Coach Bosz muss nachsitzen

Aus dem Stadion an der Hafenstraße in Essen
berichten Bodo Lünemann und Stephan Münnich



Als wäre die Hypothek für Neu-Trainer Peter Bosz nicht schon groß genug, lasteten sich die Profis von Borussia Dortmund schon gleich im ersten Testspiel noch einen Stein mehr in den Rucksack namens Vorbereitung. Nach nur drei Trainingseinheiten kam es gleich zum Klassiker bei Rot-Weiss Essen. Und bei der 2:3-Niederlage enttäuschte der BVB (fast) auf ganzer Linie.


Welch klangvolle Paarung aus vergangenen Bundesligazeiten: Der deutsche Pokalsieger von 1953 gegen den amtierenden Pokalsieger. Und 13.500 Zuschauer an der Essener Hafenstraße wollten die BVB Stars einmal hautnah und live erleben. Allen voran Pierre-Emerick Aubameyang, der ganz besonders herzlich empfangen wurde. Wie schon vorher angekündigt, fehlte der lange erkrankte Mario Götze im Kader. Und auch Sebastian Rode und Roman Weidenfeller waren nicht dabei.




Da die U23 zur gleichen Zeit beim Lüner SV antrat, musste der BVB-Kader durch die U19 Spieler Dominik Wanner und David Kopacz ergänzt werden. Beide machten ihre Sache gut. Ganz im Gegensatz zum Weltmeister Andre Schürrle. Es wird allerorts von den Wackelkandidaten beim BVB gesprochen, die aussortiert werden sollen.  Da sollte man sich über Schürrle aber ernsthaft Gedanken machen. Es war zwar „nur“ ein Testspiel, aber was der Weltmeister zum wiederholten Male ablieferte, genügte für das Ziehkind von Thomas Tuchel nicht mal Viertligaansprüchen.

Bürki sieht zweimal schlecht aus

Es begann denkbar schlecht für die Männer in schwarz-gelb. Als man sich auf Dortmunder Seite noch gar nicht richtig auf das Spiel eingestellt hatte, lag man schon 0:1 hinten. Erik Durm spielt einen Fehlpaß, Felix Passlack geht nicht richtig in den Zweikampf, der Essener Kapitän Benjamin Baier zieht einfach mal ab, und der Ball zischt am auch nicht gut aussehenden Roman Bürki vorbei ins Netz. Die Rot-Weissen sind zwar schon eine ganze Weile länger im Training als der BVB. Aber von einem Bundesligisten gegen einen Viertligisten sollte man schon mehr erwarten können.

Immerhin versuchte der BVB nun mehr Druck aufzubauen. Sie hatten auch ein deutlich spielerisches Übergewicht, ohne dabei allerdings zwingend gefährlich zu sein. In der Anfangsphase des Spiels bemühte sich Nuri Sahin um Struktur im Dortmunder Spiel, aber mit zunehmender Spieldauer verlor auch er den berühmten roten Faden. In der 19. Minute spielt Sahin einen herrlichen Pass auf Aubameyang, der legt quer auf Schürrle - doch dessen Schuss wird zur Ecke geblockt. Da war sie, die erste große Chance für den BVB.




Zehn Minuten später endlich der Ausgleich für Borussia. Eine Ecke verlängert Ömer Toprak mit dem Kopf zu Auba, und der stochert das Leder irgendwie zum 1:1 über die Linie. Kurze Zeit später fast identische Szene. Wieder Ecke, wieder legt Toprak ab, doch diesmal grätscht Aubameyang das Spielgerät über den Kasten. Anders die Essener. Borussia presst am gegnerischen Strafraum und eröffnet Rot-Weiss den nötigen Raum für einen Konter. Kamil Bednarski trifft den Ball im Dortmunder Strafraum nicht richtig, Baier nimmt den Ball direkt und erzielt die vielumjubelte Führung für Essen. Wieder macht Bürki keine allzu gute Figur.

Zur Pause wechselt der niederländische Trainer beim BVB komplett aus. So hat er denn die Möglichkeit, alle Spieler unter Wettkampfbedingungen zu sehen. Dembele, wie man ihn aus der Bundesliga kennt, in manchen Situationen arg eigensinnig, scheitert zweimal aus kurzer Distanz an Torwächter Robin Heller. Der BVB machte jetzt Druck, doch die Tore schoss der Gegner. Bei einer Flanke von rechts wurde Neven Sobotic an der Hand getroffen und der Schiri entscheidet auf Freistoß. Bei der Hereingabe ist die gesamte BVB-Abwehr im Tiefschlaf - Torjäger Platzek steht völlig frei am langen Pfosten und brauchte nur noch zum 3:1 einschieben.

Viel Arbeit für Bosz

Doch fast im Gegenzug ein ähnliches Bild auf der anderen Seite. Dem Essener Grund sprang der Ball im Strafraum an die Hand, dem Schiri blieb nun nichts anderes übrig als auch hier zu pfeifen: Elfmeter! Ousmane Dembele legte sich den Ball auf den Punkt. Und verwandelte ganz sicher zum 2:3. Die Borussia machte weiter Druck. Pulisic vergab kurz vor Schluss noch eine große Chance zum Ausgleich. Der Essener Torwächter ließ einen BVB-Schuss nach vorne abprallen und Pulisic setzte den Ball aus kurzer Distanz übers Tor.Kurze Zeit später erfolgte der Abpfiff und die Rot-Weissen Essener freuten sich über einen verdienten Sieg. Auf die Dortmunder wartet in den nächsten Wochen noch eine Menge Arbeit. Und Trainer Bosz? Er saß ruhig und nachdenklich das ganze Spiel über auf seiner Bank und hatte kein Gefallen am Spiel seiner neuen Mannschaft.




Aber so kennt man ihn aus der niederländischen Eredivisie. Kein Mann, der an der Linie auf und ab rennt, wenn ihm etwas gefällt oder missfällt. Auch bei Ajax saß er in der letzten Saison mit fast stoischer Ruhe auf der Bank und hat anschließend die Spiele analysiert. Auch daran wird man sich in Dortmund erst gewöhnen müssen.

Schema 

1. Hbz.: Bürki, Passlack, Sokratis, Toprak, Schmelzer, Sahin, Durm, Wanner, Mor, Aubameyang, Schürrle

2. Hbz.: Reimannm Piszczek, Bartra, Subotic, Zagadou, Kopacz, Bender, Castro, Pulisic, Isak, Dembele

Tore: 1:0 Baier (3.), 1:1 Aubameyang (29.), 2:1 Baier (40.), 3:1 Platzek (61.), 3:2 Dembele (63. Handelfmeter)

SR: Sven WaschitzkiZ.: 13.500




Stimmen

Peter Bosz: „Ich bin enttäuscht. Der BVB muss bei einem Viertligisten gewinnen. In der ersten Halbzeit waren wir zu langsam und nicht aggressiv genug. Die zweite Halbzeit war besser, da hatten wir ein paar Chancen. Aber insgesamt war es nicht gut. Dass die Spieler die neuen Ideen verinnerlichen dauert lange, das kann ich ihnen schon sagen. Das kann nicht nach drei Tagen schon klappen. Wir werden da weiter hart dran arbeiten.“



Bodo Lünemann, Fotos: Stephan Münnich - 11.07.2017







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