Der BVB scheucht mit halben Dutzend ängstliche Fohlen auf

Aus dem Dortmunder Westfalenstadion berichten
Maik Bolte
und David Inderlied


Da tanzte das Dortmunder Publikum nicht nur auf der Südtribüne den Fußball-Walzer. Der BVB zerlegte eine hilflose Borussia aus Mönchengladbach, die durchaus stärker war, als es das Ergebnis vermuten lässt. Der 6:1-Kantersieg ist eine klare Kampfansage an die Bayern, die klarer Verlierer dieses Spieltags sind. 

Die Ausgangslage

Der BVB hatte die Gelegenheit, den Punktevorsprung gegenüber dem Rivalen aus dem Süden von ein auf drei Punkte auszubauen. Ferner wollte er natürlich seine reine Weste und die grandiose Heimserie von 40 ungeschlagenen Spielen wahren. 



Auf der anderen Seite brauchte sich die Elf vom Niederrhein aber auch keineswegs verstecken: In den letzten 17 Auswärtsspielen, ob Bundesliga, DFB-Pokal oder Europa League, gab es neun Siege, sechs Remis und nur zwei Niederlagen.

Der BVB begann die Saison mit zwei souveränen Heimsiegen gegen Berlin - 2:0 und Köln 5:0. Gladbach konnte auswärts dagegen jeweils dem FC Augsburg und RB Leipzig ein Remis abtrotzen. Personell musste der BVB auf Schmelzer, Reus, Guerreiro, Schürrle, Rode und Durm verzichten. Gladbach trat ohne Doucoure, Benes, Grifo, Strobl, Traore und Drmic an.

Taktisches Geplänkel

Bosz ließt in dem gewohnten holländischen 4-3-3 beginnen, wechselt aber personell etwas durch. So beginnt auf der linken Abwehrseite Toljan für Zagadou. Das Mittelfeld war gegenüber dem Auswärtsspiel unter der Woche beim HSV komplett ausgetauscht. Es begannen der wiedergenesene Götze, Dahoud und Weigl, der sein Saisondebüt in der Startelf gab. Im Angriff ersetzte Philipp Yarmolenko, und neben ihm stürmen Pulisic und Goalgetter Aubameyang.



Die Borussia aus Gladbach begann wie gewohnt mit einem 4-4-2, wobei mit Ginter ein ehemaliger Dortmunder zurück in den Signal-Iduna-Park kam.

Der Spielverlauf

Der BVB startete gewohnt dominant und übernahm direkt das Spielgeschehen, ohne jedoch nach vorne zwingend zu sein. Die Präzision fehlte am Anfang auf beiden Seiten, so landeten die ersten Flanken auf beiden Seiten jeweils im Toraus: Bei Gladbach verzog Hazard in der 4. Minute - im Gegenzug verzog Philipp auf seiten des BVB. Des weiteren konnte Bürki ein Flanke von Johnson in der 6. Minute sicher abfangen.

Den ersten gefährlichen Torabschluss hatten die Gladbacher in der zehnten Minute, als Weigl im Spielaufbau den Ball verlor. Über rechts konnte Hazard in den freien Raum geschickt werden und hatte aus leicht spitzem Winkel freie Schussbahn. Seinen zu unplatzierten Schuss konnte Bürki zum Glück entschärfen.



Die Hausherren konnten in der 19. Minute das erste Mal mit einem Weitschuss gefährlich werden. Als Weigl einen geklärten Ball nach einer Ecke zurück Richtung 16er köpfte und Sokratis den Ball direkt abzog. Sippel konnte diesen Schuss mit einer guten Parade aber entschärfen. Wesentlich gefährlicher wurde es in der 25. Minute, als Götze per Kopf auf Aubameyang zentral vor das Gästetor ablegen konnte. Sippel klärte den Schuss von Aubameyang in allerletzter Sekunde und verhinderte somit die fast schon sichere Führung der Schwarz-Gelben. Die dadurch bedingte Ecke setzte wiederum Aubameyang am langen Pfosten nur an den Außenpfosten.

Dann kam in der 28. Minute das erlösende 1:0 für den BVB. Weigl schickte im Mittelfeld Aubameyang steil in den gegnerischen 16er, wo er halbhoch auf Philipp zurücklegte. Dieser nahm die Kugel volley und versenkte unhaltbar ins lange Eck.

Der Knoten war geplatzt und der BVB ruhte sich keinesfalls auf den Vorsprung aus, sondern erhöhte in der 32. Minute direkt auf 2:0. Dahoud schickt Toljan über links, der flach in die Mitte auf Philipp zurücklegte und dieser traf wieder direkt, allerdings diesmal ins kurze Eck. Auch hierbei war Sippel wieder einmal chancenlos. Sichtlich geschockt kamen die Gäste erst in der 41. Minute zu ihrem zweiten Torschuss: Stindl´s Schuß war aber zu unplatziert, um Bürki zu überwinden. Zwei Minuten später wurde es wesentlich gefährlicher für den Dortmunder Schlussmann, als Hazard nach einem Gladbacher Konter gleich zwei Dortmunder ins Leere laufen ließ. Den ersten Schuss konnte Bürki wegfausten, den Nachschuss jagte Hazard dann über das Tor. Das erste Mal Glück für den BVB.

Im Gegenzug konnte der BVB in der 45. Minute passend zum Pausentee auf 3:0 erhöhen. Sokratis schickt diesmal Philipp steil in den gegnerischen 16er, wo er wunderschön auf Aubameyang querlegte. Dieser hatte keine Mühe aus kurzer Distanz zum 3:0 Pausenstand einzunetzen. Eine absolut gerechtfertigte deutliche Pausenführung für den BVB, der sich zu Spielbeginn noch schwer tat, aber zunehmend sicherer wurde und sich die Tore sehr gut herausgespielt hat. Der Ballbesitz von 75 Prozent für den BVB spricht eine deutliche Sprache. Auch bei den Torschüssen führte das Heimteam deutlich mit 13:4. Die Gladbacher strahlten nur nach Kontern ansatzweise Torgefahr aus, waren dabei aber viel zu harmlos.

Als wenn der BVB den Hals nicht voll genug bekommen konnte, machten sie nahtlos da weiter, wo sie vor der Pause aufgehört hatten: mit dem Toreschießen. Nach Foul an Philipp flankte Götze die fällige Freistossflanke aus dem rechten Halbfeld vor das Gladbacher Gehäuse. Den Kopfball setzte Aubameyang noch an den Pfosten, den zweiten Versuch netzte er dann sicher in das leere Tor zur 4:0-Führung ein.



In der 53. Minute verzog Zakaria auf Gladbacher Seite knapp mit einem Weitschuss, dieser ging knapp einen Meter am langen Pfosten vorbei. Auch in der 57. Minute hatte Hazard wieder kein Glück im Abschluss, als er wieder zu zentral aufs Tor schoss und Bürki somit nicht überwinden konnte. Die 0 steht weiterhin für den Dortmunder Schlussmann.

Was den BVB aber wenig störte... Im Gladbacher Spielaufbau gewann Götze die Murmel und schickte den pfeilschnellen Gabuner auf den Weg. Dieser umkurvte Sippel und netzte zu seinem dritten Tor und damit zum 5:0 ein. In der 66.Minute war es dann soweit: Die weiße Weste des BVB wurde durch Stindl beschmutzt. Hazard legte im 16er die Kugel flach zurück in den Rücken der Abwehr, wo Stindl sich dann die Ecke aussuchen konnte und Bürki zum ersten Mal in dieser Saison überwand. Das Spiel plätscherte in Folge dessen etwas dahin, bis auch Weigl sich in die Torschützenliste eintragen durfte. In der 79. Minute nahm er einen von der Gladbacher Abwehr nur unzureichend geklärten Ball gute 20 Meter vor dem Tor an und traf wunderschön per Weitschuss zum 6:1. Bis zum Schluss lag der Ballbesitz bei 75 Prozent zugunsten des BVB. Die Generalprobe für das kommende Champions-League Spiel gegen Real Madrid ist somit geglückt.

Wer Albträume hat, kann heute gut schlafen

Im Prinzip kann die gesamte Dortmunder Mannschaft gut zur Ruhe kommen, denn es war wieder eine starke kompakte Mannschaftsleistung, in der es absolut schwierig ist einen oder zwei Spieler hervorzuheben. Aber ich denke, dass Bürki froh sein darf, sein erstes Gegentor bekommen zu haben, damit diese Diskussion endlich beendet werden kann, wann denn endlich das erste Gegentor für ihn fällt. Zumal es heute keinen interessieren dürfte, ob man 6.0 oder 6:1 gewinnt. Die gesamte Gladbacher Mannschaft dürfte diesen Abend schnell vergessen und sollte sich schnell auf die nächste Aufgabe zu konzentrieren. Aber auch den Bayern sollte aufgrund der konstanten Dortmunder Leistung in der Liga so langsam mulmig werden.

Was uns sonst noch aufgefallen ist

Beide Fanlager kritisierten vor Beginn mit Spruchbändern wieder den DFB gerade in Bezug auf die chinesische U20 Auswahl, die in der Regionalliga Süd/West starten soll.

Opens window for sending emailMaik Bolte, David Inderlied (Fotos) - 23.09.2017


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