Yarmolenko. Beim FCB kam Rudy für Martinez und kurz darauf Vidal für James. In der 88.Minute konnte Bartra für den BVB noch einmal auf 1:3 verkürzen, als er im 16er den Ball schön ins lange Eck schlänzte und Ulreich keine Chance ließ. In der 90.Minute verpasste Castro noch einmal eine Toljan-Hereingabe knapp am langen Pfosten. Das hätte noch einmal spannend werden können... So blieb es dann am Ende beim 1:3 aus Dortmunder Sicht.

Wer heute Nacht gut schlafen kann

Wer hätte gedacht, dass Jupp Heynckes praktisch aus dem Gartenstuhl einen Spitzenverein wie den FC Bayern auf Vordermann bringen würde? Eines muss man Uli Hoeness lassen: Ein goldenes Näschen hat der Fabrikant, der sonst die Würstchen herstellt. Aber auch Heynckes gehört höchster Respekt. Mit klarer Hand hat der Trainer der alten Schule wieder Ordnung in den Münchener Laden gebracht. Gegen den BVB versuchte es Heynckes mit einem alten Verwirrspiel ála Sepp Herberger: Erst meldeten die Bajuwaren, dass sowohl Boateng als auch Kimmich nicht mit nach Dortmund gefahren waren. Und dann kam beim Aufwärmen die große Überraschung, als der Joshua dann doch plötzlich aus der Kabine kam. Die Folgen hat der BVB an diesem Samstagabend bitter zu spüren bekommen.

Wer hat Albträume?

Nach den letzten Spielen und gerade nach dem Spitzenspiel gegen die Bayern dürfte die gesamte Mannschaft weiter verunsichert sein und dürfte somit unruhige Nächte haben. Es fehlt derzeit einfach das Selbstvertrauen und die Selbstsicherheit, vorne die Chancen zu verwerten die sich einem bieten, zum anderen fehlt der Wille und die Bereitschaft alles zu geben, um über die gesamten 90 Minuten defensiv konzentriert zu stehen und zu arbeiten.

Was uns sonst noch aufgefallen ist

Man hat gesehen, dass der Zug für Platz 1 derzeit eindeutig abgefahren ist. Man sollte sich darauf konzentrieren schnell wieder in die Spur zurück zu finden um wieder Punkte für Platz 2 und 3 zu sammeln. Denn wenn dieses nicht gelingt, besteht die Gefahr weiter in der Tabelle durchgereicht zu werden. Vielleicht kommt die Länderspielpause jetzt gerade passend um die Köpfe wieder frei zu bekommen...


Maik Bolte, Bilder: David Inderlied - 04.11.2017


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