Torloser Einbahnstraßenfußball in Freiburg

Aus dem Freiburger Schwarzwaldstadion berichten
Christoff Strukamp und Falk-Stéphane Dezort

Borussia Dortmund hat den dritten Sieg im dritten Ligaspiel der Saison verpasst. Beim tapfer kämpfenden SC Freiburg kam das Team von Peter Bosz trotz 60-minütiger Überzahl nicht über ein mageres 0:0 hinaus. Noch schwerer wiegt die erneute Verletzung von Mannschaftskapitän Marcel Schmelzer.

Es hätte ein guter Tag für Marcel Schmelzer werden können. Erstmals in der noch jungen Saison führte der Ex-Magdeburger seinen BVB als Mannschaftskapitän wieder aufs Feld. Seit der Asienreise im Juli pausierte Schmelzer mit einer Sprunggelenksverletzung. Während der überflüssigen Länderspielpause kehrte er zurück ins Mannschaftstraining, in Freiburg feierte er nun sein heißersehntes Comeback.



Bis zur 30. Minute. Da erwischte Freiburgs Neuzugang Yoric Ravet den BVB Kapitän beim Kampf um den Ball so übel, dass „Schmelle“ Minutenlang auf dem Rasen des Schwarzwaldstadions behandelt und schlussendlich unter lauten Pfiffen vom Platz getragen werden musste. Das gellende Pfeifkonzert galt jedoch nicht dem Dortmunder, sondern Schiedsrichter Benjamin Cortus, der mit Hilfe des Videobeweises seine Entscheidung (Gelbe Karte für Ravet) kurzer Hand revidierte und den Freiburger mit Rot des Feldes verwies.

Rückkehr der guten alten Bekannten

Bis dahin ähnelte das Spiel einem typischen Gastspiel des BVB in Freiburg. Peter Bosz vertraute der Offensivformation der ersten beiden Spiele, so dass Maximilian Phillip als Stammspieler an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrte. Die Gäste aus dem Ruhrgebiet waren früh darauf bedacht, Kontrolle über das Spiel zu erlangen und Freiburg möglichst schnell unter Druck zu setzen. Die erste Großchance des Spiels verzeichneten jedoch die Gastgeber. Nach einem schnellen Konter war die BVB Abwehr mit nur wenigen Ballkontakten überspielt, Freiburgs Stürmer Tim Kleindienst scheiterte jedoch alleine auf Bürki zulaufend am Dortmunder Schlussmann (6.).



Dortmund kam zwar ordentlich ins Spiel, wirkte vorne aber über weite Strecken harmlos. Bei ihrer besten Möglichkeit behinderten sich Aubameyang und Phillip im Sturmzentrum noch gegenseitig (15.). Kurze Zeit später begann für Bosz die Sorgenzeit. Erst verletzte sich Bartra ohne Fremdeinwirkung an den Adduktoren (18.), zwölf Minuten später senste Ravet dann wie oben beschrieben Schmelzer um. Nach 32 mehr oder weniger „gespielten“ Minuten hatte Bosz schon zweimal gewechselt. Toprak ersetzte Bartra, Zagadou übernahm wie zuletzt die linke Abwehrseite.

Auch Christian Streich reagierte direkt auf die Unterzahlsituation, brachte mit Mike Frantz einen weiteren Defensivspieler und konstruierte von nun an ein Bollwerk, an dem sich der BVB die Zähne ausbeissen sollte. Wie beim Handball formierten sich die Dortmunder um den Strafraum der Freiburger, deren Abwehrketten selten mehr als zehn Meter zwischen sich ließen. Ein Spiel auf dem Bierdeckel begann, ein Spiel so einseitig, wie nordkoreanisches Staatsfernsehen.

Powerplay ohne Power

Mit Beginn der zweiten Halbzeit verabschiedeten sich die zehn verbliebenden Gastgeber von der Mittelinie, die sie von da an nicht mehr oft überschreiten sollten. Der BVB schaltete um ins Powerplay, vergaß jedoch über weite Strecken die Power. Zwar reihten sich die Chancen der Schwarzgelben nun aneinander, die Videotafel blieb jedoch hart und kompromisslos bei 0 zu 0. Weil Pulisic aus der Drehung scheiterte (47.), Phillip bei einer Flanke von Zagadou knapp zu spät kam (53.), Aubameyang über das Tor köpfte (55.) und keine 60 Sekunden später ein paar Zentimeter Körperlänge fehlten, weil Pulisic an einem Verteidiger scheiterte (58.) und Topraks Aufsetzer über das Tor ging (62.).




Zu diesem Zeitpunkt hatte der BVB über 80% Ballbesitz und in Pep Guardiola wahrscheinlich einen neuen Verehrer gefunden. Super-Super-Chancen blieben jedoch Mangelware. Maximilian Phillip streichelte einen Ball rechts oben am Dreieck vorbei, zwei Minuten später scheiterte Sahin aus guter Freistoßposition an der Freiburger Mauer.

Als Peter Bosz die Zeit davon rennt, reagiert der Holländer und bringt Neuzugang Yarmolenko für Götze. Eine Minute später ist der Ball im Netz, weil Aubameyang sich schneller drehte, als sein Gegenspieler und zum 1:0 einnetzte. Dumm nur, dass Schiedsrichter Cortus bereits ein Foul an (!) Sokratis gepfiffen hatte und sich von nun an der Anfeindung des Freiburger und des Dortmunder Publikums ausgesetzt war.

Sturmlauf vs. Einigeltaktik

Dabei ist es im Nachhinein gar nicht mal so paradox, wenn man sagt, dass die Rote Karte eher dem SC Freiburg half. Das Team von Christian Streich kam die Taktik der Einigelung scheinbar ganz gelegen, tapfer kämpfend bauten die Breisgauer ein Bollwerk auf, das der BVB nur selten durchspielen konnte. Lukasz Piszczek hatte es acht Minuten vor Schluss noch einmal geschafft, scheiterte jedoch mit einem Kopfball denkbar knapp.



In der fünften Minute der Nachspielzeit war es dann wieder der Pole, der im Mittelpunkt stand. Bei einem Luftzweikampf mit Ex-Borusse Marcel Stenzel wurde Piszczek am Kopf getroffen, wieder wurde die Videoschiedsrichter hinzugezogen, der bestätigte jedoch die Entscheidung von Schiri Cortus – Eckball. 1:0 für ihn. Im wahrscheinlich einseitigsten 0:0 dieser Saison.

Am Mittwoch reist Borussia Dortmund zum Champions-League Auftaktspiel ins Londoner Wembleystadion. Bis dahin muss der Ärger über die verpasste Chance, sich einen Vorsprung auf die Bayern anzufuttern, vergessen sein. Im Laufe des morgigen Tages erwarten die Dortmunder Verantwortlichen eine genaue Diagnose und Ausfallzeit für Marcel Schmelzer. Gute Besserung an unseren Borussen an dieser Stelle!


Opens window for sending emailChristoff Strukamp, Falk-Stéphane Dezort (Bilder) – 09.09.17

>> Stimmen zum Spiel
>> Noten zum Spiel
>> Bildergalerie







Nächstes Spiel: Borussia Dortmund vs. SV Werder Bremen
Aktuelle Infos // Pressekonferenz // Statistik
Copyright 2011 - Gib mich die Kirsche - Das Fußballmagazin aus Dortmund