Nachlese Trainingslager Bad Ragaz oder neue Besen kehren anders

Die Reise nach Bad Ragaz dem kleinen Örtchen in Kanton St. Gallen zwischen Lichtensteiner und Österreicher Berglandschaft, am 2844 Meter hohen Hausberg Pizol, mitten im Rheintal war zum 7. Mal für die Mannschaft sowie für die Fans des Ballspielvereins eine Reise wert. 

Trotz der reduzierten öffentlichen Trainingseinheiten und der verschärften Sicherheitsbedingungen am Mannschaftshotel blieb noch genug Raum und Zeit, den Spielern näher zu kommen. Ob auf dem Fahrrad auf dem Weg vom und zum Hotel, oder direkt auf dem Trainingsgelände Ri Au, gaben die meisten der Spieler bereitwillig Autogramme und hatten auch Zeit für das ein oder andere Foto.




Von Jürgen Klopp, der teilweise bis zu drei mal am Tag trainieren ließ, über Thomas Tuchel, bei dem es jeweils zwei Trainingseinheiten pro Tag gab, hatte unser neuer Übungsleiter Peter Bosz und sein Team nur einmal am Tag öffentlich angesetzt. Dies aber auch nur an Tagen, an denen kein Testspiel stattfand. Diese Einheiten waren dann aber auch meist intensiv und dauerten um die 90 Minuten.

Neue Besen kehren halt anders

Hier wurden, wie schon in China, die Profis in zwei Gruppen eingeteilt, die dann auch jeweils komplett die Testspiele bestritten. Es war schon zu erkennen, dass es in der Philosophie des Trainers für die Zukunft kaum Rotation, dafür mehr Kontinuität geben soll. Immer mehr kristallisierte sich eine erste Mannschaft heraus. Diese Elf wurde dann auch in der Aufstellung zum Supercup deutlich. Auch ein Nuri Sahin gehört ab sofort wieder zur Startformation, der dieses Vertrauen aber auch durch sehenswerte und souveräne Leistungen zurückzahlt. Den später dazugestoßenen Philipp und Dahoud sah man die konditionellen Defizite nach der Sommerpause noch an. 

Die intensivsten Einheiten das Spiel 4 gegen 4 in jeweils 12 Sätzen bekam man selten öffentlich zu sehen. Das aggressive Gegenpressing und das schnelle Spiel in die Spitze, das die Spielweise von Bosz auszeichnet, wird immer weiter perfektioniert. Wobei es nach wie vor im Spiel nach vorn in den beiden Testspielen gegen Espaniol Barcelona und Atalanta Bergamo ein wenig hakte. Erst die Partie gegen die Bayern zeigte, welches Potenzial in der neu eingestellten Mannschaft steckt, auch es momentan noch nicht vollends abgerufen wird.




Das Amsterdamer System wird durch den in den letzten beiden Jahren unter Tuchel antrainierten Ballbesitzfußball ergänzt und gibt so dem Team Ruhephasen vom kraftraubenden Gegenpressing. Selbst ein Mario Götze ist anzumerken, dass es von Tag zu Tag besser geht, der aber dann aufgrund von Rückenproblemen gegen Bayern die Segel streichen mußte.

Viel Ballarbeit und Situationstraining prägt das Training, das oft im 11 gegen 11 gipfelt und immer wieder von taktischen Anweisungen von Peter Bosz unterbrochen wird. Auch die leicht lädierten Erik Durm und Emre Mor ließen sich zum Ende blicken und trainierten individuell. Torschusstraining inklusive freiwilligem Elfmeterschießen, schnellen Ballstafetten (die auch im Ansatz im Spiel gegen die Bayern zu sehen waren) und ein im Aufbau befindlicher Julian Weigl als Balljunge begeistern die Zuschauer. Marcel Schmelzer drehte auch fleißig seine Runden, um bald wieder ins Mannschaftstraining einsteigen zu können.

Die Früchte der Einheiten in Bad Ragaz waren dann aber erst im Spiel gegen München und Erfurt zu erkennen. Selbst ein Alexander Isak, der noch gegen Bergamo in der körperlichen Robustheit der italienischen Abwehrreihe unterging, konnte mit seinen vier Toren gegen Erfurt glänzen.

Schweizer Fanfest mit Passlack und Toprak 

Der Schweizer Fanclub Conföderatio Helvetica Borussia hatte zum Fanfest am Sportplatz in Sargans gebeten. Die Ausrichter, die sich jedes Jahr wieder große Mühe geben, den von weit her angereisten Fans die Schweiz mit ihrer Gastfreundschaft näherzubringen, hatten wieder groß aufgefahren. Inklusive eigenem Fußballturnier bei Gegrilltem und kühlen Getränken fehlte es mal wieder an Nichts.




Auch der BVB hatte sich diesmal eine Überraschung und Würdigung für das jahrelange Engagement einfallen lassen. Ömer Toprak und Felix Passlack ließen es sich nicht nehmen, zu den schwarz-gelben Fans dazuzustoßen und sogar zwei Mannschaften beim Turnier fußballerisch zu unterstützen. Letztendlich eine sehr runde Sache für die Fans, aber auch für die Spieler, die sich unter die Gäste mischten und sich offensichtlich wohlfühlten.

Wohlfühlen, wo die Uhren anders ticken

Man könnte meinen das der Verein die Zeichen der Zeit erkannt hat und wieder etwas mehr auf Fannähe setzt. Das wird aber erst wieder auf dem Trainingsgelände in Brackel an der Anzahl der öffentlichen Trainingseinheiten abzulesen sein. Auch die schwarz-gelbe Fraktion auf dem Campingplatz am Giessenpark nahe des Trainingsgeländes war wieder zahlreich vertreten. Hier entwickelte sich ein schwarzgelber Treffpunkt nach den Trainingseinheiten, bevor es dann am Abend in die Bars des kleinen Städtchens an der Taminaschlucht ging. Es tut immer wieder gut, hierher zu kommen und die große BVB-Familie und Fans aus allen Himmelsrichtungen kennenzulernen oder wiederzusehen, ob Ultra, Fanclub oder Familie.




Wir hoffen mal nicht, dass uns die vermutliche USA-Reise im nächsten Jahr einen Strich durch die Schweizer Bergwelt macht. Gerne immer wieder hier, wo die Schweizer Uhren noch etwas anders ticken, zum Abend die Alphörner blasen und die Welt noch in Ordnung scheint.


Oliver Römer, Annemieke Römer-van der Meulen - 08.08.2017



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